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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 47 (1919)

100 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai/Juni 1919. 
schichten bloß die ersten Stunden nach Sonnenuntergang zu benutzen sind, 
während die späteren durch störende Nebenumstände beeinflußt sind und bei 
solchen Untersuchungen besser nicht zu berücksichtigen sind. Geben wir den 
zweiten Zahlenwerten gegenüber den aus mittleren Verhältnissen, von Trabert 
abgeleiteten den Vorrang, so sehen wir, daß immer noch ein großer Anteil der 
nächtlichen Abkühlung sicherlich der Ausstrahlung der Staubteilchen gegen den 
freien Himmelsraum zuzuschreiben ist. Ihre Abkühlung bedingt den Temperatur- 
‚fall der sie umgebenden Luft. Diesen Anteil müssen wir, wenn wir abschätzen 
wollen, auf ein Drittel bis auf die Hälfte des ganzen nächtlichen Temperaturfalls 
;veranschlagen. 
Daß die Absorptionsverhältnisse und die Staubverteilung in der untersten 
Luftschicht von besonderem Einfluß auf die Größe der Konstante C ist, folgt 
direkt aus der Beziehung 7b. Bei der früher benutzten Staubverteilung, bei 
welcher die unterste 10 m-Schicht etwa 21° % des ganzen Staubgehaltes der be- 
trachteten unteren Luftschicht, was relativ wenig ist, enthält, nimmt die Kon- 
stante C für verschiedene vertikale Transmissionskoeffizienten der ganzen Schicht 
folgende Werte an: » 
Vertikaler Transmissionskoeffizient e* = 095 0:90 0:85 0:80 0:75 0:70 4 
in °C, Minuten , . ® « w2 3:50 6:59 9:23 11:52 21336 148310 
C in °C, Stunden SR 00210 00395 0°0554 00691 00802 00890, 
Die Ausstrahlung der Luftschicht wird also größer mit zunehmender 
Absorptionsfähigkeit der Staubatmosphäre für die von oben kommende Strahlung 
der Atmosphäre; je mehr Staub in der untersten Schicht der Atmosphäre ent- 
halten ist, desto rascher ihre nächtliche Abkühlung. 
Die Größe } war oben definiert als die effektive Temperatur der Gegen- 
strahlung der Atmosphäre; bis auf diese Temperatur muß sich die ganze untere 
staubbeladene Luftschicht abkühlen, damit Strahlungsgleichgewicht eintritt. 
Herrscht doch in einer auf einer Unterlage ruhenden Luftschicht bei grauer 
Strahlung Strahlungsgleichgewicht erst dann, wenn die Luftschicht isotherm ist 
and ihre Temperatur sowie jene der strahlenden Unterlage gleich ist der effek- 
tiven Temperatur der von oben kommenden Strahlung!). Auch in den Beob- 
achtungstatsachen ergibt sich bei Fassung des nächtlichen Temperaturfalls in die 
bekannte Formel eine der Größe 4 entsprechende Konstante, welche, wie aus der 
Bearbeitung der Kremsmünster und Tifliser Beobachtungen bekannt ist, in deut- 
licher Weise vom Wasserdampfgehalt der Atmosphäre abhängt. Da nun die 
nächtliche Strahlung der Atmosphäre von ihrem Wasserdampfgehalt und in der- 
selben Weise auch die effektive Temperatur 4 derselben davon abhängt, so unter- 
liegt es wohl keinem Zweifel, daß die in den Beobachtungen gefundene Größe 
mit der effektiven Temperatur der Gegenstrahlung der Atmosphäre, wenn nicht 
identisch, so doch sehr nahe verwandt ist. Zum wirklichen Beweise dieses aus 
der Theorie gefolgerten Ergebnisses wären gleichzeitige, an heiteren, windstillen 
Nächten ausgeführte Messungen einerseits des nächtlichen Temperaturfalls der 
Luft, anderseits der Gegenstrahlung der Atmosphäre erforderlich. Solche Messungen 
liegen derzeit noch nicht vor, Da die effektive Temperatur der Gegenstrahlung 
) wesentlich tiefer ist als die Temperatur t der untersten Luftschicht nach 
Sonnenuntergang, so ist die Differenz t— 4 immer eine verhältnismäßig große 
Zahl. Für mittlere Wasserdampfgehaltsverhältnisse der Atmosphäre fand R. Emden 
die Gegenstrahlung der Atmosphäre B=0'838E,. Es ist also: 0'838sT*1=s (273 +3)*; 
daraus folgt 273 + 4 = 09568 + T. Für verschiedene Werte der Temperatur t 
der untersten Luftschicht nimmt dann die effektive Temperatur der Gegenstrahlung 
folgende Werte an: 
t = 5 10 
d = —70 — 38 
i— dd = 120 13:8 
\ Siehe R. Emden, Le. 5. 79
	        
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