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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 47 (1919)

206 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September/Oktober 1919.

aufdrängen, legen anderseits die Annahme nahe, daß die monatliche Schwankung
des Luftdruckes nicht genau mit dem synodischen Mondumlauf zusammenfalle,
sondern alle 3 und alle 20 Jahre sich gegen diesen um eine halbe Wellenlänge
verschiebe; daß wir es also mit dem Zusammenwirken von zwei Perioden zu
tun haben, deren eine in 3 Jahren statt 37 Wiederholungen 37!/, oder 36'/, hat,
und deren zweite entsprechend ir 19 Jahren nicht 235 sondern 2351/, oder
2341/, solche bietet. Gegen den synodischen Monat von 29,531 Tagen müßte also
die erste Periode um 0,399, die zweite um 0,063 Tage kürzer oder länger sein.
Die wichtige Tatsache, daß die Meyer-Seemannsche Druckschwankung
nur in den Monaten September bis Januar sich zeigt, in den übrigen Monaten
aber verschwindet, weist darauf hin, daß wir es mit der Interferenz zweier
Wellen zu tun haben müssen, die gegen Schluß des Jahres koinzidieren, in der
übrigen Zeit aber einander aufheben, weil ihrer eine oder sonst eine ungerade
ganze Zahl von Wellen mehr oder weniger im Jahr enthalten sind als synodischer
 Mondumläufe. Das könnten z. B. der synodische Monat von 29.53 und
der tropische Monat von 27,32 Tagen sein, weil vom ersteren 12,37, vom letzteren
13.37 ‚auf ein Sonnenjahr kommen, Schon 1890 hat Dr. G. Meyer in dieser
Zeitschrift gezeigt, daß der tropische oder periodische Mondumlauf dieselbe einfache
 Druckwelle in den Monaten September bis Januar und denselben unbestimmten
 Gang des Luftdrucks im Rest des Jahres während der Jahre 1869 bis
1886 aufwies wie der synodische.
Es ist aber vorläufig noch nicht ausgeschlossen, daß wir es bei den kaum
zu leugnenden Anzeichen für eine monatliche Periode in der Luftdruckverteilung
gar. nicht mit einer Wirkung des Mondes, sondern mit einer solchen der Sonnenrotation
 zu tun haben. Es könnte sich um die Interferenz einer Welle von
27.32 Tagen mit einer noch kürzeren handeln, die im Jahre einmal mehr, d. i.
14.37 mal enthalten ist, also die Länge von 25.42 Tagen hat. Um aber das mehr als
20 Jahre lang (1875—1895) anhaltende Zusammenfallen mit dem synodischen Mondumlauf
 zu ermöglichen, könnte es keine mitten zwischen diesen liegende Periode sein.
Kleine Abweichungen in der Länge müssen Schwebungen, also Perioden größerer
Länge ergeben. Eine sechsjährige würde entstehen, wenn in 6 Jahren statt
6X 131/, = 80 oder 6X 141/, =86 Wellen deren 79, 81, 85 oder 87 sich abspielen;
das ergibt Grundperioden von 27,66, 26.98, 25.72 und 25.12 Tagen. Keine von
diesen stimmt mit der 26tägigen Periode des Erdmagnetismus und der Polarlichter
 überein, die jetzt als zwischen 25.87 und 25.98 Tagen liegend angenommen
wird. Was man in der Meteorologie bis jetzt an anscheinenden Perioden auf
die Sonnenrotation bezogen hat, schwankt zwischen viel weiteren Grenzen; eine
Zusammenstellung von H, Henze, die man darüber nachlesen möge‘*), ergibt für
diese 24 bis 27.687 Tage. Mehrere Untersuchungen aus den Jahren 1893—1894
ergaben dafür 26.68 bis 27.05 Tage,
Perioden von dieser Länge würden im einzelnen Jahrgang, wegen der
unregelmäßigen Druckschwankungen, nicht von der 291/„tägigen zu unterscheiden
sein; wohl aber müßte sich eine Abweichung der Länge der Schwingung um
zwei bis fünf Tage in den zehnjährigen Mitteln durch eine Verschiebung der
Maxima und Minima vom Oktober zum Dezember bemerkbar machen. Die
Tabellen 2a und b lassen nichts davon erkennen.
Nun wäre es ja durchaus nicht unmöglich, daß während Polarlichter,
magnetische und elektrische Erscheinungen von den aus den Fackeln stammenden
Kathodenstrahlen regiert werden, Temperatur und Druckverteilung von den
tieferen, langsamer rotierenden Schichten der Sonnenmasse abhängen. Die von
Henze a. a. O. angegebenen Umlaufszeiten stellen sich, auf synodische umgerechnet,
 wie folgt:

Sonnenbreite:
Fackeln . 0.0.0.0...
Flecken 20.20.0000...
Photosphäre . . &

0° 15° 30°
26.06 27.14 27.40
26.82 27.35 28.62
737 9841 29 81

N” H. Henze: Die Periode der Sonnenrotation
ihre Anwendung auf andere meteorologische Elemente.

im jährlichen Gang der Lufttemperatur und
Meteor. Zeitschr. 1916. S. 398— 411.
            
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