Köppen, W.: Zur Frage d, zeitl. u. räuml. Auftret, d. Meyer-Seemannschen Luftdruckschwankung. 195
In den Ann. der Hydr. usw. ist die Frage nach der grundlegenden
Veröffentlichung von Dr. G. Meyer und Kapt. C. H. Seemann!) nur noch einmal
behandelt worden, und zwar auf Grund der Isobarentypen für den Nordatlantischen
Ozean und Europa?). Da von den darin hehandelten 13 Herbsten 10
(1876 bzw. 1880 und 1881—1889) sich auch in Seemanns Fundamentalreihen
(1876 —1889) befanden und von den übrigen das Jahr 1875 diese Luftdruckschwankung
ebenfalls gut zeigt, so ergab diese Untersuchung eine glänzende
Bestätigung der Ergebnisse von Meyer und Seemann. Aus meinen späteren
Studien über den Gegenstand ist nur eine kurze vorläufige Mitteilung an anderer
Stelle erschienen‘®).
Die Figur gibt zwei Kurven der mittleren Änderung des Luftdruckes
im synodischen Monat im Herbst wieder, die aus Seemanns Zahlen nach
Berichtigung einiger Fehler in.ihnen abgeleitet sind. Das 14-jährige Mittel
1876—1889 weist eine überraschend große und einfache Monatsschwankung von
etwa 9 mm Amplitude auf, während das 32-jährige Mittel 1844—1875 einen
unentschiedenen Gang zeigt. Die Zahlen sind aus den Beobachtungen zu
Hamburg und (vor 1864) Emden abgeleitet und hier durch Punkte wiedergegeben,
die Kurve für 1876—1889 ein wenig abgerundet, die andere nicht.
ET
76°
f
p
760
8876-89
844-75
+7E.Q
re
75,
Diese beiden Kurven erweisen bereits deutlich, daß in einem gewissen
Zeitraum von mehr als einem Jahrzent (tatsächlich mehr als 20 Jahren) eine
auffallend starke monatliche Periode des Luftdrucks im Herbst auftrat, die aber
in anderen, noch längeren Jahresreihen fehlte. Die umfassenden Tabellen von
G. Meyer zeigten zudem schon damals, daß diese Erscheinung auch in den
fraglichen Jahren nur auf die Monate September bis Januar beschränkt war, in
den übrigen Monaten aber sich vorläufig keine Gesetzmäßigkeit erkennen ließe.
Um dieser seltsamen Erscheinung auf den Grund zu kommen, galt -.es
zunächst, deren räumliche und zeitliche Ausdehnung und eventuelle Wiederholung
festzustellen, soweit das veröffentlicht vorliegende Material dies überhaupt
gestattet. Die Größe der Aufgabe nötigte aber zur Wahl der allereinfachsten
Methoden. Ich mußte daher, als ich 1896 diese Arbeit aufnahm, statt der Mittelbildung
zur Zählung der Barometerstände über und unter gewissen Schwellen
greifen; und zwar wählte ich für jeden Ort zwei passende Schwellen so, daß sie
die Gesamtheit der Beobachtungen in drei annähernd gleiche Gruppen teilten,
von denen ich die oberste und unterste, also die ausgesprochen hohen und
niedrigen Stände, auszählte, die mittlere Gruppe ungezählt ließ,
Da die meteorologischen Tagebücher seit 1876, und vielfach auch die
älteren, so gedruckt sind, daß nach je 5 Tagen eine freie Zeile kommt, so war
es am bequemsten, die Auszählung nach fünftägigen Abschnitten zu machen,
deren erster den ersten Neumond oder Vollmond des Monats in seiner Mitte hat
und deren folgende fünf von da weitergezählt werden. In jedem Monat- wird
') G. Meyer: Studien über den Einfluß des Mondes, Ann, d. Hydr. usw. 1890,
) Köppen: Einfluß des Mondes a. d. Isobarentypen. Ann.d, Hydr, usw. 1896.
3, Köppen: Monatliche Perioden der Witterung. Meteorol. Zeitschr. 1915