Wigand, A;: Eine Methode zur Messung der Sicht:
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des dringenden Bedürfnisses, das dafür besteht, noch nicht vor. Daher sind auch
die Gesetzmäßigkeiten, nach denen die Sicht zustande kommt und sich ändert,
noch wenig erforscht; und eine Sichtvorhersage, die nur auf der Kenntnis
solcher Gesetzmäßigkeiten. beruhen kann, ist bis jetzt nicht möglich,
Um hier Abhilfe zu schaffen, wurde nach meinen Angaben von der Firma
B. Halle Nachf., Steglitz, der „Sichtmesser“ konstruiert,
Beschreibung des Sichtmessers.
Ein Satz von Filtergläsern mit linear abgestufter Trübung ist in einer
drehbaren Scheibe so angeordnet, daß die einzelnen Filter revolverartig vor
das Auge gebracht werden können. Die Filter sind entsprechend dem Grade
ihrer Trübung mit 0, 2, 4, 6, 8, 10, 12, 14 beziffert und für grobe Einstellung
bestimmt, Ein weiteres Filter mit dem Trübungsgrad 1 zur feineren Einstellung
ist auf einer kleineren, zweiten drehbaren Scheibe so angebracht, daß es zu
dem jeweils vor dem beobachtenden: Auge befindlichen, geradzahligen Filter
hinzugefügt werden kann. Dadurch ist die Einstellung jeder ganzzahligen Filter-
zahl zwischen 0 und 15 möglich. nn
Die Beobachtung wird einäugig ausgeführt. Je nachdem, ob der Beob-
achter besser rechts- oder linksäugig arbeitet, kann er den Sichtmesser für
seinen Gebrauch leicht verstellen. Eine der Gesichtsform angepaßte Maske ver-
hindert den Eintritt störenden Seitenlichtes und schaltet das nicht beobachtende
Auge mühelos aus. Ein Handgriff befindet sich unten an dem Instrument,
' Ausführung der Beobachtungen. ;
Das Verfahren der Bestimmung der Sicht mit dem Sichtmesser ist eine
Nullmethode. Der Grundgedanke bei der Messung ist der, daß zu der jeweils
vorhandenen, in der Güte der Sicht zum Ausdruck kommenden Trübung der
Luft eine künstliche Trübung in dem Maße hinzugefügt wird, daß ein ins
Auge gefaßtes. Ziel gerade eben nicht mehr erkennbar: wird. . Dabei sind unter:
„Trübung der Luft“ alle die Faktoren zusammengefaßt, die zwar physikalisch
und physiologisch sehr verschiedene Natur haben, aber gemeinsam jene optische
Wirkung hervorbringen, die man als „Sicht“ bezeichnet.
Zur Ausführung einer Beobachtung hält man den Sichtmesser am
Handgriff dicht vor das Gesicht, bringt das Ziel in die Mitte des Gesichtsfeldes
und dreht mit der freien Hand zunächst die größere Scheibe bis zum Ver-
schwinden des Zieles. Dann geht man wieder um eine geradzahlige Filterstufe
herunter und schaltet zur feineren Einstellung das Filter 1: auf der kleineren
Scheibe vor. Je nachdem, ob das Ziel dann noch erkennbar ist oder nicht, hat
man als Ergebnis der Messung die nächst höhere gerade Zahl oder die ein-
gestellte gerade Zahl plus 1. als Filterzahl zu nehmen. .
Bei Sonnenschein. muß man durch Beschattung (nötigenfalls mit der freien
Hand) vermeiden, daß die Filter von den Sonnenstrahlen getroffen werden, da
sich sonst ihr Trübungsgrad wesentlich. erhöht.
Als Ziel wird für horizontale Sichtmessungen am Boden ein erhöhtes
Objekt im Gelände genommen, das sich deutlich vom Horizont abhebt (z. B.
Turm, Haus, Schornstein, Baum, Bergspitze). Die günstigste Größe des Zieles
ist 0,2 bis 0,5° Höhe und Breite. Will man bei sehr guter Sicht ein weit-
entferntes, kleines Ziel benutzen, so empfiehlt sich die Verwendung eines Fern-
glases zwischen Auge und Sichtmesser, Die Seehöhe des Zieles soll von der des
Beobachters nicht erheblich abweichen. Die Entfernung soll auf mindestens 3°/,
genau bekannt sein. Für die meisten vorkommenden Fälle wird es bei einer
Beobachtungsstelle in der Regel genügen, wenn man zwei Ziele mit Entfernungen
von etwa 0,1.km (für Nebel) und 3 bis 5 km (für Dunst) hat; durch eine größere
Anzahl von Zielen in versehiedener Entfernung läßt sich die Genauigkeit erhöhen.
Die Ziele liegen zweckmäßig nach Norden. Für ihre Auswahl ist zu berück-
sichtigen, daß die Dunst- und Nebelverhältnisse auf der Strecke normale sein
müssen. Findet auf der Strecke zum Ziel lokale Dunst- oder Nebelbildung statt