116 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai/Juni 1919.
Schicht mit schwacher Zunahme würde in geringerer oder größerer Höhe liegen,
je nachdem &n” kleiner oder größer wäre,
Über die Geschwindigkeitsverteilung mit der Höhe über freiem Gelände
liegen eine große Anzahl statistischer Untersuchungen vor, und man hat überall
die oben beschriebene Verteilung gefunden. Die mittlere Geschwindigkeit nimmt
immer sehr rasch zu, bis etwa 500 m Höhe, dann folgt eine Schicht mit schwacher
Zunahme bis etwa 1500 m Höhe und in größeren Höhen wird die Zunahme wieder
stärker. Dieses deutet darauf hin, daß die mittlere Windverteilung mit der Höhe
allgemein durch eine Gleichung wie (12) sich angenähert darstellen läßt, indem
man an = 5 wählt.
Wir haben jetzt die wirkliche mittlere Windverteilung mit der Höhe mit
den von den Gleichungen (3) gegebenen Windverteilungen verglichen und bei
Benutzung eines Wertes von a von 4 bis 5 eine so gute Übereinstimmung
gefunden, die man überhaupt erwarten kann, wenn man nicht ein besseres
Beobachtungsmaterial zur Verfügung hat, als wir es gehabt haben. Der große
Mangel unseres Materials ist, daß wir nicht die Änderung der Gradientkraft mit
der Höhe kennen und deshalb von dieser Annahme gemacht haben müssen.
Bei der Behandlung des Pilotballonmaterials haben wir erstens eine konstante
Gradientkraft und später eine mit der Höhe veränderliche Gradientkraft an-
genommen und in beiden Fällen die beste Übereinstimmung zwischen berechneten
und beobachteten Geschwindigkeiten für an = 4 gefunden. Bei der Behandlung
von dem Drachenmaterial haben wir angenommen, daß die Gradientkraft pro-
portional mit @ mit der Höhe wächst, und dann die beste Übereinstimmung für
an=5 gefunden. Schließlich deutet älteres statistisches Material darauf hin,
daß man überall an mittleren Breiten die beste Übereinstimmung für an= 5
finden wird.
Es scheint dann berechtigt zu schließen, wie wir es gemacht haben,
daß der mittlere Reibungskoeffizient in der freien Atmosphäre einen unge-
fähren Wert 7 = 0.005 hat. Mehr ist auch nicht gesagt, denn wir machten
ausdrücklich darauf aufmerksam, daß der Reibungskoeffizient großen Schwankungen
unterworfen ist. Er ist im Mittel größer im Sommer als im Winter und größer
am Mittag als in der Nacht (Kap. 9). Weiter ist er im Mittel viel kleiner unter-
halb Anemometerhöhe als oberhalb (Kap. 10). Er nimmt von Anemometerhöhe
im Mittel mit der Höhe zu (Kap. 9). Es wurde schließlich gezeigt, wie er von
den sehr veränderlichen ungeordneten Bewegungen in der Atmosphäre abhängig
ist (Kap. 12). Er hat deshalb in den Einzelfällen sehr verschiedene Werte und
ist großen und raschen Schwankungen unterworfen,
III. Zuletzt sollen einige Formeln aufgestellt werden, die zur Anwendung
kommen dürften, wenn man die mittlere Windverteilung mit der Höhe so gut
kennt, daß man SS, ZZ Zi und - durch Differenzenbildung mit befrie-
digender Annäherung bestimmen kann. Außerdem muß man die Gradientkraft
in der Höhe kennen. Dann kann man ein genaueres Studium des Reibungs-
koeffizienten ausführen, als wir es mit unserem Beobachtungsmaterial haben
tun können.
V.H.Ryd schlägt vor, die Gleichungen (9) zu verwenden. Zu Grund dieser
Gleichungen liegt aber die Annahme, daß der Reibungskoeffizient sich nicht mit der
Höhe ändert. Wie oben erwähnt, nimmt aber der Reibungskoeffizient mit der
Höhe etwas zu, Bei der jetzt erzielten genauen Bearbeitung eines guten Materials
darf man deshalb nicht die Formeln (9) brauchen. Es ist aber leicht, Formeln
abzuleiten, wo keine Voraussetzung über ” gemacht worden ist.
Die Formeln (2) lauten:
0 vx do Ovx 0
a
2