accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

Bücking: Die Hörbarkeit des Kanonendonners, insbesondere die Fälle mit großer Reichweite. 39 
halb bei Meldungen über gehörten K.D. bei Gegenwind von den Beobachtern immer 
wieder darauf hingewiesen!). Die physikalische. Ursache des Nichthörens ist eine 
Ablenkung des Schalls in die Höhe, wo.der Schall nur in Ausnahmefällen gehört 
werden kann. Diese ungünstige Ablenkung kann aber nach dem oben, Gesagten 
in die entgegengesetzte verwandelt werden durch eine genügend starke Inversion 
oder einen in der Richtung des Schalls wehenden Oberwind, am günstigsten durch 
die Einwirkung beider. 
Mit der Annahme von übereinander lagernden, entgegengesetzten Luft- 
strömungen bei Schallübertragung betreten wir ein Gebiet, das die verwickeltsten 
Verhältnisse, aber auch die anziehendsten Ergebnisse, nämlich die längsten Hör- 
weiten und die größte Zahl von abnormen Fällen aufweist. Die meteorologischen 
Bedingungen dafür können verschieden sein. Es gibt Wetterlagen, die fast mit 
Notwendigkeit dazu führen, z.B. zwei nebeneinander liegende Hochs, in deren 
Zwischenraum entgegengesetzte. Winde wehen, die sich leicht übereinander lagern. 
Dies war zufälligerweise der Fall bei der ersten großen Schlacht dieses Krieges, die 
am 20. und 21. August 1914 zwischen Metz und Saarburg geschlagen wurde. Denn 
zwei Hochs befanden sich im NW und SO von Mitteleuropa; dazwischen eine Rinne 
tiefen Drucks, in der SW- und NO-Winde wehten. Der K. D. wurde bis nach Nau- 
heim und Laubach i. H. getragen auf eine Entfernung von 250 km, offenbar von 
einem über dem NO wehenden SW?). Setzen wir an die Stelle des Hochs zwei Tiefs, 
so ändert sich für die Windlage nichts, nur dürfte bei der Beweglichkeit dieser Luft- 
wirbel die für die Schallübertragung günstige Zeit sich wesentlich verkürzen. Über- 
einanderwehende Winde können‘ ferner bei jedem Windwechsel auftreten. Die 
Wetterunbeständigkeit in unserem Lande gibt hierzu sehr oft Veranlassung. Es 
gibt Zeiten, in denen das Spiel der Winde durch hintereinander ziehende Tiefs außer- 
ordentlich mannigfaltig ist; wenn dann im übrigen günstige Bedingungen für. die 
Schallübertragung vorhanden sind, so kann der Schall leicht auf große Entfernungen 
dringen. So kommt es, daß beim Vergleich eines monatlichen Wetterberichts mit 
einem gleichzeitigen Schallbericht manchmal vollständige Übereinstimmung in den 
Daten sich zeigt. Ich nehme als Beispiel den Dezember 1915 und als sehr weit ent- 
fernten Beobachtungsort Nauheim. Hier wurde nach den hessischen Meldungen 
(Hydrographische Station in Darmstadt) der K. D. am 13., 15., 17. und 22. gehört; 
man stelle daneben den im ‚Wetter‘ von der Drachenstation am Bodensee ver- 
öffentlichten?) Bericht: „Bis zum 12. wehte der Wind aus dem Südwestquadranten, 
drehte in den beiden nächsten Tagen nach Norden und Nordosten und am 15. wieder 
nach Südwesten. Am 17. erfolgt eine Rückdrehung nach SSW, zwei Tage später 
nach Ost; vom 21. ab herrscht wieder. W und SW“... Es fragt sich, ob es für die 
akustischen Erscheinungen einen Unterschied macht, ob der Ost- den Westwind 
verdrängt oder umgekehrt; bei einer dahin zielenden Untersuchung habe ich auf 
Grund der mir zur Verfügung stehenden Beobachtungen keinen Unterschied finden 
können. Die oben erwähnte sehr große Reichweite von Verdun bis Westfalen findet 
ihre Erklärung darin, daß im Gegensatz zu Metz der Bodenwind auf der Beob- 
achtungsstrecke auch am 25. noch aus Ost wehte, in der Höhe aber der den Schall 
weithin tragende SW. Zum Beweise dafür, daß in diesen Tagen entgegengesetzte 
Winde über Mitteleuropa geweht haben, führe ich an (Bo) am 24. September ONO 1, 
WSW 2, WSW 4 in 1500, 2500 und 3500 m Höhe: (Li) und (Ta) zeigen wechselnde 
Winde, z. B. (Ta) am 25. September um 7a, 2p und 9p SO 3, SO 3 und. NW 3%). 
Es ist nun meine Aufgabe, den Zusammenhang zwischen vorzüglicher Schall- 
übertragung und dem durch Pilot- und Ballon-(Drachen-)aufstiege nachweisbaren 
günstigen Oberwind an weiteren Beispielen aufzuzeigen. ”Zu den Tagen, für welche 
dieser Nachweis lückenlos geführt werden kann, gehört der 6. Juli 1915, ausgezeichnet 
1) Die Tatsache des Hörens gegen den Wind ist schon längst bekannt, siehe z. B, Fujiwahra, 
meteor. Ztschr, 1914, 356. ; . ; 
?) In Frankfurt wehte am 20. NO und SO, am 21, morgens O, abends SW. Siehe hierzu 
Artikel über die Reichweite des Kanonendonners in Frankf, Zig. 1917. 2301. 
% Siehe »Das Wetter« 1916, 17. 
*) Diese Tage behandelt auch Krebs, aber in einer besonderen Weise, in Artill. Monatshefte 
1916, 39 ff. Zu dem dort gegebenen Bericht des Kriegsberichterstatters Pietsch vergleiche den von 
Wegener in »Daheim«, Jahre. 52. Nr. 23, offenbar über dieselben Erscheinungen, 
meinen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.