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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli/August 1919,
Die Länge der Wellen steht jedenfalls mit der Verteilung von Land und
Meer und der hierdurch bewirkten mittleren Druckverteilung in Zusammenhang.
Von einem anderen Gesichtspunkte aus ist diese Frage in einer älteren Arbeit
von mir behandelt worden!). Die ungleiche Wärmezufuhr übt auf die Westost-
drift um die Erde einen an bestimmte Orte gebundenen Einfluß aus, der die
Strömung periodisch verändert und so erzwungene Wellen in ihr erzeugt. Da
dieser Einfluß z. B. in höheren Breiten im Winter auf dem Kontinent stets den
Druck erhöht, also die Strömungslinien nach Norden ausbuchtet, so muß, abge-
sehen von der erzeugten fortschreitenden Welle, auch noch die Strömung und
der Druck auf einem Parallelkreise im Durchschnitt der Zeit von Ort zu Ort
variieren, d. h. die Strömung wird nicht aus einfachen Wellen bestehen, sondern
durch Überlagerung einer fortschreitenden Welle über eine mittlere ruhende
Welle von spezieller Form zustande kommen. Dadurch wird es auch klar,
warum nach Ekholm die Steig- und Fallgebiete, das sind die zeitlichen Druck-
veränderungen, häufig eine regelmäßigere Bewegung zeigen als die Druckgebilde
selbst. Durch die Differenzbildung wird die vorherrschende mittlere Verteilung
mehr oder weniger ausgeschaltet und es bleibt die fortschreitende Welle übrig;
natürlich kann auch diese noch sehr komplexen Charakter haben,
Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der fortschreitenden Welle wird aus
dem Unterschied der Westostströmung in mittleren Breiten und der ostwestlichen
Polarströmung hervorgehen. Was schließlich die Intensität der Welle, die
Oszillationsgröße anlangt, so ist die Entfernung des Wellenkopfes von der Linie
gerader Strömung (siehe Fig. 1) für jede Bewegung eine gegebene Größe. Denn
mit wachsender Entfernung y wird die Potentialbewegung u in der x-Richtung
an einem Punkte null, um dann entgegensetzte Vorzeichen anzunehmen, Die
gewellte Strömung ist also auch in einer Flüssigkeit seitlich begrenzt. .Die
Welle wird spitzer und spitzer, bis schließlich am Wellenkamm die Strömung
null wird. Diese spitze Form kommt auch sehr deutlich in den Isobaren zum
Ausdruck, die sich zwischen zwei Depressionen als Hochdruckkeil einschieben.
Die Größe dieser Oszillation wird durch die Geschwindigkeitskomponenten und
Wellenlängen gegeben, also offenbar durch die Verteilung der Temperatur, welche
die Strömungen unterhält, und die Land- und Meerverteilung, die die Wellen-
längen bestimmt,
Vielleicht wäre es möglich, von diesen Anschauungen ausgehend statistische
Daten über die Wellen und die sie bedingenden Strömungs- und Temperatur-
verhältnisse zusammenzustellen, die für die Wetterprognose verwendbar wären.
Loxodromische Entfernungen.
(Über eine Aufgabe von Wedemeyer.)
Von Prof. Dr. Ernst Wendt in Bremen.
In seiner Arbeit: »Loxodromische Dreiecke« hat Herr Wedemeyer ein
Problem in Angriff genommen, das nicht bloß für den Theoretiker von Interesse
ist, sondern auch die Aufmerksamkeit des Praktikers verdient (Ann. d. Hydr.
1918 S. 137). Es handelt sich darum, unter den loxodromischen Distanzen, die
sich von einem festen Punkte nach den Punkten eines gegebenen Meridians
ziehen lassen, die kleinste zu bestimmen, Herr Wedemeyer hat die Frage
nur für ein gewisses Meridianstück, die Basis eines gleichschenkligen loxo-
dromischen Dreiecks, in zwei Beispielen behandelt und hat die Vorstellung
gehabt, daß die in diesen Beispielen auftretenden Erscheinungen allgemeiner
Natur wären. ‘Daß diese Meinung irrig war, hat sogleich Herr Maurer
in einem gleichnamigen Aufsatz (Ann. d. Hydr. 1918 S. 239) dargetan, an Bei-
1) Grundzüge einer Theorie der synoptischen Luftdruckveränderungen, Sitzungsbericht der
Wiener Akademie d. Wiss. Bd. 115 Abt. IIa, 1906,