292 Ozeanographie und Klimatologie des Persischen Golfes und des Golfes von Oman.
Indischen Ozean, so daß östlich von Hormus an der Omanküste der NW wieder
parallel zum Küstenverlauf einsetzt. Allerdings treten gerade auch hier, besonders
unter der Mekran-Küste, östliche Winde nicht selten auf; es sind die Vorläufer des
sommerlichen SO-Monsuns, der sein Ziel in der Depression über Innerpersien hat.
Dem absoluten Betrage nach hat der Luftdruck über dem ganzen Gebiet
seit Februar schon um durchschnittlich 9 bis 10 mm abgenommen. Diese Druck-
verminderung hält bis Juli an, wo der für die geographischen Breiten von 25 bis 30°
ganz ungewöhnlich niedrige Barometerstand von rund 749 mm über dem östlichen
Randgebiet des Persischen Golfes (in Buschehr sogar nur 747,8) sein Jahresminimum
erreicht. Hier liegt der Kern der gewaltigen vorderasiatischen Zyklone des Sommers,
von der in räumlich weiter gesteckten Grenzen nachher noch zu sprechen sein wird.
Der August unterscheidet sich vom Juli in der Druckverteilung so gut wie
nicht; unsere Taf. 5 zeigt, daß in der Mitte des Sommers der nordwestliche Wind
des nördlichen und mittleren Persischen Golfes noch mehr als im Mai nach Westen
spielt; beispielsweise entfallen im Meeresgebiet um Bahrein nach den deutschen
Schiffsbeobachtungen?!) auf
Monat
NW-Wind
W-Wind
im Mai... 35° 5°
„ August, . | 13 /s | 29 /
Diesen westlichen Winden im westlichen Teile des Golfes stehen im öst-
lichsten Teile des Golfes, im Hormus-Feld, infolge der nun geschlossenen Depression
mit 749.5 mm und entsprechend dem Laufe der Meeresstraße südöstliche und nord-
östliche (!) Winde gegenüber, die das Hereindringen des abgelenkten vorderindischen
SW-Monsuns in seinen letzten Ausläufern kennzeichnen. Jetzt hat die O-, SO-,
S-Richtung an der Mekran-Küste (Djaschk) mit 50°, insgesamt, an der Maskat-
Küste mit 49° die Vorherrschaft, und jetzt besteht somit ein schon äußerlich
sofort erkennbarer grundsätzlicher Unterschied in der Luftbewegung des Golfes von
Oman zu der des Persischen Golfes.
Der November entspricht wieder fast ganz dem winterlichen Bilde des
Februar; Der Luftdruck steigt vom Juli oder August ab stark zum Oktober (759 bis
760) und weiter; so treffen wir im November auf Durchschnittswerte von 762 bis
763 mm. Über See liegt relativ etwas niedrigerer Druck. Das „Linga‘“-Tief, das wir
schon im Februar angedeutet fanden, kann jetzt ziemlich sicher im Osten durch
einen schmalen Sattel höheren Druckes von Djaschk herüber nach Musendim ab-
gegrenzt werden. Nebenbei bemerkt, mag die Neigung zur Ausbildung dieses kleinen
Minimum durch die auffällig hohen Luft- und Wassertemperaturen gerade der
gleichen Gegend (s. Seite 14 u. 7 u. Taf. 1 u. 3) gefördert werden; sein Auftreten
erinnert an’'das ähnlich kleine und ähnlich gelagerte Minimum im östlichsten. Mittel-
meer zwischen Cypern und Syrien). ,
Die vorherrschenden Winde des November kommen aus NW an der arabischen
und mesopotamischen Seite des Golfes, aus N und aueh NO in der Gegend von
Buschehr, sind lokal und zeitlich durch die Linga-Depression beeinflußt in der Hormus-
Straße und gewinnen draußen.im Oman-Golf wiederum die NW-Richtung, hinzielend
zum NO-Monsun des Arabischen Meeres.
b. Einzelheiten der Windverhältnisse,
(Vgl. die Windkarten Tafel 6 bis 7 und die Windtabellen S, 36ff.)
In den Windtabellen ist nach dem Werke des indischen meteorologischen
Amtes?) auch Maskat aufgenommen; der Vergleich mit den benachbarten auf See
gewonnenen Beobachtungen zeigt, daß die Anzahl der Windstillen in Maskat ganz
1j Die. Windbeobachtungen auf See sind im allgemeinen gegenüber denen an Land maßgebender
und wurden meist bevorzugt, während umgekehrt die Luftdruckmessungen an Bord schon wegen ihrer
zu geringen Anzahl gegenüber den langjährigen Reihen an den Landstätionen nicht aufkommen können.
?) Vgl. Krugler, Die Windverhältnisse im östlichen Mittelmeer usw. Berlin 1912. Tafel 1 u. ff.
3) S, Fußnote 3 S. 5,