accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 47 (1919)

Ann. d. Hydr. usw., XXXXVII. Jahrg. (1919), Heft V/VI. 
Über die nächtliche Abkühlung der untersten, staubbeladenen 
Luftschichten. 
Von Dr. Albert Defant, 
1. Einleitung. 
In der Abhandlung!) „Die nächtliche Abkühlung der unteren Luftschichten 
und der Erdoberfläche in Abhängigkeit vom Wasserdampfgehalt der Atmo- 
sphäre“ wurde der Nachweis erbracht, daß in der Temperaturabnahme der Luft 
nach Sonnenuntergang an heiteren, nahezu windstillen Tagen ein wesentlicher 
Einfluß des Wasserdampfgehaltes der Luft vorhanden ist; je geringer der 
Wasserdampfgehalt der Atmosphäre, desto größer ist die nächtliche Abkühlung 
der unteren Luftschichten, Dieses Ergebnis ist, wie eingehend gezeigt wurde, 
der Ansicht, daß die nächtliche Abkühlung der unteren Luftschichten in erster 
Linie ein reiner Strahlungsprozeß der atmosphärischen Luft sei, nicht günstig; 
sonst müßte die Abhängigkeit vom Wasserdampfgehalt sich gerade umgekehrt 
verhalten, als wie sie aus den Beobachtungen abgeleitet wurde. Die Tatsache, 
daß nach den Tifliser Beobachtungen die nächtliche Abkühlung der unteren Luft- 
schichten in innigem Zusammenhange mit der nächtlichen Abkühlung der Erd- 
oberfläche steht, mit dieser zu- und abnimmt und dieselbe Abhängigkeit vom 
Wasserdampfgehalt der Atmosphäre aufweist, begünstigte hingegen die Ansicht, 
daß der sich in der Nacht immer wieder bildende und zum Teil sich aus- 
gleichende Temperaturunterschied Boden—Luft die Ursache der nächtlichen Ab- 
kühlung der unteren Luftschichten sei und daß hierbei in erster Linie die 
konvektive Fortführung der Wärme eine wesentliche Rolle spielt. Die 
nächtliche Abkühlung der Erdoberfläche, die um so größer ist, je kleiner der 
Wasserdampfgehalt der Luft, da dann auch die Gegenstrahlung der Atmosphäre 
klein ist, würde auf dem Wege der äußeren Wärmeleitung den darüberliegenden 
Luftschichten derart übermittelt, daß auch diese denselben Gesetzen der Ab- 
kühlung folgen würde wie die Erdoberfläche selbst. ; 
Gegen die Ansicht, daß die. konvektive Fortführung der Wärme zwischen 
Erdboden und Luft die Hauptursache der ziemlich raschen nächtlichen Tempera- 
turabnahme der unteren Luftschichten sei, sind manche gewichtige.und berechtigte 
Einwände erhoben ‚worden, die es als unwahrscheinlich erscheinen lassen, .daß 
sowohl die Wärmeleitung als auch. die Konvektion (konvektive Fortführung der 
Wärme, äußere Wärmeleitung) bei horizontaler Unterlage in wesentlicher Weise 
an der Abkühlung der untersten Luftschicht - beteiligt sind. Von der. Wärme- 
leitung weiß man schon lange, daß sie nur für die Abkühlung der alleruntersten 
Luftschichten, welche dem Boden aufliegen, in Betracht kommen kann; für Luft- 
schichten, die einige Meter vom Erdboden entfernt sind, spielt sie in der kurzen 
Zeit einer Nacht gar keine Rolle. . Aber auch der Konvektion kann man keinen 
großen Einfluß zuschreiben; die durch Wärmeleitung erkalteten untersten Luft- 
schichten sind schwerer als die: darüberlagernden wärmeren und haben die 
Tendenz, sich ruhig nach ihrem spezifischen Gewicht in horizontale Schichten zu 
lagern. Im Gegensatz zur Erscheinung der Erwärmung der unteren .Luftschicht 
durch die erwärmte Erdoberfläche, kann die Abkühlung der Luft über horizontaler 
Unterlage keine vertikalen Bewegungen und Luftverlagerungen einleiten; die 
Luftmassen stagnieren und wirken in erheblicher Weise, sogar bis zur Wind- 
stille, dämpfend auf vorhandene Bewegungen. Die Temperaturschichtung in der 
alleruntersten, dem Boden unmittelbar aufliegenden Luftschicht, die G.. Hell- 
mann in einer vor kurzem erschienenen Abhandlung?) untersucht hat, ‚zeigt. 
deutlich, wie groß die Stagnation der Luft am Boden in heiteren, nahezu wind- 
‚ Sitzber, der Wiener Akad., 125. Bd., 1916 8. 1537. . 
2) G. Hellmann, Über die nächtliche Abkühlung der bodennahen Luftschicht. Sitzber, der 
preuß, Akad., 38, Bd., 1918. 
Anz. d. Hydr. usw. 1919. Heft V/VI.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.