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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 47 (1919)

230 Aunalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September/Oktober 1919.

Erst nach Einsetzen stärkerer Kälte Ende Januar wurde Eis von verschiedenen
 Orten, wenn auch noch ohne nennenswerte Behinderung der Schifffahrt,
 gemeldet, Nur Brunshausen verzeichnete Ende Januar bereits eintägigen
Schluß der Segelschiffahrt. Der anhaltende Frost Anfang Februar rief dann
aber fast überall größere Störungen durch Eis hervor.
Von den Eisbeobachtungsstellen der Nordsee hat Glückstadt mit 27 die
meisten Eistage während des vergangenen Winters gehabt,
Im Emsgebiet und auf den Watten
trat zunächst vom 30. I. bis 9. II. unter dem Einfluß östlicher Winde starker
Frost (bis —12°) und schnelle Eisbildung ein. Auf der Oberems hatten sich
beträchtliche Eismassen angesammelt.
Die Segel- und Dampfschiffahrt ruhte vom 30, I. bis 13. II. vollständig.
Nach dem 13. II. wurde das Eis auf der Strecke Leerort— Papenburg durch
Eisbrecher aufgebrochen, Ebenso ist der Emdener Hafen durch Eisbrecher
ständig offengehalten worden, so daß Störungen im Hafenverkehr vermieden
wurden, Am 21. IL war die Ems wieder eisfrei. In Nesserland wurde die Segelschiffahrt
 an 16 Tagen geschlossen, der Dampferverkehr wurde dort nicht unterbrochen.
 Auf Borkum wurden 10 Tage mit Eis verzeichnet, und es trat der
seltene Fall ein, daß die Dampfschiffahrt an 6 Tagen eingestellt werden mußte.
Auf der Westerems ist die Schiffahrt dagegen während des ganzen Winters unbehindert
 gewesen. Im Norderneyer Seegat war die Segelschiffahrt an 15 Tagen
erschwert und an 2 Tagen geschlossen.

Mündungsgebiete der Eider, Elbe, Weser und Jade.
In den Flußmündungen der Elbe und Weser sammelten sich während der
nahezu dreiwöchigen Eisperiode im Januar— Februar bedeutende Treibeismassen
an, die den Verkehr zeitweilig stark behinderten. Besonders groß waren die
Eisschwierigkeiten in Glückstadt und Brunshausen, obwohl bei beiden Orten die
Eisdauer geringer war als im vorhergehenden Winter. Die Segelschiffahrt wurde
in Brunshausen an 21 Tagen, in Glückstadt an 22 Tagen geschlossen; im Winter
1917/18 brauchte die Segelschiffahrt in Glückstadt nur an 4 Tagen, in Brunshausen
 überhaupt nicht unterbrochen zu werden. Auch das Fahrwasser und der
Hafen von Hamburg waren zeitweilig mit Treibeis gefüllt. Elbe und Weser
wurden durch Eisbrecher offengehalten.
An der Westküste Schleswig-Holsteins trat das Eis mit Ausnahme von
Husum, wo es sich bereits im November gezeigt hatte, am spätesten auf. In
Tönning, Husum, ferner auf Amrum und im Lister Tief (Ellenbogen, Sylt) war
die Segelschiffahrt an einigen Tagen unterbrochen. Zur Einstellung der Dampfschiffahrt
 kam es mit Ausnahme von Belumerschanze, wo sie an 5 Tagen ruhte,
sonst nirgends.
Vom Jadegebiet liegen lediglich aus Wilhelmshaven Meldungen vor, und
zwar ist an der Innenjade die Eisbesetzung wesentlich stärker als im Winter
1917/18 und auch stärker als durchschnittlich in anderen Jahren gewesen. Die
Störungen waren dementsprechend auch größer. Die Segelschiffahrt, die während
des vorhergehenden Winters nicht unterbrochen wurde, wurde diesmal an
9 Tagen eingestellt.

Die Eisverhältnisse an der Ostseeküste.
Die Eisverhältnisse waren verhältnismäßig günstiger als an der Nordsee,
wenn auch die Eisbesetzung, infolge der bedeutend niedrigeren Temperaturen
und des häufiger auftretenden Frostes, eine wesentlich größere Dauer und Stärke
als dort aufwies, Auch im Vergleich zum Vorwinter kann man sie als günstig
bezeichnen, denn eine größere Anzahl von Stationen der Ostseeküste verzeichnete
im vergangenen Winter viel weniger Tage mit Eis als im Winter 1917/18. Bei
einigen Stationen wie Thiessow, Wismar und Memel sind diese Unterschiede
ziemlich bedeutend.
            
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