Hesselberg, Th.: Über die,innere Reibung in der Atmosphäre. 119
Ändert man z.B. vxs00 von 9.00 bis 8.90, so erhält man 7.00 = 12.5 10-3
und (32) = 241 10—, Sowohl % wie AM, werden also durch diese kleine
Änderung zu weniger als die Hälfte der gefundenen Werte reduziert. Setzt
man Vysoo == 1.80 statt 1.91, so findet man 74 = 17.5 107% und (2) = 10.3 107,
In ähnlicher Weise werden die Werte von.” und SL durch kleine Änderungen
der Gradientkraft beeinflußt. Setzt man z. B. & SP) = — 1.0 statt 0, so werden
7400 = 12,5 10-3 und CM — 24.1 10,
Bei diesen Änderungen werden die Werte sowohl von 7 wie von 9% herab-
gesetzt. Wenn man in diesen Fällen die Rechnungen wie in Tabelle 4 aufstellt,
wird man eine ebenso gute Übereinstimmung zwischen den Werten von SL in
Kolonne 8 und 9 wie oben finden. Von der Übereinstimmung darf man also
nicht viel schließen.
Da die mittlere Windverteilung nur aus 84 Fällen gebildet ist, können
die Fehler der einzelnen Werte von vx und vy größer als der oben erwähnte
Fehler von 0.1 m/sek. sein. Die wirkliche Gradientkraft kann auch merklich
von dem vorausgesetzten Wert 9.06 abweichen, Man kann folglich nicht die
gefundene Verteilung von ” mit der Höhe als einigermaßen zuverlässig betrachten.
Man muß ein viel besseres Beobachtungsmaterial zur Verfügung haben, um mit
befriedigender Genauigkeit die Formeln (13) zu benutzen.
Wenn man die Formeln (14) verwendet, findet man etwas verschiedene
Werte von %, je nach der Wahl von zo. In Tabelle 5 sind die Werte von % über
Lindenberg gegeben, die unser Beobachtungsmaterial unter Voraussetzung einer
konstanten Gradientkraft gibt.
. Tabelle 5.
Die Werte von 10%» bei verschiedener Wahl von zo.
“M
100 |! 200 | 306 ' 400
100 6.3 | 63
200 8.7 8.7
300 14.6 14.3
400 | . 36.7 | 34,38 31.0
Man findet auch mit Hilfe dieser Gleichungen Werte von %, die rasch mit
der Höhe zunehmen. Es ist aber auch hier zu bemerken, daß die Werte für
größere Höhen als das Verhältnis zwischen kleinen Größen bestimmt sind und
deshalb als recht unsicher betrachtet werden müssen. Kleine Änderungen von
Yx und vy, oder von der Voraussetzung über die Gradientkraft werden auch hier
große Änderungen von % bewirken,
Mit unseren jetzigen Kenntnissen können also die Formeln (13) und (14)
nicht mit Vorteil verwendet werden. Wenn man in der Zukunft ein besseres
Beobachtungsmaterial hat, dürften aber die Formeln zur Anwendung kommen.
Besonders möchte ich darauf aufmerksam machen, daß sie auch für die erd-
nächsten Luftschichten. unterhalb Anemometerhöhe verwendet werden können,
Die Gleichungen fordern aber die Kenntnis nicht nur der Anderung der Wind-
geschwindigkeit mit der Höhe, sondern auch der Drehung des Windes, sei sie
auch noch so klein. Wenn man annimmt, daß keine Drehung vorhanden ist,
wird der Nenner in den Gleichungen (13) und (14) Null, ohne daß der Zähler gleich-
zeitig Null ist. In diesem Fall findet man also einen unendlich großen Reibungs-
koeffizienten, Man muß deshalb schließen, daß eine Drehung vorhanden ist, und
diese muß man kennen, um den Reibungskoeffizienten in den erdnächsten Luft-
schichten bestimmen zu können. . #
Kristiania, im Dezember 1918.