Rottok: Einfluß des Luftdrucks auf den Chronometergang.
Aus dem Verlauf der Prüfung ergibt sich, daß der Isochronismusfehler
nicht der .schuldige Teil sein. kann; ‚denn Chronometer lfd. Nr. 2 hat einen
solchen Fehler von‘ -—2,71 Sekunden‘ und eine größte Abweichung‘ von
—-4,99 Sekunden, während bei lfd. Nr. 5, mit annähernd gleichem Isochronismus-
fehler (—2,51 Sekunden), die größte Gangabweichung -}-2,66 Sekunden beträgt.
Um Gewißheit zu haben, daß während der Prüfung keinerlei Störungen
im Werk vorgekommen seien, wurden die Instrumente nach Beendigung der
Prüfung von einem Chronometermacher genau ‚untersucht. Er entdeckte
keinerlei Anzeichen, aus denen eine Gangänderung hergeleitet werden könnte.
Wie auch aus der Liste zu ersehen ist, nahmen die Chronometer nach der
Prüfung wieder gleichmäßige Gänge an.
Erwähnt muß noch werden, daß das Chronometer M, 619 an der ersten
und vierten Prüfung teilgenommen hat. Trotzdem eine Zwischenzeit von vier
Jahren verstrichen war, das Instrument innerhalb dieser Zeit gereinigt und mit
neuem Öl versehen worden ist, waren die Gangabweichungen : bei beiden Prü-
fungen ungefähr dieselben. Hieraus kann gefolgert werden, daß der Fehler, der
einem Instrument in dieser Beziehung anhaftet, sich wenig verändert,
Endergebnis.
Aus den Prüfungen ist einwandfrei zu ersehen, daß die Gänge der Chro-
nometer unter dem gleichen Luftdruck ganz verschiedenartig beeinflußt werden,
ein Ergebnis, das mit dem des Uhrmachers Jürgensen übereinstimmt, der somit
das Richtige gefunden hat, nicht die übrigen Gelehrten usw. Ein einheitlicher
Koeffizient kann daher leider nicht errechnet. werden. - .
Im allgemeinen ist der Fehler bei Barometerschwankungen von 50 mm
— ein Unterschied, der nur in dem ungünstigsten Falle vorkommen wird — so
gering, daß er ohne weiteres vernachlässigt werden kann.
Anders verhält es sich, sobald ein Chronometer für wissenschaftliche
Zwecke in größeren Höhen benutzt. werden soll. In 2000 Meter Höhe, also
200 mm Unterdruck, können schon Gangabweichungen bis zu 2 Sekunden vor-
kommen, ebenso auf Unterseebooten, wo erfahrungsgemäß zeitweise bis zu
100 mm Überdruck herrscht. Da, wie schon vorher erwähnt worden ist, kein
einheitlicher Koeffizient errechnet werden kann, so können auch diesen Instru-
menten keine Luftdrucksverbesserungstabellen mitgegeben werden. Durch die
Benutzung eines Chronometers im luftdichten Gehäuse. würde dem Übel ab-
geholfen, da der Luftdruck im Innern solcher Gehäuse unabhängig von dem
äußeren Druck ist. Eine Gangänderung, die .auf den Luftdruck zurückzuführen
wäre, ist bei solchen Chronometern ausgeschlossen, U
Außer dem erwähnten Vorteil hat das Chronometer im luftdichten Ge-
häuse noch viele andere aufzuweisen, die eine Gangänderung verhüten. .
Wird das Werk bei möglichst trockener, reiner Luft in das. Gehäuse ein-
gesetzt, so bleibt die Luft trocken und rein, da ja ein Luftausgleich aus-
geschlossen ist. Es folgt daraus: Feuchte oder säurehaltige Luft, Staub und
sonstige . Fremdkörper, die auf das Öl zersetzend einwirken oder Rost und
Schimmelbildung hervorrufen, werden bei einem Chronometer im luftdichten
Gehäuse von dem Werk ferngehalten.