204 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September/Uktober 1919.
fassen. Tafel 6, Figur A, zeigt diesen von Hamburg. Die Zeichen © und @
geben auch hier Vollmond und Neumond an; die beiden Zahlenreihen das Datum;
zur bequemen Vergleichung sind die gleichen Phasen in beiden Jahren übereinander
gestellt. Die Punkte stellen die Barometerstände um 8b a, m, dar.
Zwischen ihnen läuft die ausgeglichene Druckkurve, Zum Vergleich sind die
gleichzeitigen Deklinationen und Halbmesser des Mondes eingetragen, letztere
als Maß für dessen Entfernung.
Man sieht, daß die Druckkurven der beiden Jahre an den meisten Stellen
einen auffallend ähnlichen Verlauf haben, jedoch so, daß die von 1886 um
3 bis 9 Tage gegen die von 1876 rückwärts verschoben ist, Selbst der erwähnte
niedrige Druck zu Weihnachten 1886 findet sich 1876 mit dieser Verschiebung
wieder.
[Im großen und ganzen zeigt die Zeichnung sehr auffallende Wellenberge
des Drucks bei Neumond und Wellentäler bei Vollmond. Mit ersterem fällt
in dieser Jahreszeit stets südliche, mit letzterem nördliche Deklination des
Mondes zusammen; die Amplitude war 1876 etwa 1'/, mal so groß wie 1886.
Das Novemberperigäum fiel 1876 mit der größten N-Deklination nahe zusammen
und 3 Tage nach Vollmond, 1886 dagegen 6 Tage nach der größten N-Deklination
und 9 Tage nach Vollmond, womit die Verfrühung der Druckphasen 1886 in
scheinbarem Widerspruch steht,
Das anomale Druckmaximum zwischen erstem Viertel und Vollmond Ende
Dezember war 1876 durch außerordentliche Kälte bedingt und reichte daher nur
bis zu geringer Höhe in der Atmosphäre. Die Beschreibung seiner plötzlichen
Verdrängung durch das Druckminimum bei Vollmond in einem bemerkenswerten
Wettersturz findet man in der „Monatlichen Übersicht der Witterung“ von der
Seewarte. Zu Neujahr 1887 dagegen war der hohe Druck nur mit mäßigem
Frost verbunden.
Um über die verschiedene Ausgestaltung der anscheinend mondperiodischen
Druckschwankung in den 96 Jahrgängen von 1815 bis 1911 ein übersichtliches
Bild zu erhalten, habe ich sie auf Tafel 7 für die 4 Orte, die die Meyer-Seemannsche
Erscheinung am deutlichsten zeigen, graphisch dargestellt. Die
feinen Linien sind nach den Werten der Tabellen 3 und 4 im Koordinatennetz
eingetragen. Um aber das Vorhandensein längerer Wellen erkennen zu können,
geben die gestrichelten Felder den Verlauf dieser Werte nach ihrer Glättung
durch Mittelziehung mit den Nachbarjahren wieder, mittels der bekannten Formel
D’=1/, (a--2b+0).!)
Nach den Tabellen 3 und 4 finden sich unter 358 Übergängen 178 Zeichenwechsel,
also genau wie es der Zufall verlangen würde. Aber die Werte ordnen
sich doch ihrer Größe nach in Gruppen, denn die geglättete Kurve zeigt nur 88,
also halb so viel. In beiden Fällen ist der Übergang zu 0 halbgezählt.
In den Kurven der Tafel 7 können wir 5 Zeiträume unterscheiden:
a) 1875—1898, die Zeit des Meyer-Seemannschen Phänomens, d. h. des anhaltenden
Drucküberschusses vom Neumond über Vollmond, 24 Jahre umfassend
(im Osten nur bis 1895); b) 1824—1841, indifferente Zeit geringer Druckunterschiede
(18 Jahre); c) und d) 1815—1823 und 1842—1874, wo diese Druckdifferenz
große Schwankungen zeigte, und zwar zuerst 1 Welle von 9 Jahren
and dann 5 Wellen von zusammen 383 Jahren; endlich e) eine schwächere
ähnliche Welle von 13 Jahren 1899—1911.
Den Kurven von Hamburg, London, Petersburg und Kristiania habe ich
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!' Da es sehr häufig vorkommt, daß man das Ergebnis der Glättung,
wie hier, nur graphisch, nicht in Zahlenwerten zu haben wünscht, so möge hier
die einfache graphische Methode der Ableitung dieser geglätteten Werte mitgeteilt
werden, die ich bei Entwerfung der Tafel angewandt habe,
Wenn die Punkte a, 5, c drei nacheinanderfolgende äquidistante Werte
wiedergeben, so hat der Hilfspunkt 4” den Wert !/,(a-+c), und der gesuchte
Punkt &’ den Wert 1
1, (a-F2b-+6) = 1 [b-+!/ (a +0] = !ı(b-+D9.
Man braucht also . Dreimal die Mitte zwischen zwei Dackein zu greifen. Um
vor Fehlern sicher zu gehen, habe ich die Punkte 1,3, 5 ,. und 2, 4, 6... durch
jerade verbunden vor der Mittelgreifung, doch ist dies nicht unbedingt nötig.