104 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai/Juni 1919.
Betrag verstärkt. Das ist verhältnismäßig viel, wenn wir auch eine starke ver-
tikale Temperaturabnahme gerade in der untersten Schicht angenommen haben.
Doch ist zu beachten, daß in Gleichung 10 im Vergleich zur Gleichung 7 an
Stelle von E die Größe E steht; wollen wir in Gleichung 2 an dieser Stelle
ebenfalls jenes E haben, das der Temperatur der Teilschicht entspricht, so müssen
wir E—B = E-—(B+ w m?) setzen und sehen daraus, daß im Falle der Tem-
peraturabnahme mit der Höhe gleichzeitig mit dem Hinzutreten eines neuen, die
Abkühlung verstärkenden Gliedes die Größe, welche früher die effektive Tem-
peratur der Atmosphäre angab, etwas hinaufgesetzt wird, wodurch das erste Glied
wieder einen kleineren Beitrag zur Abkühlung liefert. Beide Einflüsse dürften
sich also teilweise kompensieren. Das Ergebnis steht fest, daß durch die vertikale
Temperaturabnahme nach Sonnenuntergang die Abkühlung der untersten warmen
Teilschichten etwas beschleunigt, die der oberen etwas verlangsamt wird, daß
also die herrschende Temperaturabnahme zunächst die Ausbildung der Isothermie
in der Temperaturschichtung der staubbeladenen Luftschicht begünstigt, später
aber, wenn « negativ wird (Temperaturzunahme mit der Höhe) diese Isothermie
zu erhalten trachtet. Der Einfluß der vertikalen Temperaturverteilung bleibt
aber auf alle Fälle klein. 7
4. Zusammenfassung.
Die nächtliche Abkühlung der unteren, staubbeladenen Luftschichten ist
im Sinne R. Emdens zum großen Teil auf die Ausstrahlung der Staubteilchen
in ihnen, die nun ihrerseits wieder die Luft abkühlen, zurückzuführen. Die
untersten, bodennahen Schichten, welche den meisten und gröbsten Staub
(trockenen Dunst) enthalten, kühlen rascher ab als die oberen, an Staub ärmeren
Schichten, derart, daß sich die nach Sonnenuntergang bestehende rasche Temperatur-
abnahme mit der Höhe in den untersten Schichten durch ungleiche Abkühlung
rasch ändert, zunächst der Ausbildung einer Isothermie, dann im weiteren Verlaufe
auch einer nächtlichen Inversion zustrebt. Der wesentlich größere Anteil der
Ausstrahlung der staubbeladenen Luft erfolgt gegen den freien Himmelsraum
und ist, sowie die davon abhängige Abkühlung um so größer, je kleiner die
Gegenstrahlung der Atmosphäre, je kleiner ihr Wasserdampfgehalt ist. Der
nächtliche Temperaturfall erweist sich auf diese Art als abhängig vom Wasser-
dampfgehalt der Luft und diese Abhängigkeit ist dieselbe, wie wir sie aus den
Beobachtungen von Kremsmünster und Tiflis abgeleitet haben, Die Ausstrahlung
gegen den erkalteten Erdboden ist infolge des nicht großen und während der
Nacht nahezu konstant bleibenden Temperaturunterschiedes zwischen Erdober-
fläche und Luft von geringerem Einfluß als die Ausstrahlung gegen den freien
Himmelsraum; wenn wir abschätzen wollen, verhalten sich diese Anteile wie 1:3.
Dieses letztere Ergebnis widerspricht der bisher unwidersprochen gebliebenen
Annahme, daß die Wärmeausstrahlung gegen den Erdboden die Hauptrolle bei
der Abkühlung der unteren Luftschichten nach Sonnenuntergang und in den
Nachtstunden spielt.
Da sich nach den theoretischen Ergebnissen sowohl die Abkühlung der
staubbeladenen Luft durch Ausstrahlung gegen den freien Himmelsraum als
auch jene durch Ausstrahlung gegen den Erdboden durch eine Gleichungsform
AT = C (t — 3) darstellen läßt, wobei im ersten Falle & die effektive Tem-
peratur der Himmelsstrahlung, im zweiten Falle die Temperatur der Erdober-
fläche bedeutet, so wird sich auch die gesamte nächtliche Abkühlung durch eine
Gleichung derselben Art darstellen lassen; in dieser wird & in bestimmter Weise
sowohl von der Gegenstrahlung der Atmosphäre als auch von der Temperatur
der Erdoberfläche abhängen. Da beide Größen mit dem Wasserdampfgehalt der
Atmosphäre in bestimmter Beziehung stehen, wird auch das 4 von letzterem
abhängen und zwar mit diesem zu- und abnehmen. Diese Art der Abhängigkeit
der nächtlichen Abkühlung von der herrschenden Temperatur und vom Wasser-
dampfgehalt der Luft ist aber gerade auch jene, die sich aus den Beobachtungen
zahlreicher Stationen ergeben hat.