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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

Wilke, W.: Der Kompaßkreis. 
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Deviationskontrolle. Der Kompaßkreis gestattet auch eine bequeme Kontrolle 
der Deviation. Zu diesem Zweck peilt man schnell hintereinander drei Punkte und 
stellt die Peilungen an der Kreisteilung ein. Dann wird der Schiffsort wie eine Doppel- 
winkelmessung, zunächst ohne Rücksicht auf die Orientierung des Instruments, 
abgesetzt. Hierbei entspricht der Schenkel mit der mittelsten Peilung dem festen 
Schenkel des Doppeltransporteurs. Liegen die Schenkel auf den gepeilten Punkten 
der Seekarte an, so markiere man den Schiffsort durch einen Bleistiftpunkt und 
durch. einen kleinen Strich auf der Karte die Lage des falschen Nordens. Dann 
wird das Instrument um den markierten Schiffsort gedreht, bis die roten Richtungs- 
linien parallel zum Kartenmeridian laufen. Ist dies erreicht, so ist der Betrag der 
Fehlweisung direkt an der Kreisteilung abzulesen; er ist gleich dem Bogenstück 
vom rw. Nordpunkt bis zu dem vorerwähnten kleinen Bleistiftstrich auf der Karte. 
Auf die Fehlweisung die Mißweisung nach der Seekarte in bekannter Weise an- 
gewandt, ergibt sofort die Deviation für den gesteuerten Kurs. 
Vorteile beim Gebrauch des Kompaßkreises. . 
1. Das unbequeme Verschieben der Dreiecke, diese jedem Navigateur be- 
kannte Fehlerquelle, fällt fort. Vergleiche hierzu auch den Aufsatz: „Der Übergang 
zum Rechtweisenden“ in der Marine-Rundschau 1905, 6. Heft, Seite 717/18 a bis c. 
Die dort erwähnten Vorteile bleiben voll bestehen, der unter c erwähnte Nachteil 
macht sich nicht mehr bemerkbar. . 
2. Die Möglichkeit der ständigen Überwachung der Peilungen in ihrer richtigen 
Lage zum Meridian gibt dem Absetzenden eine unbedingte Sicherheit. Die so 
unbeliebte Selbstkontrolle, durch Zurückschieben des Dreiecks auf den Ausgangs- 
meridian fällt mithin fort. . 
3, . Nach ganz kurzer Übung erlangt der Absetzende eine größere Schnelligkeit 
im Bestimmen von Schiffsort. und Kurs, als bei Verwendung von Parallellineal 
oder Dreiecken. ; . 
4. Die Seekarten werden. mehr geschont, weil das Ausziehen der Peilungs- 
linien zum größten Teil wegfallen kann. 
5. Die praktische Verbindung von Kompaß und Doppeltransporteur: von 
jedem, auch durch Doppelwinkelmessung bestimmten Schiffsort kann der neue 
Kurs nach Orientierung des Instruments sofort abgelesen: werden. 
6. Die Übersicht über das Kartenbild bleibt besser gewahrt, mit Ausnahme des 
kleinen Ringes um den Mittelpunkt des Instruments liegt das ganze Kartenbild klar vor 
dem Auge des Absetzenden. Diese Vorteile sind so sinnfällig, daß sich das Instrument 
leicht in die praktische Navigation einführen und dort gute Dienste leisten wird. 
Einzelheiten. Als Material für die Anfertigung des Kompaßkreises ist 1 mm 
starkes, vollkommen durchsichtiges, wasserhelles Zellon gewählt worden. Zellon 
ist ein Kunstprodukt aus Zellulose, Zellstoff und Essigsäure und wird von der 
Rheinisch-Westfälischen Sprengstoff-Akt.-Ges. in Köln angefertigt. Es ist voll- 
kommen wasserbeständig und nicht explosiv oder feuergefährlich. Ebenso wie 
Zelluloid ist aber auch das Zellon nicht maßhaltig, d.h. es verändert sich mit der 
Zeit in seinen Ausdehnungen um einen geringen Betrag. Aus diesem Grunde und 
wegen der wachsenden. Größe der Breitenminuten in den Seekarten ist davon ab- 
gesehen. worden, auf den‘ Schenkeln. des Kompaßkreises Maßstäbe zum direkten 
Ablesen der Entfernungen anzubringen. Das Material neigt ferner zu leichten Ver- 
biegungen. Ist es längere Zeit dem Licht oder dem Einfluß direkter Sonnenbestrahlung 
ausgesetzt, so machen sich Durchbiegungen bemerkbar, die, wie sich vielfach beim 
Gebrauch der Zelluloiddreiecke gezeigt hat, störenden Einfluß beim Absetzen hervor- 
rufen können. Je stärker die Masse ist, um so unangenehmer sind diese Verbiegungen, 
haben sie eine starre Form angenommen, so sind sie kaum noch zu beseitigen. Zur 
Herstellung des Kompaßkreises ist daher absichtlich nur 1 mm starkes Zellon gewählt 
worden. Das Instrument biegt sich, frei in der Hand gehalten, infolge seines Eigen- 
gewichtes leicht nach unten durch, auf die Karte.gelegt, schmiegt es sich aber sofort 
der Tisch- bzw. Kartenebene an. Sollten doch geringe Verbiegungen. eintreten, 
so genügt ein leichtes Durchbiegen‘ nach der entgegengesetzten Richtung, um ‚sie 
sofort wieder zu beseitigen. Um zu zeigen, daß der Kompaßkreis auch gegenüber
	        
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