140 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai/Juni 1919.
Meßgenauigkeit gegenüber der Sichtschätzung ausgenutzt werden soll, zweistellige
Zahlen einzuführen. Man teilt dazu auf der S-Skala eine Anzahl Stufen von
geeigneter Größe ab.
Sichtprobleme.
Die Gesetzmäßigkeiten für die Entstehung der verschiedenen Sicht-
grade sind noch kaum untersucht, da es bei der üblichen Schätzungsmethode
an einer zuverlässigen, einheitlichen (irundlage fehlte. Daher war auch eine
Sichtvorhersage bisher nicht möglich. Im Sichtmesser liegt ein bequemes
und hinreichend genaues Meßinstrument zur quantitativen Sichtbestimmung vor,
so daß nunmehr die Zusammenhänge zwischen der Sicht und den meteo-
rologischen und optischen Faktoren näher untersucht werden können.
Solche Untersuchungen sind in Angriff genommen, bedürfen jedoch vielseitiger
Erweiterung und Ergänzung durch andere Beobachter nach einheitlichem Plane.
Gemäß unserer Analyse des Sichtbegriffes handelt es sich um die Be-
ziehung der Sicht zu folgenden Faktoren:
l. Lichtabsorption der Luft (Transmissionskoeffizient, Transparenz-
koeffizient).
Lichtzerstreuung der Luft (Aufhellung).
Kondensationskernzahl, Staubgehalt, Anzahl und Größe der Nebel-
tröpfchen (oder Nebelkristalle), Temperatur, Feuchtigkeit, Wind (nach
Richtung, Geschwindigkeit und Struktur) in der Luftschicht am Boden
und Änderung dieser Elemente in der Vertikalen.
Erwärmung des Bodens und der anliegenden Luftschicht durch die
Sonnenstrahlung und Abkühlung durch Ausstrahlung,
5. Richtung, Stärke und Farbe der Beleuchtung.
6. Physiologisch-optische Einflüsse,
Kennt man die Gesetze, nach denen die Sicht von den wesentlichen unter
diesen Faktoren abhängt, so wird man in der Lage sein, im Anschluß an die
allgemeine Wetterlage Sichtvorhersagen zu geben.
Auch die bereits bekannten Beziehungen zwischen der Sicht und den
luftelektrischen Elementen sind von Interesse und näherer Untersuchung wert.
Schließlich sei noch eines für die Luftfahrt besonders wichtigen Sicht-
problems gedacht, der vertikalen Sicht. Man wird sie sowohl vom Boden,
als auch vom Luftfahrzeug aus messen können. Eine kurze Anweisung zur
Verwendung des Sichtmessers hierfür findet sich in dem Abschnitt „Ausführung
der Beobachtungen“. Nähere Erfahrungen liegen jedoch noch nicht vor,
Halle a. S., Physikal. Institut der Universität, im Januar 1919.
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Kleinere Mitteilungen.
Ergänzung zu der Abhandlung von W.Immler: Ein doppelazimutaler
gnomonischer Kartenentwurf (Ann. d. Hydr. usw. 1919, S. 22).
In der Zeitschrift für Vermessungswesen 46, 1917, S. 323, ist eine Vor-
richtung zum Strecken oder Verkürzen von Zeichnungen in einer beliebigen
Richtung von K. Flegel beschrieben. Ebendort (47, 1918, S. 45) findet sich die
Beschreibung eines Verzeichnungsapparates von C. Haussmann. Über diese
und andere Apparate, mit denen affine Verzerrungen ausgeführt werden können,
referiert Herr Hammer in der Zeitschrift für Instrumentenkunde, 1919, März,
S. 100. W. Immler-Elsfleth.