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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 47 (1919)

Defant, A.: Über die nächtliche Abkühlung der untersten, staubbeladenen Luftschichten. 95 
2. Die Absorptionsverhältnisse der staubbeladenen Luftschichten. 
Dringt eine Strahlung in ein Medium ein, das. diskrete Massenteilchen in 
gewisser Dichtigkeit enthält, so erleidet sie eine Schwächung, die wesentlich davon 
abhängt, ob die Massenteilchen für die auf sie fallenden Strahlen vollkommen 
oder nur teilweise undurchlässig sind,. Da der atmosphärische Staubgehalt 
{trockener Dunst) der untersten Luftschichten wohl zum großen Teil auf die 
Zerreibung der festen Substanzen der Erdoberfläche zurückzuführen ist, kann 
man wohl annehmen, daß die. Staubteilchen dieser Schichten hauptsächlich 
mineralischer und organischer Natur sind und namentlich durch Windverwehung 
und durch: die während der Tageszeit auftretenden aufsteigenden Luftströme 
(Konvektion) in die Atmosphäre emporgetragen worden sind. Nehmen wir diese 
Massenteilchen der Einfachheit halber als gleich groß und als kugelförmig an 
und sei ihre Zahl in Kubikzentimeter n%, ihr Radius r und ihr spezifisches 
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Gewicht 7, so entfällt auf die Volumseinheit eine Staubmasse m = nt 47} Y. 
Denkt man sich alle diese Staubteilchen im betrachteten Kubikzentimeter 
in gleichen Entfernungen geordnet, so enthält das Kubikzentimeter n parallele 
Schichten von 1 cm?.Basis und jede derselben nebemeinander n? Staubteilchen. 
Die Wahrscheinlichkeit, daß ein senkrecht auf diese Schichten auffallender Strahl 
beim Durehsetzen des Kubikzentimeters staubbeladener Luft ungestört hindurch- 
komme!) ist q == (1 —n?r? x). | 
Von einem Strahlenbündel wird demnach nur der q®-Teil, von einer 
auffallenden - Intensität J, beim Durchgang einer Schicht von x Zentimetern 
nur der q*te Teil .hindurchgelassen, Die austretende Strahlung J ist gegeben 
durch die Formel J= J,q*. Das ist das Bouguersche Gesetz. Der Trans- 
missionskoeffizient . ist nicht nur abhängig von der Masse der in der Volums- 
einheit enthaltenen Staubteilchen, sondern auch von ihrer Größe, Da q = 
(1 —n?r? x)" ist und n?r? x wesentlich kleiner als 1 ist, ‚kann man den Ausdruck 
für q in eine Reihe entwickeln und beim ersten Gliede stehen bleiben; dann 
N! I Die Absorption pro Längeneinheit, d. i, 
1—q = Zn ist also proportional der auf die Volumeinheit ent- 
fallenden Masse und verkehrt proportional der Größe der Staub- 
teilchen. Bei gleichem Staubgehalt ist die Absorption um so größer, je kleiner 
die Staubteilchen sind. Für unsere späteren Überlegungen ist besonders von 
Wichtigkeit das Ergebnis, daß wir in erster Annäherung den Absorptionskoeffi- 
zienten einer staubbeladenen Luftschicht proportional dem Staubgehalt der Luft 
m setzen können. 
Wenn wir nun auf Grund vorstehender. Rechnung die Größe des Absorp- 
tionskoeffizienten der mit Staub beladenen Luftschichten abschätzen möchten, 
müßten wir über die Verteilung des Staubes in den unteren Schichten der Atmo- 
sphäre, über die Zahl der Staubteilchen pro Volumeinheit und endlich auch über 
ihre Größe einigermaßen orientiert sein. Das ist aber in keiner Weise der Fall. 
Von der Verteilung des Staubes (trockenen Dunstes) in der Atmosphäre 
wissen wir nur so viel, daß man in ihr, angedeutet durch einzelne meteorologisch- 
optische Erscheinungen, etwa drei Schichten unterscheiden kann”). Die unterste 
Schicht der Staubtrübung der Atmosphäre, die etwa bis 1 km. Höhe reicht und 
die für unsere Frage fast ausschließlich in Betracht kommt, enthält die gröberen, 
dickeren Verunreinigungen der Atmosphäre, die durch die Konvektion und durch 
Windverwehung in die Höhe gebracht werden. Die zweite, wesentlich leichteren 
Staub enthaltende Schicht erstreckt sich bis zu einem Niveau von 3 bis 4 km 
und dürfte das Ergebnis der höher reichenden Konvektionsströmungen bei ruhigem, 
heißem Wetter sowie hauptsächlich das Ergebnis der aufsteigenden Luftströme 
zyklonischen Ursprungs sein. Über 4km bis zur Isothermen-Zone (etwa 11km) 
1) Siehe W. Trabert, Die Extinktion des Lichtes in trüben Medien. Met. Ztschr., 18. Bd., 
1901 S. 818. _ . 
2) Humphreys, Dust Layers in the atmosphere; Bull. Mt: Weather Obs., vol. 4, 1912 p. 397.
	        
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