Gotzhein: Beiträge zur Schiffahrtskunde.
121
Fig. 83 und 3a geben eine Darstellung der Bewegung der beiden Schiffe
A und B. A ist die erste Peilung des beobachtenden Schiffes nach B. Der Ab-
stand AB sei als richtig angenommen, Auf dem Kurse von: A wird in irgend-
einem Maßstabe die Fahrt va = AA abgetragen und von A, in A, C, Kurs und
Fahrt von B bezeichnet. Die Linie AC, ist in dem Bewegungsdreieck A A, C,
die resultierende Bewegung von A, wenn B als feststehend betrachtet wird; ihre
Verlängerung ist der mit der Fahrt AC, = v, von A zu durchlaufende Kurs,
um für A nach B hin die gleichen Abstandsverhältnisse zu schaffen, welche ent-
stehen, wenn A und B auf ihren Kursen laufend gezeichnet werden. Während
A mit va nach A, gelangt, erreicht B mit vv den Punkt B,. A, B, würde
Peilung und Abstand nach Ablaufen dieser Strecken sein. Nun ist A, C, gleich
und parallel B B, gemacht; die Verbindungslinien A, B, und C, B müssen dem-
nach auch gleich und parallel sein, Dieser Beweis läßt sich für jeden Punkt
der Kurse A und B in gleicher Weise führen. Bei dem Passieren am festen
Ziele vorbei konnte die Zielpeilung für jede Stelle des Kurses von A in jedem
Punkt sofort aus der Zeichnung (Fig. 1) entnommen werden. Das ist bei be-
wegtem‘ Gegner nur möglich, wenn die beiden Bewegungen wirklich auf Papier
niedergelegt werden. Bei dem Arbeiten mit dem resultierenden Kurse geht das
nicht, aber die Peilung ist auch hier sehr einfach zu finden; es ist nur in dem
beabsichtigten Punkte z. B. C, der Kurs von A einzutragen. Der Winkel
zwischen diesem Kurse und der Verbindungslinie C, B ist die gesuchte Peilung.
In der Fig. 3 gibt die durch Pfeil bezeichnete Linie AC, usw; die Bewegungs-
richtung, in welcher sich das Schiff A mit seinem durch die Schiffsform kennt-
lich gemachten Kurse bewegt. Die Peilung, in welcher A von B aus gesehen
wird, ist durch den Schneidewinkel der Peilung von A mit dem Kurse von B
gegeben. Ve
Der geringste Abstand wird durch die Senkrechte von B auf den resul-
tierenden Kurs BC, in Fig. 3 bezeichnet. Zur Übertragung des Punktes Cz auf
die wirkliche Kurslinie von A, werden C, As, || BB, und A;B, | Cs B' gezogen.
Der Richtigkeitsbeweis folgt aus der Ähnlichkeit der Dreiecke A A, C, und A A, Cs.
Die Abstandänderung wird aus der Zeichnung abgegriffen; ihre rechne-
rische Bestimmung ist natürlich aus dem Dreieck ABC, möglich, aber für die
Praxis zu umständlich. Zur zeitlichen. Bestimmung des Eintretens in eine be-
stimmte Entfernung oder Peilung wird wieder eine Zeitlinie von A aus gezogen,
deren Endpunkt mit einer der Zeit entsprechenden auf Linie CC; mit ve oder
auf AA; mit va abgegriffenen Strecke verbunden wird. Parallelen zu dieser
Linie bezeichnen die zu dem gewünschten Zeitpunkt eingenommene Stellung
auf dem resultierenden Kurse oder auf der Kurslinie von A, Die Übertragung
der Stellung von einer dieser Linien auf die andere geschieht durch eine
Parallele zum Kurse von B, wie z. B. C, nach A, übertragen ist.
War die Entfernung AB richtig und waren Kurs und Fahrt nun eben-
Jalls richtig eingesetzt worden, so mußte die für jede beliebige Uhrzeit abge-
griffene Entfernung und Peilung richtig sein. War AB zu groß angenommen,
irat die Peilungsänderung langsamer ein und ein Verschieben des Punktes A
auf der Peilungslinie AB, wie es bei dem Anvisieren des festen Zieles be-
schrieben ist, führt zur Deckung der Wirklichkeit mit den Angaben der Zeich-
nung. Fehler in Kurs und Fahrt von B erfordern Neukonstruktion des Be-
wegungsdreiecks, aus welcher die Grenzen der entstehenden Fehlergrößen leicht
bestimmt werden können. Jedenfalls bietet die Konstruktion einer, wenn auch
nur angenähert richtigen, resultierenden Kurslinie aus dem Bewegungsdreieck
immer einen gut brauchbaren Anhalt für die Einschätzung der Abstands-
änderung.
Schiffe, welche mit gleicher Fahrt und gleichem Kurse laufen, ändern
ihre Stellung zueinander nicht. Ein Peilung-Halten und eine zeitlich bestimmte
Abstandsänderung auf bestimmten Kursen sind möglich (Fig. 4—4a), solange
sich aus den Kursen, Geschwindigkeiten und der Peilung das Bewegungsdreieck
bilden Jäßt. AB sei die gewollte Peilung. Von dem beliebig über oder unter
A gewählten Punkte C, wird vo der Richtung und Länge nach nach A; abgetragen: