Ann. d. Hydr. usw., XXXXVII. Jahrg. (1919), Heft IX/X.
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Verteilung der Aufgaben des Wetterdienstes.
Die Hilfsmittel der Wettervorhersage haben in den letzten 20 Jahren eine
bedeutende Vermehrung erfahren. Auf dem Gebiete der „Horizontalmeteorologie“
ist vor allem die Erkenntnis der Aktionszentren der Atmosphäre und ihres Zu-
sammenhangs hinzugekommen; der Ausbau der Aerologie hat dazu die .dritte
Dimension gebracht, die ein eigenes Studium erfordert. Auf der andern Seite
ist durch den Krieg und insbesondere die ihm nachfolgende Zeit eine weitgehende
Zerrüttung des Nachrichtenverkehrs getreten, so daß man bei der Prognosen-
abgabe oft auf die primitivsten Hilfsmittel angewiesen ist. Ob der Funken-
verkehr Abhilfe bringen kann, bleibt abzuwarten. Eines aber scheint mir fest-
zustehen, daß die Wetterdienststellen, auch wenn wir uns eine ideale Nachrichten-
übermittlung denken, nicht mehr in der Lage sind, alles vorhandene Material
wirklich zu verwerten, Die Zeit, die für die Überlegung der Prognose zur
Verfügung bleibt, steht in keinem Verhältnis zur Fülle des Materials, auch wird
es kaum einen Meteorologen geben, der auf allen Gebieten so beschlagen ist,
daß er mit gleicher Sicherheit Isobaren, Isallobaren, Isallothermen, Strömungs-
linien, Höhenkarten usw. zu deuten weiß.
Es scheint mir daher der Zeitpunkt gekommen, eine Verteilung der
Aufgaben vorzunehmen, ehe wir an den Wiederaufbau unseres Nachrichten-
verkehrs gehen. Wenn wir, was doch wieder kommen wird, ein harmonisches
Zusammengehen aller Staaten und Länder voraussetzen, läßt sich folgende Ein-
teilung treffen: ;
ı. Ein Weltamt des Wetterdienstes. Diesem wären täglich von geeignet
gelegenen Orten der Welt Nachrichten zuzustellen, damit es die Aktionszentren
der Atmosphäre überwachen kann. Sicherlich könnte dasselbe Schlüsse über
deren Verhalten ziehen, die den ihm nachgeordneten Wetterämtern regelmäßig
mitzuteilen wären.
2. Es folgt für Deutschland ein Reichsamt des Wetterdienstes. Dieses
erhält zwei Abteilungen:
a) Eine Abteilung für Horizontalmeteorologie, die im wesentlichen
mit unserer Seewarte identisch wäre. ;
b) Eine Abteilung für Höhenmeteorologie, welche das tägliche aero-
logische Material des Reiches für prognostische Zwecke zu bearbeiten hätte.
Die beiden Abteilungen verdichten ihre Ergebnisse nicht zu einer Wetter-
prognose, sondern zu einem Urteil über die mutmaßlichen Änderungen der Luft-
druckverteilung, das rechtzeitig den nachgeordneten Ämtern zuzuführen wäre.
3. Ländeswetterämter, die eigentlichen Wetterdienststellen, Diese erhalten
a) das Hamburger Sammeltelegramm. Der Umfang desselben ist
stark auf die norddeutschen Bedürfnisse zugerichtet, für Mittel- und Süddeutsch-
Jand finden sich darin manche entbehrliche Stationen. Je kürzer das Telegramm
unbeschadet seiner Güte gehalten werden kann, desto besser. Man läßt sich leicht
durch die Einrichtung der Schnelltelegraphen verleiten, weitere Stationen ein-
zuschieben, ohne zu bedenken, daß nicht eigentlich das Telegraphieten sondern
das Umschreiben und die Übermittlung den Wetterdienst verzögert. Man muß
mit der Trägheit der Menschen rechnen, die zur Zeit als Folge der allgemeinen
Kriegsermattung ein wesentlicher Faktor in allen Betrieben ist. In München
z. B. bekommen wir die Hamburger Depesche zugesprochen und können oftmals
feststellen, daß sie längere Zeit auf dem Amte liegen bleibt, weil die Telefonistin
bestrebt ist, erst die leichtere Arbeit der kürzeren Depeschen zu erledigen,
namentlich dann, wenn bei Schichtwechsel die Hoffnung besteht, die „Lange“
ihrer Nachfolgerin abzuschieben. Daß wir auch mit weniger Stationen aus-
kommen können, sehen wir fast täglich, da sich infolge des mangelhaften Nach-
richtendienstes oft nur das Gerippe der Luftdruckverteilung herauspräparieren
Ann, d. Hrdr, usw, 1919, Heft IX/X.