20 Ozeanographie und Klimatologie .des Persischen Golfes und des Golfes von Oman,
tritt mit dem Umgehen des Windes nach Nordwesten an der Rückseite der Depression
wieder die normale Wetterlage ein, so folgt Aufklaren und schönes Wetter, wie über
dem Mittelmeer, Seit der Ausgabe der täglichen ägyptischen Wetterkarten!), an
deren Rand Mesopotamien noch eben berücksichtigt ist, vermag man sogar in nicht
wenigen Fällen, von denen schon Krugler?) einige Beispiele beigebracht hat, nachzuweisen,
daß die atmosphärischen Depressionen vom östlichen Mittelmeer herüberwandern
quer über die syrisch-palästinische Landbrücke zum Persischen Golf, entweder
von der Bucht bei Cypern in oft großem Bogen über das nördlichste Mesopotamien
südostwärts, oder vom Nildelta aus rein östlich. Das Regenwasser über dem
Persischen Golfe stammt hiernach vom Mittelmeer und letzten Endes
vom Atlantischen Ozean. Daß diese Depressionen unter Umständen bis Vorderindien
weiter wandern, wie Krugler wohl annimmt, erscheint mir zum mindesten
nicht erwiesen. In dem östlichen Persischen Golf, wo die Straße von Hormus nur
eine enge Meeresgasse zwischen zwei großen Landmassen bildet, dürften sie sich
auffüllen, sie sind ja schon weiter westlich nur sehr schwach ausgeprägt. Draußen
im Golf von Oman aber beginnt die selbständige indische Wetterordnung.
In der Tat weichen die Niederschlagsverhältnisse über dem Golfe von Oman
von denen des Persischen Golfes etwas ab. Zwar das relativ starke winterliche
Maximum tritt, nach den Messungen in Maskat und in Djaschk, ganz ähnlich wie
im Persischen Golfe während der Wintermonate ein, ist aber streng begrenzt auf die
Monate November bis März, während in Mesopotamien bis in den Mai hinein auch
Frühjahrsregen fallen. Diese Winterregen der Ostküste von Oman dürften
ihre Quelle aus dem Indischen Ozean beziehen, und nicht von den letzten
Ausläufern der mittelmeerischen Depressionen. ‚Da in Bahrein schon so außerordentlich
geringe Mengen niedergehen, ist nicht einzusehen, wie Maskat, das für etwaige
von Westen kommende Depressionen im Regenschatten hinter dem Gebirge liegen
würde, wieder eine Zunahme erfolgen kann. Wahrscheinlicher ist, daß die winterlichen
Niederschläge der äußeren, am Ozean befindlichen Omanküste im Gefolge
des hier nach NW abgelenkten NO-Monsuns des Arabischen Meeres fallen, als
Steigungsregen an der hoch aufragenden Gebirgskette in Einzelschauern niedergehend.
Auch Sokotra, recht im NO-Monsun gelegen, hat während unserer
Wintermonate eine solche Regenzeit. So betrachtet, würde als wichtige Grenze
zwischen mittelmeerischem und indischem Niederschlagsgebiet die
Linie Hormus— Omangebirge sich ergeben.
Es kommt, um diese Auffassung zu stützen, die Tatsache hinzu, daß die zweite
sehr kleine, aber charakteristische Regenzeit des Golfes von Oman zweifellos indischen
Ursprunges' ist: mit dem Ausbruche des ganz Indien die Regen bringenden SW-Monsuns
fallen im Juni und Juli auch am äußersten, nordwestlichen Rande seines
Bereiches in Maskat und in Djaschk noch einige Millimeter Regen, in Maskat 9.1 mm,
in Djaschk 3.0 mm. Der SW-Monsun tritt hier, entlang der el Batina-Küste wehend,
als SO und S-Wind auf (S. 23); in manchen Jahren bringt er es zwar zu gar keinen
Niederschlägen, aber immerhin, im Durchschnitt kommt es dazu, während jenseits
der Klimagrenze, westlich von der Straße von Hormus, niemals auch nur eine Andeutung
dieser Hochsommerregen beobachtet wird,
5. Bewölkung. (Tab. 6 und Taf. 4.) Die in Zehnteln des sichtbaren Himmelsgewölbes
ausgedrückten Bewölkungsziffern sind für die vier Landstationen Basra,
Bahrein, Djaschk und Maskat nach der mehrgenannten indischen Veröffentlichung,
für Buschehr, bei dem solche Angaben fehlen, nach den monatelangen Beobachtungen
des persischen Regierungsdampfers „Persepolis‘‘®) gemacht, und dabei
wurden die zwei fehlenden Monate Juli und August mit 0.0 eingesetzt. Die
Beobachtungen auf den Dampfern der Hamburg-Amerika-Linie, in drei großen
Gruppen: Persischer Golf, Straße von Hormus und Golf von Oman, zusammengefaßt
(Tabelle Nr. 6), stimmen im Jahresmittel und im jährlichen Gang recht gut
mit den Dauerstationen überein.
1) Survey Department, Egypt: Summary of the weather in Egypt, Sudan and the
gurrounding region. Cairo. — S. auch die Ausführungen in dieser Arbeit S. 27 ff.
2) Die Windverhältnisse im östlichen Mittelmeer usw. Inaug. Dissert. Berlin 1912, S. 57.
3) Vgl. Fußnote 4 auf S. 4.