Moeller, F.:‘ Über den Schutz von Chronometern vor starken magnetischen Feldern usw. 61
Felder . veranschaulichen. Es sind zwei Photogramme von Eisenfeilspanbildern),
die bei einem äußeren Feld von etwa 12 E.M.E:. und bei einer Wandstärke von
3 mm angefertigt sind. Das äußere Feld zeigt in beiden Aufnahmen einen homogenen
Verlauf. Der Verlauf des inneren Feldes ist in Nr. 1 nicht mehr zu erkennen. Das Feld
ist — auch an beiden Zylinderenden — so schwach, daß die Späne nicht mehr der
Richtung des Feldes folgen, sondern regellos durcheinander liegen. Nur an den Ecken
ist vielleicht. noch eine Spur von geordneter Lage zu erkennen. Ein völlig anderes
Aussehen zeigt jedoch Nr. 2. Aus der Lage der Eisenspäne lassen sich zwei Eigen-
schaften des Innenfeldes ableiten: Seine Inhomogenität sowohl nach der Richtung als
auch nach der Größe. Die Größe des’ Feldes nimmt vom freien Ende des Zylinders
nach dem Boden zu ab, was aus der allmählich regelloser werdenden Lage der Eisenteile
zuersehen ist. Am geschlossenen Ende des Gehäuses bietet sich ungefähr dasselbe Bild
wie in Nr. 1; das Feld ist hier ziemlich geschwächt, doch entspricht selbst hier die
Dämpfung (wie aus einer Messung hervorging) nicht derjenigen ‚einer geschlossenen
„Blende‘‘. — Am freien Ende, zumal in seiner Mitte, wird der Schutzfaktor annähernd
gleich 0 sein. Die oben angegebenen Verhältniszahlen entsprechen etwa der Gegend,
wie sie in der Nr. 2 durch den Strich in der Mitte des Bildes angegeben ist. — Auch
die Inhomogenität der Richtung läßt das Photo- |
gramm gut erkennen. ' In der Mitte verlaufen die Fig. 5.
Linien allerdings annähernd unter sich parallel, r
je näher jedoch den. Rändern, desto mehr diver-
gieren sie untereinander. — Für die Praxis ge- 1
winnt. man :aus der Nr. 2 das Resultat, daß zwar ; ;
Chronometerteile, die sich in der Nähe des Bodens \
befinden, noch einen immerhin beträchtlichen ‚A
Schutz erfahren, andere weiter oben liegende Teile ;
dagegen einem erheblichen magnetischen Felde
ausgesetzt. sind... Wegen eines im folgenden
Paragraphen vorzunehmenden Vergleiches sei in
Fig. 5 versucht, das Bild der Nr. 2 noch einmal
zeichnerisch darzustellen, die Größe des Feldes ist
darin durch die Stärke der Linien wiedergegeben,
das übrige ist aus der Figur zu ersehen. — Vor-
stehende Betrachtungen sind streng gültig nur für ,
das Zylinderprofil, dessen Abmessungen oben angegeben sind, können aber ohne Be-
denken auch-auf andere Profile angewandt werden. . Für Formen, die ein freies Ende
haben, gilt allgemein, daß ihre Schutzfähigkeit zunimmt mit ihrer Länge. Würde
z. B. die Länge des Zylinders (oder einer anderen. Form) groß sein im Verhältnis
zu seinem Durchmesser, so könnte für manche Fälle sein Schutzfaktor ausreichend
sein. Solche Dimensionen kommen jedoch für ein Chronometerschutzgehäuse nicht
in Betracht. Daraus folgt, daß Profile mit einem offenen Ende zur Kon-
struktion von „antimagnetischen‘ Chronometern nicht verwendbar
sind?), ; .
Praktische Gangversuche an Chronometern, die in. derartige oben offene
Gehäuse gesetzt wurden, ergaben trotzdem bei ziemlich hohen Feldstärken
(6 E.M.E.) ein unbeeinflußtes Gangresultat. Wenngleich also hier praktisch der
Beweis geführt ist, daß auch einseitig offene Schutzgehäuse wenigstens unter Um-
ständen einen ausreichenden Schutz gewähren, so bleibt doch obige Beweisführung
von der Unbrauchbarkeit dieser Art Gehäuse richtig. Jedenfalls bedingt ihre Ver-
wendung stets eine günstige, d.h. tiefe Lage der Eisenteile des Chronometers, und
selbst dann ist der nötige Sicherheitsgrad, der doch gefordert werden muß, nur
in geringem Maße vorhanden.
1) Sie entstehen, wenn. man etwa auf einen (weißen) Pappebogen Eisenfeilspäne streut und
so ins Feld bringt. Erschüttert man dann den Bogen, so ordnen sich die Späne nach Richtung der
Kraftlinien.
2) Hierzu gehören auch Gehäuse, die mit einem aufklappbaren Deckel versehen sind. Es genügt
selbstverständlich auch die kleinste Zeit, während welcher der Deckel geöffnet ist, um dem Werk Schaden
zuzufügen und den Gang des Chronometers zu beeinflussen.