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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1918,
Die jährliche und räumliche Verteilung der Gewitter
und Böen auf dem Nordatlantischen Ozean und an dessen Küsten.
Von W. Köppen.
(Hierzu Tafel 4 und 5.)
Während die zeitliche und räumliche Verteilung sowohl der Regenmengen
als der Regentage vielfach untersucht und in ihren großen Zügen ziemlich gut bekannt
ist, wissen wir von derjenigen der Gewitter noch äußerst wenig. Die alljährliche
Erfahrung zeigt uns Bewohnern von Mitteleuropa einen engen Zusammenhang von
Hitze und Gewitter, und es erscheint uns selbstverständlich, daß allgemein die
Gewitter ein Zubehör des Sommers und in warmen Ländern häufiger sind als in
kalten, soweit dies nicht durch den gleichfalls augenscheinlichen Zusammenhang
des Gewitters mit Regen eingeschränkt wird.
Daß die regenlosen Sommer der südlicheren Küstenländer des Mittelmeers
arm an Gewittern sind, weiß man seit langer Zeit. Buchan hat auch bereits 1869
yezeigt, daß in Schottland zwar das Binnenland und die Südostküste noch das
Maximum der Gewitter in den Monaten Juni bis August haben, an der Nordwest-
küste aber die Gewitter in diesen Monaten noch seltener sind als im Dezember und
Januar. Die überaus seltenen Gewitter auf Island und den Faröern treten sogar
fast nur in der kälteren Jahreszeit auf.
Das Verhalten der Gewitter auf dem Ozean nördlich von 30° N-Br. ist bis
jetzt nicht untersucht worden. Südlich von diesem Parallel hat P. Schlee die
Sachlage nach den meteorologischen Tagebüchern der deutschen Dampfer auf dem
Reisewege zwischen dem Kanal und der Ostküste Südamerikas daraufhin erforscht
und anschaulich dargestellt!): Die Verteilung der Gewittertage über das Jahr und
auf die Breitenkreise ist hier derjenigen der Regentage sehr ähnlich. Das in der
großen statistischen ‚,Quadratarbeit‘“ der Deutschen Seewarte?) niedergelegte
Material über den Nordatlantischen Ozean zwischen 20 und 50° N-Br. ist dagegen
in dieser Hinsicht noch nicht verwertet worden. Für andere meteorologische.Elemente
ist dieses im Jahre 1902 in der zweiten Auflage des Atlas für den Atlantischen Ozean
der Deutschen Seewarte geschehen. Die praktische Wichtigkeit der Gewitter
erschien damals noch so gering, daß die ohnehin umfangreiche Zusammenstellung
nicht auch auf diese ausgedehnt wurde. Neuerdings haben aber die elektrischen
Erscheinungen der Atmosphäre durch die drahtlose Telegraphie neben ihrem
wissenschaftlichen auch großes praktisches Interesse bekommen, und es geschieht
auf eine Anregung von dieser Seite her, daß hier die genannte statistische Arbeit
auch nach dieser Richtung ausgenutzt werden soll. Da zudem auch solche gewitter-
artige Wetter, bei denen es nicht zu Blitz und Donner kommt, störende elektrische
Wellen zu erregen pflegen, so ist hier aus der ‚, Quadratarbeit‘“ auch die Zahl der
beobachteten Böenwachen ausgeschrieben und verarbeitet. Eine ähnliche
Statistik der Böen gab es bisher nur für den Raum südlich von 20° N, vgl. das
Segelhandbuch für den Atlantischen Ozean, Kap. 8. Ein Vergleich dieser Daten
mit dem festen Lande wird wohl in bezug auf Böen dauernd unmöglich bleiben.
Dagegen habe ich gesucht, für die Gewitter den so wünschenswerten Anschluß
der Schiffsbeobachtungen an diejenigen der Westlandstationen herzustellen. Auch
hier mußten aber die Zahlen erst zusammenyesucht und die Mittel zum beträcht-
lichen Teil erst neu gebildet werden, weil nach 1871, da Hann eine kleine Zusammen-
stellung in der Meteorologischen Zeitschrift (S. 58) veröffentlichte, ein Versuch
der Zusammenfassung des jetzt reichlich vorhandenen Materials nicht mehr gemacht
zu sein scheint. Eine kleine Arbeit von Klossovsky behandelt nur die jährliche
Anzahl der Gewitter in verschiedenen Ländern. In der vorliegenden Untersuchung
habe ich hauptsächlich die Küstenstationen des Ozeans beachtet, um den Uber-
gang der kontinentalen Verhältnisse in die ozeanischen festzustellen. Von den
-) Archiv d. Seew, Bd. 15 (1892), Nr. 3.
_ ?) Resultate meteor. Beobacht. von deutschen u. holländ. Schiffen für Eingradfelder des Nordatl.
Ozeans, 19 Bände.