Defant, A:: Die nächtliche Abkühlung der untersten Luftschichten ‚bei bewegter Luft. 92927
wärmeren Luftmassen mit den unteren, kälteren erklären können. Die bei der
ungeordneten horizontalen Luftströmung auftretende uneigentliche Reibung ist
also indirekt die Ursache, daß bei bewegter Luft die nächtliche Abkühlung der
untersten Luftschichten und der obersten Bodenschicht kleiner ausfällt als bei
Windstille. Die in den Abendstunden. sich einstellende geringe Temperatur-
abnahme mit der Höhe bewirkt, daß im Laufe der Nacht der nach abwärts
wandernde Wärmestrom ziemlich bedeutend wird; ist doch die nach abwärts wan-
dernde: Wärmeenergie bei ungeordnetem Massenaustausch proportional dem
Gradienten der potentiellen Temperatur, der bei Isothermie 1°C pro 100 m be-
trägt und bei Temperaturumkehr mit der Höhe noch größer wird. Eine in der
Nacht herrschende Luftbewegung in den unteren Luftschichten bedingt demnach
in allen Fällen eine merkliche Störung im nächtlichen Temperaturgang.
Die Eisverhältnisse an den deutschen Küsten im Winter 1918/19.
_ (Amtlich) i
Wie alljährlich, sind auch diesmal die nachstehenden tabellarischen An-
gaben nach den Monatsberichten der verschiedenen Beobachtungsstationen
zusammengestellt, um eine Übersicht über die Eisverhältnisse an unseren Küsten
im vergangenen Winter zu geben. Die Tabellen geben nach verschiedenen
Gruppen geordnet, die Zahl der Tage an, an. denen das Eis ein mehr oder
weniger starkes Hindernis für die Schiffahrt bildete, Bei näherem Eingehen ist
zu erkennen, daß umfangreichere Eisansammlungen wiederum in der Haupt-
sache an Flußmündungen und den Ausgängen von Haffen und Häfen stattfanden,
daß dagegen frei am Meer gelegene Orte und Punkte nahezu oder ganz davon
verschont blieben, Die Tabellen enthalten die Beobachtungsergebnisse von
399 Stationen der Nordsee- und 383 Stationen der Ostseeküste,
Die Temperaturverhältnisse des Winters 1918/19
werden durch die folgende Tabelle der Abweichungen von den Mitteltemperaturen
veranschaulicht. Die Vorzeichen + und — bezeichnen die Abweichungen von
den langjährigen Mittelwerten. Aus der Tabelle ersieht man ohne weiteres, daß
in der ersten Hälfte des vergangenen Winters meist zu hohe, in der zweiten
Hälfte dagegen zu niedrige Temperaturen geherrscht haben. Am auffälligsten
zeigen sich die Abweichungen beim Monat Dezember, welcher im Gegensatz zum
vorhergehenden Winter, wo er die verhältnismäßig niedrigsten. Temperaturen
aufwies, diesmal der verhältnismäßig wärmste Monat war. Nächst ihm zeichnete
sich der Januar überall. durch zu hohe (+ 1.2° bis 1.8°) Temperaturen aus,
Februar war der kälteste Monat des vergangenen Winters; die Temperatur sank
in Borkum ziemlich beträchtlich unter den normalen Stand, sie erreichte nur in
Keitum den langjährigen Mittelwert und übertraf ihn in Memel um ein geringes,
Im März und April blieb die Temperatur ebenfalls meist etwas unter den lang-
jährigen Mittelwerten.
Das Nordseegebiet (Keitum) verzeichnete im ganzen 3 Frostperioden, deren
längste in die Zeit vom 283. I, bis 9. II. mit einer Mindesttemperatur von — 5.0°
fiel. Die beiden späteren Frostperioden waren nur von kurzer Dauer und nicht
weiter bemerkenswert. Die Temperatur sank in beiden nur wenig unter den
Gefrierpunkt;. Von Borkum, dessen Temperatur während der Wintermonate
durchschnittlieh über derjenigen Keitums liegt, sind ‚diese beiden Frostperioden
überhaupt nicht verzeichnet worden.
Das Ostseegebiet (Memel) hatte im ganzen 7 Frostperioden, von denen vier
eine längere Dauer und größere Kältegrade erreichten. Die drei kleineren sind
ebenfalls zu unbedeutend. um näher hervorgehoben zu werden.