Defant, A.: Neue Methode zur Ermittlung. der Eigenschwingungen (Seiches) usw. 85
schnittes, auf der Linie Toscolano-—— Torre del Benaco. Die Amplitude der
Schwingung kann am Südende bloß etwa */, der Amplitude am Nordende er-
reichen. Die zweiknotige Schwingung hat Knotenlinien in der Mitte zwischen
dem 9, und 10. Querschnitt, auf der Linie Campione Bach-—Cassone und zwischen
dem 24. und 25. Querschnitt, N
d. ji. auf der Linie Manerba— EOrSCUG
Lazise. Die Amplitudenver-
teilung ist sehr interessant;
der mittlere Teil der Schwin-
gung hat bloß ein Ampli-
tudenmaximum von etwa 2/
der Amplitude am Nordende
und nur etwa !/, von jener
am Südende. Der "seichte
breite Seeabschnitt im Süden
bedingt eine Kräftige. Ver-
schiebung der zweiten Kno-
tenlinie nach Süden und eine
bedeutende Amplitudenver-
größerung am Südende. ‘Dies
erklärt die Tatsache, daß am
Südende die Schwingungen von etwa 23m Periode mit so großer Amplitude beobachtet
werden, daß sie fast stets in den Limnogrammen zu finden sind. Die auch bei
kleinen Amplituden noch ziemlich großen horizontalen Verlagerungen der Wasser-
teilchen sind besonders auffallend; bei einer Amplitude von 20 cm am Südende
beträgt die horizontale Verschiebung am 29, Querschnitt etwa 14 m, Dies er-
klärt die Tatsache, daß am Sseichten Südende des Sees das Seewasser in
kürzeren Intervallen sich trübt und wieder klärt. Man kann die Schwingungen
nicht nur mit. dem Limnographen beobachten, man kann sie auch an der
periodischen Trübung des Wassers mit den Augen verfolgen.
Durch die gegebenen Beispiele glaube ich genügend gezeigt zu haben, was
die neue Methode zur Ermittlung der Schwingungsformen der Eigenbewegung
abgeschlossener Wassermassen zu leisten vermag.
Ya
Seegang in Norwegen und mikroseismische Bewegung.
Von Otto Meißner, Potsdam,
1. Einleitung.
Schon vor längerer Zeit hatte Wiechert in Göttingen die Ansicht auf-
gestellt, daß der Seegang in Norweyen, besonders im südlichen Teile des Landes,
die. Ursache der‘ in Norddeutschland beobachteten mikroseismischen Bewegung
sei. Hierfür sprach vor allem die jährliche Periodizität der mikroseismischen
Bewegung mit ihrem Wintermaximum und Sommerminimum, sowie die Überein-
stimmung beider Erscheinungen bezüglich ihrer Periode von etwa 4 bis 7 Sekunden.
Auch die den Seismologen schon lange aufgefallene Tatsache, daß im allgemeinen
— Ausnahmen sind freilich nicht selten — die Periode der mikroseismischen
Bewegung mit der Amplitude wächst, schien für. die obige Ansicht zu sprechen,
denn beim Seegang verhält es sich ganz ebenso. B. Gutenberg‘) glaubte denn
auch, einen ursächlichen Zusammenhang beider Erscheinungen nachgewiesen zu
haben, Dagegen fand Hecker” nur einen, nicht einmal. besonders deutlichen
Parallelismus der Stärke des Seeganges in Norwegen und der mikroseismischen
‘) Beiträge zur Geophysik, Band 11, S. 314—353., ;
?) Seismometrische Beobachtungen in Potsdam im Jahre 1905, S. 13—20.