Postelmann, A.: Vorläufige Ergebnisse von Pilot-Doppelanschnitten. usw. 209
Obwohl daher für die Zeit von Februar bis Ende November nur 219 Be-
obachtungen vorlagen, mußte für den. vorliegenden Zweck noch eine weitere
Sichtung dieses Materials vorgenommen werden. Ausgeschieden wurde jeder
Aufstieg, wenn sich der Ballon nachträglich als undicht erwies, wenn die Reihe
wegen Telephonstörung mehrere Lücken aufwies, wenn eine kürzere Reihe durch
mehrere offensichtliche Ablesefehler, die aber nicht völlig zweifelsfrei zu korri-
gieren waren, entstellt war, wenn die beiden resultierenden Ballonhöhen mehrfach
größere systematische Abweichungen (in größeren Höhen etwa im Betrage von
100 m) zeigten, wenn der Ballon während des größeren Teils seiner Bahn sich
in der Richtung der Basis bewegt hatte und die dadurch entstehende Unsicher-
heit der Ergebnisse noch durch hinzutretende weitere Störungen vergrößert wurde,
ferner wenn die Beobachtung durch ungünstige Witterung gleich nach den ersten
Minuten hatte beendet werden müssen, |
Nach Ausscheidung dieser Fälle blieben noch 180 Aufstiege übrig, die als
zuverlässige Unterlage für weitere Untersuchungen angesehen werden durften.
Es stellte sich weiter heraus, daß die tatsächlich beobachteten Steiggeschwindig-
keiten mit den durchschnittlichen normalen im ganzen befriedigend überein
stimmten (benutzt wurde bis zum September ausschließlich der „Steigwert“ k = 1,
von da ab auch öfter k = 0,6), besonders an Tagen mit ruhiger Luftbewegung.
Daher erschien es zweckmäßig und berechtigt, einfach die vorhandenen Normal-
Steigtabellen als die ausgeglichenen Mittelwerte für die vorliegenden Beobach-
tungen zu benutzen und die durch Vergleich mit ihnen gebildeten Differenzen
der Steiggeschwindigkeit als genäherte Werte des gesuchten wahren Betrages der
gestörten Vertikalkomponente der Ballonbewegung aufzufassen; freilich mußten
dann auch die Tage ausgeschieden werden, an denen die Differenzenreihe einen
ausgeprägt einsinnigen systematischen Gang zeigte, was in der Regel mit extremen
Werten des jedesmal vor dem Aufsteigen gemessenen Auftriebsverlustes Hand in
Hand ging.
Im Hinblick auf den Endzweck der Untersuchung, die Berichtigung jenes
Satzes von Wenger, wurde der Begriff der Vertikalstörung möglichst
rigoros gefaßt. Eine Abweichung von der normalen vertikalen Bewegung des
Ballons wurde dann als reell und als bemerkenswert angesehen:
l. wenn die Abweichung von der normalen Steiggeschwindigkeit mindestens
50 m/min betrug,
wenn sie nicht isoliert auftrat, sondern sich mindestens noch in der
nächsten Minute in demselben Betrage und mit dem gleichen Vorzeichen
wiederholte,
wenn vor und hinter dieser Störungsstelle die Differenzen das Vor-
zeichen wechselten oder wenigstens wieder zu normalen mittleren Werten
zurückkehrten.
Was die erste Bedingung betrifft, so sprachen für die Wahl dieser Grenze
mehrere Gründe, Zunächst durfte sie überhaupt nicht zu eng genommen werden,
weil in den Abweichungen ja noch die systematische Differenz zwischen der
beobachteten und der Normalsteiggeschwindigkeit der Tabelle enthalten ist.
Sodann war e = - 50 m ungefähr auch der Maximalbetrag des Fehlers einer
einzelnen Höhe, der beim Arbeiten mit mangelhaften Instrumenten gegen Ende
längerer Reihen vereinzelt auftrat; ferner erscheint 50 m/min oder rund 1 m/sec
als die untere Grenze, wo die Vertikalbewegung der Luft anfängt, auch praktisch
von Bedeutung zu werden; schließlich knüpft Wenger seine Diskussion —
offenbar in Ermangelung weiter reichenden Materials — gerade an Abweichungen
der Steiggeschwindigkeit unterhalb dieses Betrages, so daß seine Resultate
schon deswegen einer Ergänzung bedürfen. Beim zweiten Punkt galt es einmal,
die Verwechslung mit Beobachtungsfehlern auszuschalten, gegen die unter Um-
ständen selbst die gute Übereinstimmung der beiden errechneten Höhen keine
Gewähr bietet; daneben sollten vor allem die Erscheinungen von längerer Dauer
und größerer Konstanz erfaßt und durch die Zusammenfassung solcher benach-
barten Werte der gleichen Größenordnung zu Gruppenmitteln die Sicherheit und
Ann, d. Hydr. usw. 1919. Heft IX/X.
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