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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

238 Ozeanographie und Klimatologie des Persischen Geolfes und des Golfes von Oman, 
Zugstraßen der Minima des östlichen Mittelmeeres erhalten. Diese Depressionen 
bringen, soweit sie aus dem Mittelmeerbecken „ausbrechen‘ und ostwärts weiter 
wandern, die zwar spärlichen, aber doch ungeheuer wichtigen Niederschläge des 
Winters und frühen Frühjahrs über Palästina, Mesopotamien, Nordarabien und den 
Persischen Golf!). Vom November bis in den April hinein lassen sich solche Fälle 
trotz des überaus lückenhaften Beobachtungsnetzes schon heute nachweisen; zu den 
von Krugler?) aufgeführten Beispielen können aus neuerer Zeit noch folgende 
Daten kommen: 9. April 1909; 4, März 1910; 26. bis 28. März 1911; 16. bis 18. April 
1911; 26. bis 28. April 1912. An solchen Tagen liegt auf dem Festlande — dem sonst 
hoher Druck eigen ist — halbwegs zwischen Mittelmeer und Persischem Golf eine 
Zone niedrigen Druckes, deren Herkunft von Westen und deren Weiterwandern 
nach Osten nachweisbar wird. Unsere drei Figuren 5, 6 und 7 geben ein Beispiel 
davon; Fig. 8 als Gegenstück gilt der Wetterlage eines bestimmten Monats mit ge- 
schlossenem Maximum über der gleichen Gegend, Nebenbei bemerkt, würde es äußerst 
wichtig sein, zur besseren Erkenntnis dieser Vorgänge bald ein einigermaßen aus- 
gebautes türkisches Beobachtungsnetz in diesen Gebieten zu haben; knüpfen doch 
diese Vorgänge, worauf schon W. Eckardt®°) hingewiesen hat, das Band zwischen 
der Witterung Südosteuropas und der Vorderindiens. Hoffentlich haben die neueren 
Bestrebungen der osmanischen Zentralanstalt vollen Erfolg. . 
Findet das Aufspalten der Zone hohen Druckes durch Tiefdruckkerne im Laufe 
des Winters öfters statt, so kommt eine gute Regenzeit in Mesopotamien zustande, 
und die Winde aus dem südlichen Halbkreis über dem Persischen Golf sind häufig. 
Mit einem sehr feuchten, schwülen, außerordentlich lästigen und an den Scirocco 
erinnernden heftigen SO-Wind pflegt im Schatt el Arab-Gebiet das Nahen der 
Depression sich bemerkbar zu machen; meist unter Blitz und Donner leiten sich die 
heftig herunterstürzenden Regengüsse ein, der Wind dreht nach Süd, auch SW, 
um dann plötzlich mit aufklarendem Himmel wieder dem üblichen NW-Wind Platz 
zu machen. Wandern aber nur wenige Depressionen über die syrisch-palästinische 
Landbrücke, so erreicht in solchen Wintern der so wie so schon vorherrschende 
antizyklonale NW ein besonders starkes Übergewicht, und verhängnisvolle Dürre 
ist die Folge. Übrigens zieht auch während anders gerichteter Winde in der Höhe 
die Luft immer aus NW; schon Kapt. Wolkowitz, einer der ersten deutschen 
Beobachter im Golfe, schreibt hierüber‘): „Bei den allerverschiedensten Wind- 
richtungen und Zugrichtungen in den unteren Luftschichten ziehen die oberen 
Wolken fast immer aus einer Richtung zwischen Nord und West. Diese Tatsache 
ist so augenfällig, daß ich dieselbe schon in den ersten Monaten meines Aufenthaltes 
im Persischen Golfe bemerkte und während des ganzen Jahres bestätigt fand.“ 
VI. Vergleich mit dem Roten Meere. 
Das Rote Meer stellt gleich dem Persischen Golf einen NW—SO gerichteten 
Ausläufer des Indischen Ozeans dar, und es besitzt, wie der Persische Golf im Golf 
von Oman, einen schlauchartig gestalteten Vorhof im Golf von Aden. Leicht erkenn- 
bare Lagenunterschiede hat man erstens in der durchschnittlich niedrigeren geo- 
graphischen Breite des Roten Meeres und des Golfes von Aden, sowie zweitens darin 
zu erblicken, daß das Rote Meer schon durch seine Erstreckung bis fast an das Mittel- 
meer und auch infolge seiner westlicheren geographischen Länge viel weniger den 
kontinentalen Einflüssen Vorderasiens unterworfen ist als der Persische Golf, der 
so eng an. Vorder-, ja Mittelasien angeschlossen ist. Man wird daher von vorn herein 
annehmen dürfen, daß, ceteris paribus, der Persische Golf kälter ist als das Rote 
Meer, und daß der Persische Golf dem Festlandsklima entsprechende stärkere Jahres- 
schwankungen insbesondere der Temperaturen aufweist als das Rote Meer. Beides 
trifft in der Tat zu. 
1) S. oben 8. 20. 
2) A. a. O. S. 57. 
3) Luftdruckverteilung u. Regenfall in Asien. S. Ann. d. Hydr. usw.. 1916, S. 554. 
4) Ann. d. Hydr. usw... 1887. 8. 432.
	        
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