Exner, M, F.: Über oszillierende Strömungen in Wasser und Luft. 167
Die Bewegung im Gebiete des Punktes N (Fig. 5) ist bemerkenswert. Sie
ist in Fig. 6 mit der gleichzeitigen Druckverteilung noch ‚besonders dargestellt,
Es handelt sich um einen Punkt, in welchem die Windgeschwindigkeit auf Null
herabsinkt und wo die Druckverteilung einen Sattelpunkt besitzt; nach zwei
gegenüberliegenden Seiten steigt der Druck, nach den zwei anderen hin fällt er.
Solche Punkte bleiben, wenn sie aus zwei gegeneinandergekehrten Wellenzügen
gleicher Geschwindigkeit entstehen, in Ruhe. Nun hat sich , ,
in den Strömungskarten, welche von der Zentralanstalt für Fig. 6.
Meteorologie in Wien in den letzten Kriegsjahren täglich /
herausgegeben wurden, gezeigt, daß solche Sattelpunkte N / rc
nicht selten auftreten, und zwar in verschiedenen Niveaus
bis 4 km hinauf, und dann häufig einen oder auch mehrere
Tage am selben Orte liegen bleiben. Sie sind von zwei
Hoch- und zwei Tiefdruckgebieten eingeschlossen, wenn auch
die Wetterkarten für die Erdoberfläche diese Verteilung
mitunter nicht ganz deutlich erkennen lassen. Ein Beispiel
geben die Strömungslinien vom 4.—7. Mai 1918 vormittags
in 2000 m Höhe (Karte 1 bis 4). In dieser Zeit ist auf der Wetterkarte haupt-
sächlich ein‘ flaches Minimum über Westeuropa zu sehen, das allmählich nach
Mitteleuropa vorrückt, und ein Maximum über Skandinavien.‘ Der ‚Sattelpunkt
scheint infolge der starken Ostströmung im Norden in Ruhe zu verharren.
Die Westströmung, die ja sonst meist überwiegt, ist im Süden wenig ausgeprägt,
zumindest in 2000 m.
Ein anderes Beispiel, wo die westliche Strömung im Nordwesten, die öst-
liche im Süden liegt, also etwa wie bei einer Drehung der Figur 6 um 45° bis
90°, zeigte die Strömungskarte vom 23, Oktober 1917 nachmittags in 1000 m
Höhe (Karte 5). Hier liegt eine tiefe Depression im Nordwesten, Bis zum
nächsten Tag wandert der neutrale Punkt unter dem Überwiegen :des.Südwest-
windes 'gegen Osten (Karte 6). Zugleich stößt in dieser Zeit aus dem Westen
hoher Druck vor, der direkt als. Welle in der Südwestströmung, auf.den Tief-
druck folgend, aufgefaßt werden kann. Die Druckverteilung vom 24. Oktober
scheint geradezu durch die Stromverteilung vom Vortage vorausgegeben zu sein.
Da die verfügbaren Windmessungen aus der Höhe nicht weit nach Norden
reichen, so sind selten bei stärkeren Depressionen im Norden die Strömungslinien
in deren Nähe bekannt. Trotzdem scheint. es möglich, aus den vorhandenen
Daten mitunter die Druckveränderungen vorauszusehen, wenn man berücksichtigt,
daß westöstliche oder ostwestliche Strömungen abwechselnd Hochdruck- und Tief-
druckwellen mit sich tragen und die westöstlichen meist stärker sind,
Hierher gehört auch eine Erscheinung, die auf Wellenbewegung zurück-
zuführen und so regelmäßig ist, daß Großmann eine Wetterregel auf sie ge-
gründet hat (Guilbert-Großmannsche Regel), nämlich der in etwa 24 Stunden
erfolgende Wechsel von. Tiefdruckausläufern. und Hochdruckkeilen!). Die West-
drift zeigt dabei ausgesprochene Wellenform, die Isobaren haben sehr ähnliche
Gestalt, wie die Strömungslinien in Fig. 1. Hier handelt es sich natürlich um
fortschreitende Wellen, wie auch im Falle vom 23. bis 24, Oktober 1917.
Ein Beispiel für Wellen in den Stromlinien selbst geben die Karten 7 und 8
mit den Strömungslinien vom 14. September 1917 vor- und nachmittags in
1000 m Höhe und: den zugehörigen Druckverteilungen. .
Letztere zeigen geringe Änderungen, während die Strömungslinien im
Norden am 14. um 1% p. umgekehrte Krümmung . besitzen als um 6% p. Die
Erscheinungen hängen wohl enge mit den Ekholmschen Steig- und Fallgebieten
zusammen. Die wellenförmige oder oszillierende Westostströmung in der Atmo-
sphäre wäre da zunächst. mit Hilfe von Strömungslinien in höheren Niveaus
über möglichst große Areale zu verfolgen, . Dann würde vermutlich für .die
Wettervorhersage mancher Gesichtspunkt gewonnen werden können... Die vor-
liegenden Pilotierungen‘ über Mitteleuropa aus: der Kriegszeit reichen dazu
nicht aus.
Siehe A, Defant, Wetter und Wettervorhersage (1918)
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