Köppen, W.: Die jährliche und räumliche. Verteilung der Gewitter und Böen usw. 65
Stationen aus dem Innern der Festländer wurden nur einige als Vertreter hinzugezogen,
um die in der gemäßigten Zone. in bezug auf die jährliche Verteilung der
Gewitter sehr gleichförmigen kontinentalen Verhältnisse zu kennzeichnen,
Die Vergleichbarkeit der Zahlen von Meer und Land ist dadurch beeinträchtigt,
daß ‚auf dem Lande die Tage, an denen Gewitter (Donner und Blitz) beobachtet
wurden, gezählt sind, auf dem Meere dagegen die Wachen — von 4 Stunden
Dauer —; und zwar ist in der „Quadratarbeit‘‘ die Anzahl der Wachen mit der
Notierung „t‘“ = Donner nach Beauforts Wetterbezeichnung und die der Wachen
mit der Angahe ‚‚1“ = Blitz oder Wetterleuchten nach derselben Skala, getzennt
angegeben. In Tabelle 1 ist zunächst in Zeile „t‘“ die erstere Zahl und unter t+I1
die Summe der „t‘“- und der ‚„1‘“-Vermerke angeführt, beides auf Prozente der
Gesamtzahl der Beobachtungswachen umgerechnet, die unter Z angegeben ist.
Wachen, in denen sowohl „t‘“ als ‚1‘ angeschrieben wurden, sind also in der
Reihe t+1 doppelt gezählt, eigentliche Gewitter also mit doppeltem Gewicht eingeschlossen.
Es läßt sich nicht bestimmt sagen, ob alle die Fälle, in denen ins
Schiffsjournal nur „1“ eingetragen ist, als Wetterleuchten ohne hörbaren Donner
zu betrachten sind. Es sind ihrer, wie man sieht, weit mehr als der Donner-Notierungen,
und das Übergewicht der. Wetterleuchten über die Gewitter ist
danach in den Schiffsbeobachtungen viel größer als auf den Landstationen. Allein
das war auch. zu erwarten, weil der freie Horizont und der. Ausguck während der
ganzen Nacht dem Seemann weit günstigere Bedingungen für die Wahrnehmung
von Wetterleuchten bieten als auf den Landstationen in der Regel zu finden sind.
Da es sich sowohl wegen dieser Unsicherheit als wegen der Zählung nach Wachen
doch nur um unter sich vergleichbare Relativwerte vom Meere handelt, so erschien
die oben erwähnte Doppelzählung der Wachen mit Donner (t) unbedenklich und
die Summe t + 1 gerade wegen dieses größeren Gewichts der nahen Gewitter der
vergleichsweise beste Ausdruck für die Gewittertätigkeit in der betr. Meeresgegend.
Will man die Zahl der l-Notierungen wissen, so muß man die Zahlen der t-Zeile
von den darunter stehenden der Zeile t +1 abziehen. Die Verteilung auf die Monate
könnte zwar bei den Wetterleuchten durch die Tageslänge beeinflußt. sein, da sie
im Dunkeln viel Jeichter wahrnehmbar sind als am Tage; ein solcher Einfluß ist
aber in unseren Zahlen von t-+1 nicht zu bemerken; denn wenn auch bei 10. von
den 37 Feldern die Monate der größten Häufigkeit bei t und t-+1 erheblich verschieden
sind, so ist nur bei 5 von diesen Fällen das Maximum von % in einem
Monat mit kürzeren Nächten als das von t+J1; 1 Fall ist neutral und 4 Fälle sind
der Erwartung entgegen.‘ .
Einen wesentlichen Vorzug besitzen die Zahlen vom Ozean vor denen vom
Lande darin, daß sie nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich untereinander vergleichbar
sind; zeitlich, weil aus der Vielheit der Beobachter sich eine gewisse normale
Mischung in allen Monaten herstellt, räumlich, weil dieselben Beobachter nacheinander
die verschiedenen. Meeresräume befahren. Auf dem Lande dagegen unterliegen
die Häufigkeit der verschiedenen Erscheinungen und alle geschätzten Größen,
wie z. B. die Windstärke, großen persönlichen Fehlern, weil der Becbachter einer Station
sie anders auffaßt als der einer anderen. Je nach der Aufmerksamkeit und Auffassung
des Beobachters kommen dabei große oder kleine Zahlen heraus. Beim
Gewitter ist dieser Übelstand noch nicht so groß wie z. B. beim Nebel, der alle
möglichen Abstufungen zeigt und schr verschieden beurteilt wird; beim Gewitter
hängt das Resultat weniger vom persönlichen Urteil, wohl aber stark von den
Umständen ab; eine Großstadt ist z. B. sehr ungünstig dafür.
Um das zu gewinnende Bild sicherer und einfacher zu‘ machen, sind von
den 4 Fünfgradfeldern, in die jedes Zehngradfeld in der ‚,Quadrätarbeit‘“ zerlegt
ist, in Tabelle 1 jeweils die zwei südlichen (a b) und zwei nördlichen (c d) zusammengelegt
worden. Für die Karten der Tafel 5 sind die Zahlen vor Entwerfung der
Kurven noch einer weiteren Ausgleichung mit den nach Ost und West anstoßenden
Feldern nach der Formel b’=!/, (a + 2b +c) unterworfen worden.
In den Tabellen 1: und 2 sind die Ziffern in den Zeilen t, t +1 und q durchweg
Prozente der Gesamtzahl. der. Beobachtungswachen z,‘ und zwar t die der
Wachen mit Donner, t+1 die Summe derjenigen mit Donner und mit Blitzen,
Tortsetzung des Textes S. 70.