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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

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Ozeanographie und Klimatologie des Persischen Golfes und des Golfes von Oman. 
c. Windstärke und Stürme, 
In den zwölf Windtabellen der einzelnen Monate wurde die Häufigkeit der 
verschiedenen Windrichtungen noch nach drei Windstärkegruppen gegliedert, 
Beaufort-Skala 1 bis 3, 4 bis 6 und 7 bis 10. Das hat besonders für Schiffahrts- 
zwecke Bedeutung. In klimatischer Hinsicht kommt aber auch die durchschnitt- 
liche Stärke aller Winde, ohne Rücksicht auf ihre Richtung, sehr in Betracht. 
Geht man so vor und berücksichtigt nur die Schiffsbeobachtungen, so ergibt sich 
Tabelle 20 (S. 46). Hiernach ist die mittlere Windstärke im allgemeinen mäßig; 
in den Monaten Mai, August und September kommen Werte von weniger als 2 
vor. Die Wintermonate Dezember bis Februar bringen Mittelwerte von über 3, 
ja 4, so in der Gegend von Bahrein und gegenüber an der persischen Küste, also 
im freiesten, mittleren Teile des Golfes. Die Winterwinde sind, obschon sie in 
Richtung veränderlich sind, deutlich die stärkeren, was mit ihrem zyklonalen 
Charakter zusammenhängt. Der „große‘“ Schemal des Juni und Juli hebt sich 
im Persischen Golf überall durch eine deutliche Zunahme der Windstärke heraus; 
auch er erreicht nicht selten stürmische Stärke, und man sagt in seemännischen 
Kreisen, daß auf dem Golf entweder zuviel oder zu wenig Wind sei. 
Stürme im eigentlichen Sinne des Wortes sind in den hier behandelten Meeres- 
gebieten nicht bekannt; die Wirbelstürme des Arabischen Meeres!) erreichen die 
Mekran- und Oman-Küste im allgemeinen nicht, während sie, allerdings sehr selten, 
in den Golf von Aden hineingelangen. Im Golf von Oman fühlt man manchmal 
ihre Fernwirkung durch hohe Dünung an der Küste und Fallen des Barometers. 
Zwei die Regel bestätigende Ausnahmen gibt es aber, wie ja stets, doch, eine 
aus neuer Zeit und eine aus den Anfängen der Geschichtschreibung. Am 5. Juni 1890 
erlebte das britische Kriegsschiff „„Mariner‘‘ in Maskat einen Orkan von 24stündiger 
Dauer, mit unaufhörlichem Regen (im ganzen 292 mm). Das Barometer fiel bis auf 
744.2 (unreduz.), der Sturm begann aus NO und drehte durch N und W, um mit 
SO zu enden?). Der Jahreszeit nach und der Winddrehung nach muß damals in 
der Tat eine typische Zyklone mit WNW-Kurs vom nördlichen Arabischen Meere 
aus die Oman-Küste erreicht haben; man vergleiche die im deutschen Segelhandbuch 
des Indischen Ozeans?) für einen Orkan des 29. Mai 1881 gegebene synoptische 
Darstellung, und man findet genau die gleichen Vorgänge, nur etwas südlicher, 
indem dieser Orkan südlich von Ras el Hadd unter 20° N-Br. an das arabische Fest- 
land gelangte. 
Der andere, Jahrtausende zurückliegende Fall eines Orkans ist uns in der 
Sintflut-Erzählung der Bibel, aber auch in ganz entsprechenden noch älteren 
Berichten überliefert. Da das große Ereignis, wie Genthe*) darlegt, bei allen von der 
semitischen Kultur Mesopotamiens abhängig gewordenen Völkern Vorderasiens 
zwar in sagenhafter Einkleidung, aber in den wesentlichen Geschehnissen ganz 
übereinstimmend geschildert wird, kann ein Zweifel an der Tatsächlichkeit des Vor- 
ganges nicht bestehen. Berühmt ist ja die Analyse durch Ed. Sueß*) geworden. 
Es muß hiernach einmal, nachdem schwere Erdbeben vorangegangen waren, 
eine Zyklone des nordarabischen Meeres den Weg durch die Straße von Hormus 
hindurch bis zum Schatt el Arab gefunden haben und in der zweiten Hälfte des 
Sturmes, mit dem Umspringen des Orkans nach SO, die vernichtende Flut des 
Persischen Golfes unter gleichzeitigem Aufstauen des Euphrat-Tigris über die 
Niederungen Mesopotamiens geführt worden sein. Die Küstenlinie des Golfes hat 
damals erheblich nördlicher gelegen als heute. Solche Sturmfluten mit ähnlichen 
Wirkungen, besonders hinsichtlich der Menschenverluste, werden in der nördlichen 
Bucht von Bengalen, vor dem Hugli-, Ganges-Brahmaputra-Delta bis in neueste 
Zeiten hinein häufig genug erlebt. Der erwähnte Orkan in Maskat und der Sintflut- 
Orkan lehren, daß auch für den Persischen Golf und Niedermesopotamien eine Wieder- 
kehr solchen Ereignisses nicht zu den Unmöglichkeiten gehört. 
‘) Vgl. hierzu D. Seewarte, Segelhandbuch für den Indischen Ozean, Hamburg 1892, S. 241 ff. 
+ Persian Gulf Pilot, London 1908, S. 9. 
) S. 243. 
) A. a O0. S. 46 ff, 
53 Antlitz der Erde, I. Band, S. 77. 91.
	        
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