236 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September/Oktober 1919,
Wir haben daher nachts eine Art Rückkehrkonvektion zur Erde, die
in außerordentlich feinen Luftströmchen vor sich gehen muß, viel feiner, viel-
leicht in Massen von fast molekularen Dimensionen, als die Wärmekonvektion
am Tage. Die Szintillation der Sterne gibt uns Kenntnis von dieser Kälte-
konvektion. N
Von ganz anderen Überlegungen ausgehend ist A. Defant in dieser Zeit-
schrift 1919, S. 93 ff, zu ähnlichen Forderungen gekommen, die damit eine Stütze
bekommen dürften. A. Schmauß, München.
Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben.
Brückmann, Dr. R.: Strömungen an der Süd- und Ostküste des Baltischen
Meeres. Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde. 22, Bd,
H. I. 8% 59 S, 5 Abb. u. 1 Tafel. Stuttgart 1919. J. Engelhorns Nachf,
Die durch den Titel der Abhandlung erweckte Erwartung, neue Aufschlüsse über die Strömungen
an der deutschen Ostseeküste zu erhalten, erfüllt die Arbeit nicht. Das neu beigebrachte Beobachtungs-
material, eine Anzahl Flaschenposten und Strommessungen, ist nicht sehr zahlreich und seine Er-
örterung befriedigt wenig. Verf, kennt nur die alte Zöppritzsche Theorie, auch sind seine Darlegungen
oft unklar, wie z.B. in den auf S, 7 nebeneinander gereihten Sätzen: „Wechselnde Winde haben
immer nur Oberflächenströmung im Gefolge. Die innere Reibung des Wassers teilt sich nun auch
den tieferen Schichten mit.‘ — Mehr als den halben Umfang der Arbeit nehmen Monatstabellen der
Häufigkeit der einzelnen Windrichtungen für 10 Stationen der deutschen Ostseeküste ein (1909—1913),
ohne daß im der Arbeit weitergehende Schlußfolgerungen aus der Tabellensammlung gezogen werden.
Zum Schluß werden Beobachtungen über Sandwanderungen längs der Küste mitgeteilt.
W, Brennecke.
Wirtz, Dr. Carl, Universitätsprofessor in Straßburg i. E.: Tafeln und Formeln
aus Astronomie und Geodäsie für die Hand des Forschungsreisenden,
Geographen, Astronomen und Geodäten. 8°% 236 SS. Berlin 1918, Julius
Springer.
Der Verfasser erwähnt am Ende der Vorrede, daß diese Tafelsammlung aus dem Wunsche
hervorgegangen sei, alle Tafein zu vereinigen, die bei astronomischen Arbeiten in Forschung und
Lehre gebraucht werden. Durchschnittlich ist hierbei diejenige Genauigkeit innegehalten worden, die
lurch die fünfstellige logarithmische Rechnung gewährleistet wird. — Für den Fachastronomen bietet
die neue Sammlung viel Interessantes, da eine Anzahl sehr praktischer und teilweise neu angeord-
neter Tafeln, die sich auf Probleme der Bahnbestimmung ‚beziehen, hier Aufnahme gefunden hat,
Ob aber der Forschungsreisende, der auf dem Titelblatte an erster Stelle genannt wird, sich mit
besonderem Vorteil dieses Werkes in der gegenwärtigen Form für den täglichen Gebrauch bedienen
wird, dürfte zweifelhaft sein. Der Verfasser hat in der guten Absicht, hier eine möglichst vielseitige
Sammlung zu bieten, auch manche Tafel aufgenommen, für die der Forschungsreisende keine Ver-
wendung hat. Es möge deshalb empfohlen werden, bei einer späteren Auflage das Werk in zwei auch
äußerlich getrennte Hefte zu zerlegen, so daß der Forschungsreisende, der jede unnötige Belastung
vermeiden muß, aus dem ersten Hefte diejenigen Angaben entnehmen kann, die unmittelbar für seine
Zwecke in Betracht kommen. Die Verwendbarkeit des Werkes würde durch eine solche Teilung
wesentlich gewinnen,
Für den Leserkreis der „Annalen“ ist der Abschnitt über die rechnerische Bearbeitung der
Monddistanzen (%. 13 bis 23) von besonderem Interesse. Im allgemeinen scheidet gegenwärtig für den
Seemann diese Methode der Längenbestimmung aus, weil die Funkentelegraphie für den gleichen
Zweck ein wesentlich einfacheres Mittel bietet. Wenn aber der Beobachter sich in einem Gebiet
befindet, das außerhalb der Reichweite der F.-T,-Stationen liegt (z. B. in der Antarktis), können auch
jetzt noch die Monddistanzen mit Vorteil benutzt werden. — Prof. Wirtz hat für die rechnerische
Bearbeitung einen etwas anderen Weg als bei der Elfordschen Methode gewählt: Die einzelnen Ver-
besserungsglieder werden getrennt behandelt, und zu ihrer Ermittlung sind Tafeln aufgestellt worden,
lie entweder unmittelbar oder durch eine kleine Rechnung zum Ziele führen. Infolge dieser Trennung
kann eine strengere Berücksichtigung der einzelnen bestimmenden Elemente, so der Thermometer- und
Barometerstände bei der Ermittlung der Strahlenbrechung und der schwankenden Größe der Mond-
parallaxe bei der Berechnung der höheren Glieder der parallaktischen Verschiebung, durchgeführt
werden, Ferner wird auch die Erdfigur durch eine besondere Tafel in die Rechnung eingeführt.
Am Schlusse des Abschnitts ist ein vollständiges Rechnungsbeispiel beigefügt worden.
Es möge schließlich noch darauf hingewiesen werden, daß in dem Werke eine sehr übersicht-
lich geordnete Formelsammlung enthalten ist, von der einige Seiten ausschließlich für den Forschungs-
reisenden in Betracht kommen (S. 199 bis 208), während die übrigen für den Gebrauch des Fach-
astronomen bestimmt sind (S. 197 bis 198 und S. 209 bis 212). Dr. Stechert,