Defant, A.: Über die nächtliche Abkühlung der untersten, staubbeladenen Luftschichten. 97
tionskoeffizienten kaum größer -als 1 °% und kann demnach vernachlässigt werden,
Die Hauptschwächung der Strahlung durch Staub scheint in den untersten
Schichten (unterhalb etwa 200 m) zu liegen und hier um so. größer zu sein, je
tiefere Luftschichten die Strahlung zu durchsetzen hat. Für 10 m (Washington,
astrophysikalisches Observatorium) gibt die Tabelle etwa 10 9%. Wenn man
bedenkt, daß bei Messung der Energieverteilung im Sonnenspektrum nur »optisch
reine« Tage, also klare Tage, bei denen womöglich die Luft, soweit dies mit dem
Auge (Fernsicht) feststellbar ist, auch durch trockenen Dunst (Staub) nur wenig
verunreinigt ist, ausgewählt werden, so erscheint die durch den Staubgehalt der
Atmosphäre über 10 m Höhe bedingte Absorption von 10 °/, verhältnismäßig groß.
Am optisch reinsten Tage (15. Februar 1907) betrug sie zu Washington immer
noch 4%. Im Sommer kann sie 10%, wesentlich übersteigen.
In der untersten Schicht vom Erdboden bis 10 m, welche den meisten und
größten Staub enthält, erfolgt natürlich noch eine weitere Absorption der Strah-
lung, so daß wir gewiß nicht fehlgehen, wenn wir annehmen, daß über dem Fest-
lande in der wärmeren Jahreszeit an heiteren Tagen, an denen tagsüber durch
Konvektion die untersten Atmosphärenschichten wesentlich verunreinigt worden
sind, die durch die unteren ‚staubbeladenen Luftschichten‘ bedingte Absorption
der Strahlung zwischen 5 und 15 °, schwankt, ja an optisch unreinen Tagen sogar
20 °%%, betragen kann.
Die aus den Fowleschen Untersuchungen, welche uns die Größenordnung
der Transmissionskoeffizienten der untersten Staubatmosphäre geben, abgeleiteten
Zahlenwerte setzen uns im weiteren Verlaufe der Untersuchung in die Lage, den
Einfluß dieser Absorption auf die nächtlichen Strahlungs- und Temperatur-
verhältnisse der tiefsten, staubbeladenen Luftschicht zu untersuchen.
3, Die nächtlichen Strahlungsverhältnisse der unteren staubbeladenen Luft-
schichten. .
Die staubbeladene, dem Erdboden aufliegende Luftschicht habe die Höhe H,
darüber breite sich die staubfreie Atmosphäre aus, die zufolge ihrer Temperatur
und ihres Wasserdampfgehaltes an ihrer unteren Begrenzung eine Strahlung B
in der Richtung gegen die Erdoberfläche aussendet, Den Absorptionskoeffizienten
der Staubschicht nehmen. wir in erster Annäherung als unabhängig von der
Wellenlänge; die staubbeladene Luftschicht strahle also grau. Den Koeffizienten
jeder Teilschicht setzen wir proportional der Masse der Staubteilchen m in ihr,
also k = bm. Die Strahlung J,. wird beim Durchsetzen der ganzen bis zum
Erdboden reichenden Staubatmosphäre, deren Masse M wir gleich 1 setzen, auf
den Betrag
1)
z
— [bmam —
J= Je =
D
geschwächt; es ist demnach e 2? der vertikalen Transmissionskoeffizient der ganzen
stauberfüllten Luftschicht, über dessen Größenordnung wir uns im vorher-
gehenden Abschnitt orientiert haben.
Eine Elementarschicht dm wird von den Energieströmen B und A
durchsetzt, die von der Strahlung der höher bzw. tiefer gelegenen Schichten und
Strahlungsquellen herrühren, Die Schicht selbst sendet nach beiden Richtungen
yemäß ihrer Temperatur die Strahlungsmenge kE dm aus. Dann gelten die
Hauptgleichungen der Strahlung
3 — _kB-+KkE und a — kA—kE,
2)
Bei gegebener Temperaturverteilung in der staubbeladenen
jede Schicht dm pro Zeiteinheit die Energie (Wärmemenge):
gi dQ — (2kE— kB --kA)dm
Luftschicht gibt