Köppen, W.: Zur Frage d. zeitl. u. räuml. Auftret. d, Meyer-Seemannschen Luftdruckschwankung.‘ 207
Ein Zusammenwirken zweier Perioden aus diesem Bereich, etwa je einer
solchen von 29.53 (1 — 1/4790) = 29.47 und von 27,32 (1—1/g4o) = 26.98, oder auch
je einer von 27.32 (1 + !/sos) == 27.37 und von 25.42 (1 +1/6) = 25.72 Tagen
würde für die wichtigsten am Luftdruck beobachteten Erscheinungen in formaler
Hinsicht aufkommen können: für das scheinbare Bestehen einer 29.53tägigen
Periode im Spätjahr und deren Verschwinden im Rest des Jahres sowie für die
sechsjährige und etwa 40jährige Schwankung in dieser Periodizität. Freilich
müßte sich dann im April bis Juni eine ähnliche Druckschwankung in sechs-
jähriger Abwechslung zeigen, wofür bis jetzt Anzeichen fehlen. Der Aggregat-
zustand der Sonne legt zudem die Annahme nahe, daß deren heißesten oder
sonst ausgezeichneten Teile ihren Ort in deren Masse nicht dauernd behalten,
also die Perioden sich verschieben können.
Nun sind, während sonst nur entweder eine Mondperiode oder eine um
mehrere Tage kürzere Periode untersucht worden ist, Ekholm und Arrhenius,
wie ich soeben merke, schon 1898 ausdrücklich für ein Zusammenwirken beider
eingetreten!). Aber die Länge der beiden Perioden ist von ihnen zu 27,32 und
25.929 Tagen bestimmt worden. Der Unterschied der letzteren Periode gegen
unsere Annahme von 25.72 Tagen erscheint gering, ist aber mit dem für den
Luftdruck vorliegenden Material nicht vereinbar, Eine Periode von 25,929 Tagen
würde sich gegen den synodischen und tropischen Mondumlauf in jedem Jahre
um mehr als eine Woche verschieben und, statt sechsjähriger, Schwebungen von
nicht ganz vier- und mehr als siebenjähriger Dauer geben, die in unseren Zahlen
nicht hervortreten.
Eine überzeugende Beweisführung in dieser Frage erscheint nach dem
vorliegenden Material noch nicht möglich und wird auch wohl solange unmöglich
bleiben, bis es gelingt, die physikalischen Ursachen für die Schwankungen der
Luftdruckverteilung aufzufinden, Ich muß mich damit begnügen, Material für
diese künftige, wahrscheinlich noch nicht nahe Lösung des Rätsels beigebracht
zu haben.
Vorläufige Ergebnisse von Pilot-Doppelanschnitten als Beitrag zur Frage
der Vertikalströmungen.
Die Einführung der Papierballone an Stelle der Gummiballone im Kriegs-
wetterdienst bedeutete zwar zunächst insofern eine Erschwerung der Aufgaben
der Höhenwindmessung, als die Steiggeschwindigkeit jenes kriegsmäßigen Ersatz-
mittels nicht das einfache Gesetz der Gummiballone befolgt und wegen ihrer
Abhängigkeit von verschiedenen nicht exakt angebbaren Faktoren eigentlich nur
von Fall zu Fall empirisch festgestellt werden kann. Sie muß daher unter
ständiger Kontrolle gehalten werden, und die dazu erforderliche regelmäßige
Ausführung von Doppelanschnitten bringt ein wesentlich größeres Maß an Be-
obachtungs- und Auswertungsarbeit mit sich. Demgegenüber aber steht der
Gewinn wirklich einwandfreier Windmessungen, die ja heute von besonderer,
unmittelbar praktischer Bedeutung sind, und zumal im vertikal stärker ge-
gliederten Gelände war die Unzuverlässigkeit der gewöhnlichen einfachen Visie-
rungen auch bei keineswegs hochgespannten Anforderungen an Genauigkeit sehr
bald zutage getreten. Hier durfte man, nachdem die normalen mittleren Steig-
verhältnisse der Ballone bei ungestörter Luftbewegung im Flachlande ermittelt
waren, durch konsequente Anwendung des Doppelanschneideverfahrens, für das
der — hier kulturfördernde! — Krieg Personal und Mittel reichlich verfügbar
machte, weitergehend hoffen, auch einen Einblick in das Wesen der gestörten
Luftbewegung selber zu gewinnen.
') Ekholm und Arrhenius: Über den Einfluß des’ Mondes auf die Polarlichter und
Gewitter, K. Svenska Vet, Akad. Handl. B. 31, Nr. 2, Stockholm 1898,