accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

38

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1918.

bei stetig wehendem starken Winde und bei sehr heftigem Ceschützkampfe kaum
über St. Ruffin hinausging, jedenfalls die Saarlinie (85 km) nicht erreichte. Ich schließe
daraus, daß die Reichweite des K. D. durch den Wind allein bis auf höchstens 80 km
vergrößert werden kann — immerhin eine im Vergleich mit der für Gewitterdonner
beobachteten noch sehr stattliche Entfernung. Wenn der günstize Wind fehlt,
wird die Reichweite des Schalls kürzer sein. besonders wenn die Schallquelle niedrig
steht, wie wir es für Geschütze fast stets voraussetzen können. Es spricht hier ein
anderer für die Schallübertragung wichtiger Umstand mit, daß nämlich ein wagerechter
 Schallstrahl bei normalem Temperaturgefälle in der Höhe nach oben abgelenkt
 wird und so meist für die Beobachtung verloren geht!). Wenn aber die Temperatur
 im Ausnahmefall nach oben zunimmt, werden die Strahlen nach unten
gebeugt und können wieder zur Erde zurückgelangen, je nach den Umständen in
kürzerer oder größerer Entfernung. In dieser Temperaturumkehr oder Inversion?)
haben wir also eine neue, und zwar sehr mächtige Ursache für große Reichweite
des Schalls vor uns. Wirken Wind und Inversion zusammen, so erhalten wir bereits
Reichweiten von über 200 km. Als Beispiel wähle ich den 27. September 1915.
In Metz herrschte SW, ebenso am Rhein und im Taunus (Ta). (Bo) meldet Winde
aus West in allen Höhen (1500, 2500, 3500 m) mit bemerkenswerten Geschwindigkeiten,
 nänlich 26. September WSW 14 SW 14 WSW 12 .
27. September WSW 18 SSW 3 SW 25.
Wir können also annehmen, daß eine allgemeine Luftströmung aus SW über
unserer Beobachtungsstrecke vorlag. Die Temperaturverhältnisse der höheren Luftschichten
 waren in-diesen Tagen ganz ungewöhnliche. Vom 22. September ab trat
eine mächtige Erwärmung der Atmosphäre ein, so daß die 10° Isotherme vom Boden
bis 1800 m (Li) und 2300 m (Bo) emporstieg. Zwischen dem 24. und 26. wurden
starke Inversionen übereinstimmend in (Li), (Bo) und (Ta) beobachtet, z. B. am (Bo)
am Boden 12°, in 1000 m Höhe 18°. Wir können diese Temperaturumkehr auch für
unsere Gegend voraussetzen. Sie ist, zusammen mit günstigem und starkem Winde,
die Ursache für die große, in diesen Tagen beobachtete Reichweite gewesen. Der
K. D. wurde nämlich bis zum Rhein getragen, z. B. in Worms „sehr stark‘“ gehört,
ebenso in Lampertheim „ein fürchterliches Artilleriefeuer‘, Am 26. meldeten alle
lothr. meteor. Stationen K. D., was eine Ausnahme ist; der Schall bedeckte, so zu
sagen, das ganze Land. Auch an den Tagen vor- und nachher besaß die Luft eine
ausgezeichnete akustische Durchlässigkeit, wie die Meldungen aus der Saargegend,
von Bingen a: Rh., Schinsheim in Rheinhessen, von Darmstadt und Heidelberg
zeigen. Bei den meisten war die Schallstärke außergewöhnlich groß, z. B. meldete
Darmstadt „unaufhaltsames Trommelfeuer mit einzelnen starken Schlägen“,
Schinsheim „starken K. D. den ganzen Tag‘. Wir haben hier einen Fall ausgezeichneter
 Schallübertragung während mehrerer Tage auf sehr bedeutende Strecke
vor uns. Der dafür günstige Zustand der Luft begann etwa am 21. September,
wo Oberstein?) (Hundsrück) zum ersten Male. wieder gehörten K.D. vernahm,
während die Saargegend (Entf. 90 km) bereits vom 17. ab solchen melden konnte.
Vorher aber war eine längere Zeit, in der es dem Schall kaum oder überhaupt nicht
gelang, so weit durchzudringen, da er auch in Metz-.kaum gehört wurde (sommerliche
Undurchlässigkeit). Für die vom 17. September ab herrschenden Winde ist die wichtige
Tatsache nachzutragen, daß in Metz vom 18. bis 23, NO wehte und dann erst der obenerwähnte
 SW einsetzte. Trotzdem wurde der Schall auch an diesen Tagen außerordentlich
 weit hörbar, auf eine größere Entfernung als am 26. und 27. September, nämlich
in Recklinghausen in Westfalen (300 bis 320 km von Verdun) als „ein fortwährendes
Rollen wie von schweren Lastwagen‘“ den ganzen Nachmittag des 25. September*).
Jedermann weiß aber, daß der Schall durch Gegenwind geschwächt oder ganz aufgehoben
 wird, manchmal auf überraschend kurze Entfernung. Mit Erstaunen wird des-1)

 Siehe Nölke, Fortpflanzungseigentümlichkeiten des Schalls. Phys. Ztschr. 1916, 31.
2) Siehe hierzu die bekannten Aufsätze von Mohn in Ann. d. Hydr. a. d. Jahren 1892 ff.,
für den K, D. in diesem Kriege van Everdingen, Kon. Acad. van Wetenchappen te Amsterdam,
Proceedings Vol. Nr. 6.
3) Siehe Brand a. a. 0. S. 59; Entf. 150 km.
4} Siche «Das Wetter» 1915, 258,
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.