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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 47 (1919)

122 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai/Juni 1919, 
von A, wird mit v, ein Bogen nach B geschlagen. Die Aufgabe ist nur lösbar, 
wenn va gleich oder größer als das Lot von A, auf CB ist. Bei gleicher 
Größe mit dem Lot gibt es nur eine Lösung, A peilt B stets querab und 
nähert sich B, wenn B das Schiff vorlich peilt, entfernt sich bei achterlicher 
Peilung. Bei größerem va sind stets zwei Kurse mit voneinander verschiedener 
Abstandsänderung möglich, 
Zur rechnerischen Bestimmung sind in den entstehenden Dreiecken 
A A, C, die Stücke va, vv und der Winkel bei C, bekannt. Dieser unbequemen 
Auflösung der schiefwinkligen Dreiecke ist natürlich die schnelle zeichnerische 
Art vorzuziehen, Soll z. B. Kurs und Fahrt von A für eine Annäherung von 
50 m in 2 Minuten konstruiert werden, wird der Strecke A, C, die Länge der 
mit vy in 2 Minuten zurückgelegten Strecke in irgendeinem Maßstabe gegeben. 
C, A wird gleich 50 m gemacht und in A A, sind Kurs und Geschwindigkeit 
von A gefunden. Kann A die verlangte Fahrt nicht laufen, ist die Aufgabe un- 
lösbar. Die Wahl des Punktes C, ist gänzlich gleichgültig, da es sich bei dieser 
Lösung nicht um eine Entfernung, sondern nur um eine bestimmte Entfernungs- 
änderung in einer gegebenen Zeit handelt, 
Abstandsänderungen bei Kurven laufenden Schiffen lassen sich durch 
Auffassung kleiner Kurvenstrecken als gerade Kurse finden, wie es oben an- 
gegeben. Gegen ein verankertes Schiff läßt sich mit gegebener Abstands- 
änderung eine Kurve konstruieren, welche das Ziel stets in gleicher Peilung 
hält. Bei einer Abstandsänderung = 0 wird diese Kurve ein Kreis und das 
Ziel wird stets querab gepeilt, für das Maximum wird die Kurve auf das Ziel 
zuführende oder von ihm wegführende Kurs, für alle andern Werte ist die 
Kurve die bekannte logarithmische Spirale von der Gleichung r==ae"«“ 
2. Lösung einiger Aufgaben aus der Praxis. 
In den folgenden Zeilen soll die zeichnerische Lösung einiger Aufgaben 
aus der Praxis gegeben werden. Diese sollen zugleich beweisen, daß dort, wo 
das Auge durch die Peilung noch nicht an die Beherrschung der Bewegung des 
Schiffes gewöhnt ist, die in Sekunden auszuführende Zeichnung einen sicheren 
Aufschluß über den einzuschlagenden Weg gibt, 
a) Passieren von mit gleichem oder entgegengesetztem Kurs laufenden 
Schiffen in gegebenem Abstande (Fig. 5 und 5a). 
Die Dreiecke Axy sind die Bewegungsdreiecke gebildet aus viy= 2X 
entgegengesetzt dem Kurse von B und xy = va gefunden mit einem Bogen mit 
Va nach Ay, das ist diejenige Linie, welche den Kurs von A bezeichnete, wenn 
B seinen Ort nicht verändern würde, v, ist die gesuchte Kurslinie. Der 
Schnittpunkt A, von va mit der Parallele zum Kurse‘ von B im beabsichtigten 
Abstande bezeichnet den Augenblick des Kurswechsels für A auf den alten 
Kurs. Gleichzeitig befindet sich B in B, und querab von A,. 
Schätzungsfehler in der Geschwindigkeit von B würden, falls die ange- 
nommene Geschwindigkeit zu klein wäre, ein Passieren in geringerer als der 
gewollten Entfernung verursachen. Den gleichen Erfolg würde ein zu kleines 
Einschätzen der Entfernung AB nach sich ziehen. Die zeitliche Festlegung der 
Standorte erfolgt auch hier mit Hilfe einer Zeitlinie, wie sie im Abschnitt »Ab- 
standsänderung« beschrieben wurde. 
b) Passieren vor und hinter einem Schiffe auf bestimmtem Kurse und in 
gegebenem Abstande (Fig. 6 und 6a). 
Von A aus werden die Bewegungsdreiecke Axy mit vv, der Verbindungs- 
linie von A mit dem Passierpunkt C vor oder hinter B, wenn dieses fest stehen 
bleiben würde, und mit dem Bogen va vom Endpunkt x von vy nach dieser 
Linie gebildet. Da für A eine bestimmte Kursrichtung vorgeschrieben ist, muß 
die Strecke va==xy diese Kursrichtung halten, also A muß die Geschwindigkeit 
so wählen, daß die Strecke xy in der gewollten Kursrichtung liegt. Die 
Parallele zu dem gefundenen Kurse durch A ist die von A zu durchlaufende 
Strecke A A,.
	        
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