V, Klimatologie,
FF
G
d. Luftdruck und Wind in Vorderasien und Arabien.
Einen vertieften Einblick in die Gesamtheit der Luftströmungen und Luft-
druckverhältnisse über den zwei Meeresgebieten gewinnen wir erst, wenn wir räumlich
über die beiden Golfe hinaus weiter greifen und die Sachlage in ganz Vorderasien
einschließlich des östlichsten Mittelmeeres, in Arabien und über dem Arabischen
Meere zu überschauen unternehmen; hierzu sollen zunächst die zwei Textfiguren
S. 26 dienen, die in der ganzen Westhälfte nach Kruglers trefflicher Arbeit?!), in
der Osthälfte nach dem neuen Material der Deutschen Seewarte mit Ergänzungen
aus russischen und indischen Quellen gezeichnet worden sind. Dabei beginnen wir
mit den einfacheren Verhältnissen des Hochsommers.
Im August (Fig. 3) besteht auf der gewaltigen, rund 8000 km langen Strecke
von den Azoren bis zum Persischen Golf ein gleichmäßiges Luftdruckgefälle,
das mit 767.5 mm (reduz. auf 45° Br. 0m und 0° C) im Azoren-Maximum beginnt
und mit 750 und 749 mm auf dem Persischen Golfe endet. Über all den zwischen
rund 40° und 25° N-Br. liegenden Ländern und Meeren, insbesondere den Rand-
ländern des Mittelmeeres, herrschen in dieser Jahreszeit nordöstliche, nördliche
und nordwestliche Winde derart entschieden vor, daß schon die Alten diesen Winden
im östlichen Mittelmeer die besondere Bezeichnung „Etesien‘“ verliehen, die auch
wir hier mit Krugler weiter benutzen. Ihre hervorstechenden Eigenschaften sind:
große Stetigkeit, örtlich auch große Stärke, vollkommene Freiheit von Nieder-
schlägen. Sie sind passatartig trocken; aber der Ausdruck ‚‚Passat‘“ (man hat früher
vielfach von einem im Hochsommer bis in das Mittelmeer verlängerten NO-Passat
gesprochen) empfiehlt sich nicht, wenigstens nicht für die Nordwinde der griechisch-
syrisch-arabischen Länder und Meere, weil ihr Zielpunkt‘ nicht das äquatoriale
Luftdruckminimum wie bei dem Passat, sondern das noch nördlich vom Wende-
kreis gelegene Luftdruckminimum des Persischen Golfes ist. Da, wo
eine Luftströmung von höheren Breiten nach niedrigeren Breiten in gleichmäßigem
Gefäll gerichtet ist, fehlen, so lange die Luft nicht an Gebirgen zum Aufsteigen ge-
zwungen wird, stets Regen?), und. es ist dabei ganz gleich, ob der Luftdruck, absolut
genommen, hohe oder ob er sehr niedrige Werte wie in unserem Falle in der Um-
randung des Persischen Golfes aufweist. So erklärt sich die oben S. 19 geschilderte
lange Trockenzeit am Persischen Golfe bei einem außerordentlich niedrigen Baro-
meterstand. Für ganz Syrien, Palästina, Mesopotamien, Nordarabien und Süd-
persien besteht in dieser Jahreshälfte ein verschärfter Typus des bekannten sommer-
trockenen „Mittelmeerklimas‘“‘. ,
Meteorologisch gesprochen, reichen also die Etesien bis zur Straße von Hormus;
der Schemal des Arabers auf dem Golf ist ganz dasselbe wie die Etesien des Mittel-
meeres. Auch über der nördlichen Hälfte des Roten Meeres bestehen die Etesien
bis etwa 20 und 21° N-Br., wo ein Druckminimum von 752.2 mm zur Beobachtung
kommt.
Östlich von der großen Windscheide Hormus— Oman treffen wir auf östliche,
insbesondere südöstliche Winde: sie ziehen zwar auch zum gleichen südpersischen
Minimum, an dessen Vorderseite sich entwickelnd, sind aber, wie unsere Karte
unverkennbar ergibt, die letzten dem Meeresgolfe folgenden, aus SW um Ras el Hadd
abgelenkten Ausläufer des indischen SW-Monsuns. Sie bringen, zum Aufsteigen
am Oman-Gebirge gezwungen, einige allerdings recht kümmerliche Niederschläge,
grundsätzlich genau so, wie der vorderindische SW an der Malabarküste die große
Regenzeit heraufführt.
Im Februar (Fig. 4) treffen wir auf grundverschiedene meteorologische
Bedingungen. Jetzt lagert hoher Druck über allem Festland nördlich des Wende-
kreises, niedriger Druck über fast allen Meeresgebieten, wie es im Winter überall
der Fall zu sein pflegt. Die von Woeikof zuerst erkannte große „‚Wetterachse
des asiatisch-europäischen Kontinentes‘“ mit hohem Druck entsendet breite Aus-
läufer auch zur Landbrücke Afrika—Indien, d. h. nach Mesopotamien, Arabien und
Nordafrika; nach Abessinien und nach dem äquatorialen Indischen‘ Ozean hin
!') S. Fußnote 5 8. 5.
zz) Vol. Hann, Klimatologie, III. Band, S. 23, 24.