18 Ozeanographie und Klimatologie des Persischen Golfes und des Golfes von Oman.
Reisenden nicht entgangen. Es berichten die Schiffsführer mehrfach über die Wir-
kungen der außerordentlichen Lufttrockenheit an Land, z. B. von Buschehr
(„. . . Luft sehr trocken, alles Holzwerk reißt auseinander, und die Lippen werden
trocken . . .‘“), und besonders von den Häfen am Schatt, Muhammera und Basra,
Kapt. Wolkowitz vom D. „Persepolis‘ schrieb in dieser Beziehung: „Das Holz
in den Kajüten trocknete so ein, daß die Füllungen teilweise unter den sie umgebenden
Leisten hervortraien. Spalten von 7 bis 8 mm Breite waren mehrere vorhanden.
Föhrenes Holz zog sich, quer über die Jahresringe gemessen, auf 2m um 34 mm
zusammen. Am besten hielt sich Teakholz, obgleich es ebenfalls sehr eintrocknete;
alle übrigen Holzarten, die am Schiffe zur Verwendung gekommen waren, konnten
der großen Hitze und Trockenheit nicht standhalten .... Ein psychrometrischer
Unterschied von 15 bis 20° in den Nachmittagsstunden ist gewöhnlich. Trink-
wasser, welches wir in porösen tönernen Gefäßen dem Winde aussetzen, kühlte
bei einer Lufttemperatur von 40° auf 19° ab.“
Anderseits wies der dänische Forscher Raunkiaer!) auf die größere Feuchtig-
keit der Küstenstrecken hin: ;,Gegenüber dem trockenen ost- und zentralarabischen
Klima bildet der Küstenstreifen längs des Persischen Golfes und namentlich el Hasa
eine Ausnahme. Das Klima in el Hasa ist ganz gewiß ebenso regenarm wie in dem
übrigen Arabien, aber die Luftfeuchtigkeit ist sehr groß, und der Nebel ist, zumal
nahe der Küste, nicht selten. Das macht in Verbindung mit der beträchtlichen Tem-
peratur el Hasa und Bahrein bis in die Nähe Maskats hin zu einem unbehaglichen
Aufenthalt innerhalb des Persischen Golfes.‘ Da nun das Gebiet des Schatt el Arab
der Küste doch auch sehr nahe liegt, könnte seine: große. Trockenheit auffallen.
Aber erstens liegt es hinter dem innersten Zipfel des Persischen Golfes — je weiter
nach dem offenen Indischen Ozean hinaus, desto wasserdampfreicher werden eeteris
paribus die Küstenstrecken sein —, und zweitens hat das Irak Arabi in den besonders
im Sommer vorherrschenden NW-Winden ausgesprochen .kontinentale Luft-
strömungen, die, an sich schon trocken, alle etwaige Feuchtigkeit bei ihrem Wege
über Vorderasien abgegeben haben.
3. Tau und diesige Luft. Mit der über dem Golf selbst großen Luftfeuchtig-
keit hängt auch die Häufigkeit des Taues auf See zusammen. Die starke diesige Luft
dagegen dürfte eine Folge der vorherrschenden nordwestlichen Winde, die viel feinsten
Staub führen, sein. Beide Erscheinungen, Tau und Unsichtigkeit, haben nun nach
den Beobachtungen der deutschen Dampfer (s. Tabelle 4) eine sehr deutliche jährliche
Periode insofern, als sie im Sommer das Maximum ihres Auftretens, im Winter
das Minimum erreichen. In der Straße von Hormus wurde im Juni/Juli in mehr als
1/, aller Fälle Tau beobachtet, diesige Luft ebenda im August sogar mit 30°;
dagegen fehlt Tau im Dezember und Januar, zur Zeit der spärlichen Niederschläge,
so gut, wie gänzlich. Der nicht bloß häufige, sondern auch intensive Taufall in den
Nächten der Sommermonate ist eine äußerst charakteristische und wichtige meteo-
rologische Erscheinung auf dem Golf; oft tropfen morgens die Segel der einheimischen
Fahrzeuge von Nässe, und es hilft dieser Taufall in nicht unerheblichem Maße der
Vegetation beim Durchhalten während der absoluten Regenlosigkeit dieser Jahres-
zeit. Offenbar genügt bei dem hohen Sättigungsgrade der Luft mit Wasserdampf
die geringe nächtliche Abkühlung zur Kondensation. |
Wenn die größte Häufigkeit diesiger Luft hauptsächlich in den Spätsommer
fällt, so hängt dieser Umstand wahrscheinlich mit dem im Juli und August besonders
starken NW-Wind (Schemal) zusammen; dieser Wind führt von Niedermesopotamien
die dort hochgehobenen Lehmstaubteilchen weit fort und verursacht eine allgemeine
Trübung der untersten Atmosphäre. Doch kommen auch in den Wintermonaten
sehr starke Beeinträchtigungen der Sichtigkeit vor; so war Ende Februar 1882
vor Bender Abbas die Luft bei wolkenlosem Himmel tagelang so diesig, daß die kaum
8 Sm entfernten Inseln Hormus und Kischm nicht zu sehen waren, obwohl der
Horizont klar zu sein schien.
Nebel im richtigen Sinne des Wortes beobachtet man im Persischen Golf
IT. E Yan das Land der Wahhabiten. „Mitteil. der Geograph. Gesellschaft in Hamburg. Bd. XXX