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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

V. Klimatologie. 
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indischen Wärmeganges (S. 15), aber im Juni fehlen Temperaturgradienten von 
NW nach SO schon fast gänzlich, und vom Juli ab wird das südöstliche Meeresgebiet, 
also der Golf von Oman, sogar ausgesprochen kühl im Vergleich mit dem nord- 
westlichen Meeresgebiet, dem Persischen Golf, 
So erreicht im August Basra eine mittlere Temperatur von 33.0° (absolutes 
Maximum 47.2°); für das vor der Schatt-Mündung gelegene. Meeresgebiet‘ gelten 
als entsprechende Werte 32.8° (absol. Max. 37.0°), für den Linga-Streifen 54 bis 
55° O-Lg. belaufen sie sich auf 32.6° (36.5°) und endlich ergibt sich für den öst- 
lichsten Streifen unter der Länge des Ras el Hadd als höchstes Monatsmittel 29.5°, 
und zwar schon im Juni. An jeder der fünf Landstationen hat die absolut höchste 
Temperatur 40° überschritten (vgl. Tabelle 2B), während nach den Schiffsbeobach- 
tungen 37.5° die überhaupt größte Temperatursteigerung auf See, im August in 
der Straße von Hormus beobachtet, innerhalb dieser zwei Meeresräume darstellt. 
Nach Raunkiaer’s Beobachtungen hat in Nordostarabien die Erdoberfläche in 
0.5 m Tiefe schon im März und April „gewöhnlich‘“ eine Temperatur von 45 bis 
48° 11) 
Lehrreich ist nun der jährliche Gang der Lufttemperaturen. Bei dem 
Wasser wurden die mittleren Extreme durchweg im Februar und August erreicht. 
Für die Luft ist der Januar der Monat mit dem niedrigsten Monatsmittel, und zwar 
überall, im Golf von Oman sowohl wie im Persischen Golf, an Land so gut wie auf 
See. Die höchsten Monatsmittel dagegen sind nach den Schiffsbeobachtungen im 
Persischen Golf und in der Straße von Hormus auf den August verschoben, werden 
aber im ‚Golf von Oman schon im Juli, östlich von 58° O-Lg. sogar schon im Juni 
erreicht, und der Temperaturgang von Djaschk und Maskat entspricht dieser letzteren 
Feststellung vollkommen. Hierin hat man die Einwirkung des Temperaturganges 
des angrenzenden offenen Indischen Ozeans und überhaupt des vorderindischen 
Klimas zu erblicken?): im Pandschab und in Zentralindien tritt fast überall schon 
im Mai bzw. Juni der. Höhepunkt der Hitze ein, eben vor dem Ausbruch des SW- 
Monsuns, der dann mit dem Einsetzen der großen Regenzeit eine während der Sommer- 
monate steigende Abkühlung schafft. Ein schwaches, aber noch durchaus deutliches 
Abbild davon gewähren uns auch die maritim-meteorologischen Beobachtungen 
im äußeren Golf von Oman, wo man neben dem Hauptmaximum im Juni ein Neben- 
maximum im Oktober beobachtet, beide durch ein in den September fallendes zweites 
Minimum getrennt. | 
Auch von diesem Gesichtspunkte aus erweist sich somit der Golf von Oman 
als ein unselbständiger Teil des Indischen Ozeans; dem Persischen Golf aber werden 
seine Wärmeverhältnisse vom umrandenden Festlande diktiert. . 
Was die jährliche Schwankung der Lufttemperatur betrifft, so ent- 
acehmen wir zunächst aus der Figur auf Tafel 4 eine gewaltige Zunahme dieser 
Schwankung in der Richtung nach Nordwesten. Dabei verschlägt es nichts, daß 
diese Kartenfigur auf Grund des mittleren Temperaturunterschiedes August-Februar 
gezeichnet ist, die Tabellen S. 33/34 aber als Schwankung die Differenz August- 
Januar geben, denn Januar und Februar unterscheiden sich auf See überall nur 
durch Bruchteile eines Grades. Von Ras el Hadd, wo mit nur 3° jährlicher mittlerer 
Schwankung rein tropisch-ozeanisches Klima herrscht, steigt diese Schwankung, 
in der Längsachse der beiden Golfe jeweils am langsamsten, bis auf 19° und 20° 
vor dem Schatt el Arab, steigt außerdem landwärts, sowohl nach Norden wie nach 
Süden, sehr stark, dem kontinentalen Klimatypus sich anpassend. Wiederum muß 
es überraschen, daß die relativ kleine Fläche des Persischen Golfes überhaupt in 
der Lage ist, derart wie es z. B. in der Fläche südlich von Linga mit. <<12° Jahres- 
schwankung zum Ausdruck kommt, das Ausmaß der Schwankung herabzudrücken. 
Die absolut höchsten Werte der Lufttemperatur bieten übrigens nichts dar, 
was nicht ganz ähnlich auch anderswo, z. B. im zentralen Indien, vorkäme. Das 
absolute Maximum 41.6° in Maskat ist sowohl von Rangun wie von Kalkutta eben- 
falls. erreicht, dasjenige von Basra mit 47.2° wird in Indien von einer ganzen Reihe 
Stationen noch übertroffen, so z. B. von Agra (49.09. 
ı) Mitteil. der Geograph. Gesellschaft in Hamburg XXX. Bd. 1917, S. 197. 
%) Vgl. Hann; Klimatologie. 3. Aufl., II. Band, S. 203 ff.
	        
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