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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1918.
der Richtung gegen den Uhrzeiger. Das System Atmosphäre-Hydrosphäre können
wir demnach mit einem System von zwei Rädern vergleichen, die einander be-
rühren und im entgegengesetzten Sinne rotieren. Das obere Rad wird von einer
Maschine getrieben, und das untere wird von der Reibung an der Berührungsfläche
der Räder in Gang gehalten.“
„Wenn wir die Solarkonstante gleich 2 g cal/cm? min. setzen, finden wir,
daß das hier betrachtete Gebiet an der Grenze der Atmosphäre im Mittel eine
Energiemenge von etwa 12 000 Milliarden Kilojoule in der Sekunde zugestrahlt
erhält. Von dieser Energiemenge werden etwa 0.65 °/, zur Erhaltung des Bewegungs-
zustandes der Atmosphäre und des Ozeans verbraucht, und außerdem wird ein
Teil den höheren Breiten zugeführt, während der größte Teil wieder in den Welt-
raum hinausstrahlt.““ W. Köppen.
Die Hörbarkeit des Kanonendonners, insbesondere die Fälle mit großer
Reichweite,
Von Prof, Dr. Bücking,
Zwei Tatsachen sind es, die während des Krieges beim Studium der Aus-
breitung des Kanonendenners (K. D.) die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf sich
gezogen haben, erstens die Größe (Weite) der Hörbarkeit, d. h. die wagerechte Ent-
fernung, auf die der K. D. noch gehört wird, zweitens die abnormen Fälle der Hör-
barkeit, d. h. die eigentümlich abgegrenzten Gebiete (Zonen), in denen jener noch
hörbar ist oder nicht gehört wird (Zone des Schweigens). Hier soll das erste Thema,
und auch dies nur in beschränktem Umfang, nämlich für die großen Reichweiten,
behandelt werden. Ich stütze mich dabei auf 2'/,jährige Beobachtungen, die ich in
St. Ruffin, 6 km südwestlich‘ von Metz gelegen, gemacht habe, ferner auf solche
von Hilfsbeobachtern in dem Gebiete zwischen Mosel und Rhein, auf die von der
meteorologischen Landesanstalt in Straßburg im Sommer 1915 und vom Hydro-
graphischen Bureau in Darmstadt 1916 und 1917 gesammelten Meldungen über
gehörten K.D.; anderer Beobachtungsstoff stammt aus den Zeitungen und der
Literatur. Ferner habe ich mich bedient der Beobachtungen der Drachenstation am
Bodensee (Bo), des aeronautischen Instituts in Lindenberg bei Berlin (Li) und des
Taunusobservatöriums (Ta) wegen ihrer Angaben der Temperatur und Winde der
höheren Luftschichten.
Die erste und selbstverständliche Voraussetzung für eine große Reichweite
des Schalls ist akustische Durchlässigkeit der Luft, die durch Gleichmäßigkeit
(Homogenität) der Temperatur und Feuchtigkeit in den vom Schall durchlaufenen
Luftschichten gewährleistet wird. Inhomogene Luft, wie sie z. B. vor einem Ge-
witter durch aufsteigende, warme Luftströme erzeugt wird, ist die Ursache dafür,
daß der Schall nur auf verhältnismäßig kurze Entfernungen gehört wird!). Muß
ein Schallstrahl Luftschichten verschiedener Dichte durchlaufen, so tritt an den
Grenzflächen Brechung und Reflexien ein und er wird allmählich geschwächt oder
ganz. ausgelöscht. Tyndall hat in seinen groß angelegten Untersuchungen über
„die akustische Durchlässigkeit der Atmosphäre in Beziehung zur Frage der Nebel-
signale‘“*) gefunden, daß ein sehr starker Schall in geringer Entfernung (2 km) von
der Schallquelle manchmal nicht gehört werden konnte, und wies in berühmt ge-
wordenen Experimenten nach, daß ein Ton durch abgegrenzte warme Luftschichten
zurückgeworfen wird und für ein hinter diesen Schichten befindliches Ohr verloren
geht. H. Arnold?) weist darauf hin, daß in dem Gesagten eine vollständig aus-
reichende Erklärung für den Unterschied der im Kriege gemachten Beobachtungen
1) Meinardus, Meteorol, Ztschr. 1895, Über das Wetterleuchten. M. gibt als höchste Reich-
weite des K. D, 12 km an. N
2) J. Tyndall, Der Schall. Deutsche Übersetz., 3. Aufl. 1597, 332, Die Versuche wurden
1873 bei Dover von den Felsen nach dem Meere hin mit den stärksten Schallerzeugern angestellt,
3) Siehe Frankf. Zte. 21, X. 1916. Nochmals Geschützdonner und Jahreszeit.