234 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September/Oktober 1919.
gesuchte Azimut. Um das Auffinden der Kurven zu erleichtern, ist abwechselnd
ein 30m, bzw. 5° breiter Streifen gelb getont. Die Gerade braucht man in der
Schalttafel nicht zu ziehen; man legt statt dessen die Linealkante durch die
Punkte,
Die Gleichung für das Azimut lautet bekanntlich:
cot A sin t == tang 6 cos g — sin @ cos t.
Für die Meßkarte sind ö und t als beständig zu betrachten, dagegen A und @
veränderlich. Man hat daher folgende drei Gleichungen:
cot A, sin 6 = tang Öcos y, — sing, cost . . .0 JM
cot Ag sin t = tang $ cos g, — sin q, Cost . #8 . 2)
cot A, sin t ==tang ö cos g, —singzCost . . 2. 0... .. 6
Die Zeiger 1 und 3 gehören zu den in der Karte benutzten Breiten, 30°
und 50°, bzw. 50° und 72°, während der Zeiger 2 der in der Aufgabe geforderten
Breite entsprechen möge. (1) wird mithin durch die linke Seite, (3) durch die
rechte Seite der Karte gelöst, während (2) durch die Schalttafel gelöst werden soll,
Durch Beseitigung von ö und t aus (1 bis 3) erhält man:
cot A, sin (9, — Ps) = cot A, sin (pz — ga) — cot Az sin (g, — Pa). - 2... 4)
(4) wird linear, wenn man als rechtwinklige Koordinaten einführt:
Xx=cotA,, y=cot Az.
Da eine Teilung nach cotangens sehr unbequem ist, hat Mora eine gleich-
förmige, mit dem Winkel fortschreitende Teilung für die Schalttafel gewählt.
Er verzichtet damit auf geradlinie Breitenlinien und muß statt dessen Exponen-
tialkurven verwenden. Statt der rechtwinkligen Koordinaten benutzt er Linien-
koordinaten.
Die Berechnung der Kurven nach (4) ist umständlich. Man wird deshalb
nach einem vereinfachten Verfahren suchen, Da die Schalttafel für alle Ab-
weichungen gilt, muß sie auch für ö=0 gelten. Dadurch vereinfachen sich
(1), (2), (3). Man erhält:
— tang t = tang A, sin yı = tang A, sing, = tangAzsingz ...... ©)
mithin tang A, = tang A, sin g, COSeC Pa. . 2. 0.0.0.0... 6
Für die einzelne Breitenkurve ist sin g@, cosec 9, unveränderlich. Stellt
man diesen Wert am Rechenschieberläufer ein und hält ihn über den Werten
tang A, so liest man am Ende des Läufers auf der Tangentenskala den zu-
gehörigen A, Wert ab.
Zwecks schärferer Einschaltung nach t hat Mora am Fuße der Meßtafel
Transversalmaßstäbe angebracht, Die Meßkarte wurde dem Referenten von
Herrn Direktor Dr. Schulze übermittelt. Wedemeyer.
2. Ein neuer Winddruck- und -Richtungsschreiber. Einen verhältnis-
mäßig einfachen Winddruck- und -Richtungsschreiber hat C. Theune in dem
D. R. P. 308699 Kl. 42k angegeben. Der ganze Apparat ist in einem auf einer
Säule a in Kugeln gelagerten Gehäuse b untergebracht, das mit seinen Längs-
seiten unter der Wirkung der Windfahne y in den Wind eingestellt wird. Der in
das Gehäuse ragende Säulenteil a, wird von dem mit dem Gehäuse verbundenen
Rohr p umfaßt, das oben schräg abgeschnitten ist. Auf diesem sitzt das unten
gleichartig abgeschrägte Rohr g, das auf seinem oberen Teil einen Kanal von
quadratischem Querschnitt hat, mit dem es auf dem oberen quadratisch ab-
gesetzten Schaft a, der Säule @ längsverschiebbar geführt wird. - Wird das
Gehäuse b durch den Wind gedreht, so wandert der Rohrstützen p mit und das
an der Drehung nicht teilnehmende Rohr q wird entsprechend der Schrägung
seines unteren Endes gehoben; dabei schreibt eine Schreibvorrichtung auf dem
Umfang der durch ein Federwerk gedrehten Trommel &. Zum Aufzeichnen
dienen zwei Stifte, von denen der eine für Winde zwischen N über O nach S
und der mit anderer Farbe oder beim Rußschreiber mit Doppelspitze zeichnende
für solche zwischen N über W nach S mit der Schreibfläche in Berührung ge-
bracht wird. Auf dem Mantel des Rohres qg ist eine Nut eingefräst, in‘ der
möglichst reibungsfrei übereinanderliegend zwei Scheiben r und s eingelassen
sind. An diesen sind Stangen £ befestigt, die durch die obere Wand des Gehäuses