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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

Kieinere Mitteilungen. 
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unmittelbar beherrschende Kaltwassertrift bestehen; auch sie wird von den Isoö- 
thermen deutlich angezeigt. Überraschend hoch stellen sich selbst für den Hoch- 
scmmer die Temperaturen an der Nordküste Islands mit Werten von 7> 7.6°; ja > 8°; 
allerdings treten hier sehr große Schwankungen je nach den Eisverhältnissen von 
Jahr zu Jahr auf, so ergaben z. B. in Grimsey die Augustmittel für 1881 7.3°, für 1882 
2.0°(!), für 1883 6.6°, für 1884 8.3° und 1885 7.2°. 
Ganz neu ist die Darstellung für die Westküste Grönlands von 60° N-Br. 
(Kap Farvel) bis 70° N-Br. (Disko-Bucht). In den Monaten Dezember bis März 
einschließlich liegen‘ die Wassertemperaturen überall unter 0°, verschieden große 
Strecken des offenen Meeres mit einbegreifend. Von Juni ab bis Oktober, beide 
Monate eingeschlossen, entwickelt sich nun unter der Südwestküste Grönlands, 
besonders vor dem Julianehaab-Distrikt zwischen Kap Farvel und 50° W-Lg:, 
ein höchst merkwürdiges Temperaturminimum, das auch’ unsere Fig. 2. deutlich 
erkennen läßt. Wärmegraden von weniger als 3° unter 60°, 61°, 62° N-Br. stehen solche 
von 5, 6, ja 7° so nördlich wie in der Disko-Bucht und ihrer weiteren Umgebung auf 
68°, 69°, 70° N-Br. gegenüber. Zunächst würde man aus der charakteristischen, 
schalenförmig eine bestimmte Küstenstrecke einschließenden Anordnung der Iso- 
thermen, wie sie Ryder gibt, für 2°, 3°, 4° im Juli, für 3° und 4° im August usw. 
schließen müssen, daß eine streng lokale und vielleicht durch vertikalen Auftrieb von 
Tiefenwasser bedingte Erscheinung vorliegt, und man würde zur Erklärung an die 
Tatsache denken, daß im Jahresdurchschnitt auch an dieser Küste — wie an der 
ostgrönländischen. — unter dem KEinflusse des isländischen Luftdruck-Minimums 
östliche, ablandige Winde recht häufig sind. Da aber”’gerade in den Sommermonaten 
Winde dieser Richtung zugunsten von SW-, W- und NW-Winden entschieden zurück- 
treten, wie u. a. "die Zusammenstellung von S. Fritz für Ivigtut zeigte,*) so wird 
diese Erklärung doch nicht Stich halten, und Ryder recht haben, wenn eı die sommer- 
liche Erniedrigung der Wasserwärme an der äußersten Südweststrecke Grönlands 
als eine unmittelbare Folge des Polareises betrachtet. In der Tat zeigen die zahl- 
reichen,  alljäbrlich vom Dänischen Amt herausgegebenen bekannten Eiskarten 
der Nordpolargegenden eine äußerst standhafte Eisblockade gerade dieser Gegend 
in den Sommermonaten bis einschließlich. August; die. südwestlichen Winde halten 
das um Kap Farvel herumkommende Eis des ostgrönländischen Stromes an der 
Küste fest und bedingen neben der niedrigen Wassertemperatur auch die viel be- 
klagten, z. B. von Engell geschilderten?) kalten Seenebel gerade an dieser Küste 
im Sommer, während weiter landeinwärts und weiter nordwärts sonnenklares warmes 
Wetter: herrscht. Wir haben hier also eine. ozeanographisch - klimatologische 
Sachlage, die derjenigen an der Südspitze Spitzbergens durchaus entspricht: auch 
dort schwenkt der eisführende Polarstrom um das Südkap herum nach Norden: 
Dann folgt aber hieraus meiner Ansicht nach die Notwendigkeit einer kleinen 
Korrektur der Isothermenführung in der Ryderschen Arbeit: es geht wohl nicht an, 
die Isothermen von: 2°, 3°, 4° der Julikarte, von 3°. 4°.der Augustkarte usw. vor 
oder eben nördlich von Kap Farvel an der Westküste endigen zu lassen, sie müssen 
um Kap Farvel herum zur Ostküste geführt werden, etwa wie in Fig, 2 oben S. 48 
angedeutet ist, zum Zeichen, daß das kalte Wasser — samt dem Eis -— von der Ost- 
küste herab und um Kap Farvel geführt ist., Da die Wassertemperaturen in den 
Eingradfeldern südlich von 60° N. bei Kap Farvel als ziemlich hohe sich ergaben 
und durch relativ viele Beobachtungen gesichert erscheinen, wird der Kaltwasser- 
streifen schmal sein und unmittelbar unter Land liegen, das. die Schiffahrt meidet, 
schon weil ja auch das Eis dort entlang zieht. — . 
Die neue dänische Veröffentlichung bringt auch zum ersten Male, soviel ich 
sehe, den Beweis für eine wirkliche Auftrieberscheinung mitten im Ozean unter 
höheren geographischen Breiten und über einer größeren Fläche; nämlich im Bereiche 
der Rockall-Bank. In den Monaten. August bis Dezember— Januar —. warum 
nicht auch in den übrigen Monaten, bleibt vorläufig ungeklärt‘ — zeigen die Iso- 
1) Dänisches Meteorolog, Jahrbuch für 1882, II. Teil, S. VII. Kopenhagen 1883; vgl. auch 
die Windkarten für den nördlichen Nordatlantischen Ozean und die Davis-Straße im Dän; Nautisch« 
Meteorol, Jahrbuch für 1899. Kopenhagen 1900, 
?) Meteorol, Zeitschrift 1903, ©. 274. 
Ayn. d. Hydr. usw, 1918. Heft I.
	        
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