Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar/Februar 1919,
Das Winterhalbjahr hat gerade doppelt so viel Niederschläge als das
Sommerhalbjahr, 72 gegen 35. Der größte Teil der Niederschläge fällt in der
Form von Schnee, Regen ist selten; das erste Jahr hatte 9, das zweite 11 Regen-
tage, es fällt nur ein Zehntel des Jahresniederschlags in Form von Regen. Der
erste Regen fiel 1906 am 25., 1908 am 18. Juni, der letzte 1907, am 22. Aug,
während 1908 abnormer Weise noch am 25. Sept. Regen fiel, und zwar bei einer
Temperatur von — 10°, die beim Regen nicht über — 4° stieg. Ballonaufstiege
ergaben positive Temperaturen in der Höhe. Es kamen wochenlang weder vor-
noch nachher Temperaturen über Null vor. Man kann annehmen, daß normal
der erste Regen in der zweiten Hälfte des Juni, der letzte Ende August eintritt,
Es wurden öfter Messungen des Wasserwertes des Schnees ausgeführt.
Folgende Messungen des Wasserwertes des vom Wind noch nicht verlagerten
Neuschnees sind von besonderem Interesse:
1906. 1908.
9. Sept. 19. Okt. 20. Okt. 21. Okt. 6. Nov. 19. Jan. 21. Jan.
1 cm Schneelage gab. 1.75 1.4 1.4 0.42 1.44 0.31 0.35 mm Wasser
Temperatur ......—01 —154 —183 —184 —17.0 —118 —95
Andere Messungen ergaben für 1 em Schneelage Millimeter Wasser:
12, Febr. 5.1, 3.0, 3.2; 21./25. April 3.9, 4.9, 5.1. Die Beschaffenheit der Schnee-
lagen wird genauer angegeben. Der Winterschnee auf dem Guipohohlen-Gletscher
gab am 14. Febr. 1 cm = 4.33 mm. Der Wassergehalt des Schnees in Nordost-
grönland variiert also von dem bei Windstille gefallenen Neuschnee bis zu den
durch Sturm zur Ablagerung gelangten Wehen zwischen den außerordentlichen
Grenzen von 0.3 und 5 mm.
Messungen an Schneepegeln lassen schließen, daß die Niederschlagsmenge
in Pustervig kleiner ist als an der Hauptstation. Andere Messungen lassen
ferner annehmen, daß die Niederschlagsmenge in einiger Entfernung von der
Küste auf dem Meere noch erheblich größer ist als zu Danmarkshavn.
Aus dem Abschnitt über Stürme und Barometer-Depressionen können wir
nur einiges hier aufnehmen. Im ersten Winter gab es 14, im zweiten 12 Stürme,
die meist mit Störungen des Luftdrucks und mit Niederschlag verbunden waren,
während im Sommer nur die Föhnwinde einen stürmischen Charakter an-
nahmen, zyklonale Stürme dagegen ganz fehlten. Im einzelnen zeigen die Stürme
höchst merkwürdige Eigenschaften. Während man doch sonst fast überall bei
starkem Barometerfall mit großer Sicherheit auf Sturm und Niederschlag rechnen
kann, gibt es in Nordostgröland Barometerstürze, die fast den Eindruck tro-
pischer Zyklonen erwecken und dabei doch weder Niederschlag noch nennens-
werten Wind bringen. Diesen „faulen“ Depressionen steht eine große Klasse von
Stürmen, die „Hochdruckstürme“, gegenüber, welche bei hohen und jedenfalls
nahezu konstanten nur wenig wellenförmig hin und herschwankendem Luftdruck
die größten Windgeschwindigkeiten mit zerstörenden Wirkungen aufzuweisen
haben und mit starkem Temperaturanstieg und Niederschlag verbunden sind.
Daneben gibt es aber auch Stürme, welche sich normal verhalten. Fast die
Hälfte aller Stürme zu Danmarkshavn übersprang das Inlandeis, die übrigen
zogen östlich und südlich von der Station vorbei mit Zugrichtungen die zwischen
rein Ost und rein Nord lagen; ein einziges Minimum zog nach Süden.
Der Verfasser widmet dann den Hochdruckstürmen eine eingehendere Er-
örterung. Ob diese Stürme überhaupt auf ein barometrisches Minimum zurück-
zuführen sind, läßt sich nicht leicht entscheiden — unsere Beobachtungen zeigten,
daß der Wind in der Höhe erheblich geringer war als am Erdboden, Eine
Drehung des Windes konnte nur selten festgestellt werden. — Zieht an den west-
grönländischen Stationen, sowie im Osten davon zu Angmagsalik (65.6° N,
37.5° O v. Greenw.) und Grimsey (66.6° N, 18° W Island) ein Sturm vorüber, so
zeigt sich, daß in diesen Fällen stets Upernivik (72,8° N, 36.1° W) eine Druck-
erhöhung nachweist, während die genannten östlichen Orte entweder indifferent
sich verhalten oder eine Druckerniedrigung zeigen.
Die seltneren „faulen“ Depressionen scheinen solche zu sein (wird näher
begründet), welche das Inlandeis überschritten haben. Hervorzuheben ist noch