JII. Ozeanographie,
dem Jahresdurchschnitt zu entsprechen, die 40.0-Linie geht dann etwa von Kap
Nabend nordwärts bis eben östlich der Schatt-Mündungen.
Daß es überhaupt zu einer derartig hohen Konzentration der Salzmenge
im Persischen Golf kommt, liegt ganz ähnlich wie im Roten Meere an der überaus
beträchtlichen, durch große Hitze vermehrten Verdunstung des binnenmeerischen
Wassers und an der relativ großen Armut von Süßwasserzuflüssen. Von letzt-
genanntem Gesichtspunkte aus sollte man freilich den höchsten Salzgehalt an der
arabischen Seite in der tiefen Einbuchtung vor der Piratenküste erwarten, wo über-
haupt keine Flüsse das Meer erreichen, während an der. persischen Küste ‚einige
kleine münden; außerdem empfängt die persische Seite, wie wir noch sehen werden
(S. 19), gar nicht unerhebliche Regenmengen, jedenfalls mehr als die arabische.
Beide Faktoren vermögen jedoch nicht durchzugreifen. . Entscheidend wirkt der
Zufluß des einzigen großen Stromsystems, des Euphrat und Tigris, dessen Süßwasser-
mengen sich unter dem Einfluß der Erdrotation ausschließlich längs der arabischen
Küste südwärts ausdehnen, wie schon aus den Isothermen des Oberflächen wassers
zu vermuten war (S. 7). Die den Schatt el Arab verlassenden Wassermassen be-
wirken die stets vorhandene starke Drängung der Isohalinen eben östlich von der
Mündung, wo 40%, Salzgehalt oder nahezu 40°/., sich finden, während 35, ja 30% 0
halbwegs zwischen Fao und der Kuweit-Bucht auftreten. Die Isohalinen verlaufen
hier, gleich den Isothermen, N—S statt. W—O.
Auch die jährliche Schwankung, insbesondere die Ansüßung des Golf-
wassers im Frühjahr und Frühsommer (Mai-Juni), läßt sich hierdurch erklären.
Zum Unterschiede vom Nil, der seine Hochflut im Oktober, seinen Niedrigwasser-
stand im April-Mai hat, erreichen Euphrat und Tigris zusammengenommen!) gerade
umgekehrt im April bei Hit bzw. Bagdad ihre größte Wasserführung infolge'‘der
Schneeschmelze in den armenischen Gebirgen; sie führen. dann zusammen etwa
5700 cbm in der Sekunde. Im August sind sie schon kleiner geworden und gehen
im Oktober auf das Minimum ‘mit 700 cbm, beider Ströme Wassermenge vereinigt,
zurück. Nehmen wir hinzu, daß die Hochflut immerhin einige Wochen Zeit braucht,
bis sie von Bagdad und Hit aus im Golfe selbst sich voll bemerkbar macht, : so
stimmt zeitlich das Minimum des Salzgehaltes der Monate Mai-Juni recht gut
hierzu... Ohne das Vorhandensein des Euphrat—Tigris würden wir nach Analogie
der Salzgehalte im nördlichen Roten Meere >> 39.5%.9 Salzgehalt auf. der vom
Indischen Ozean unbeeinflußten Fläche des Persischen Golfes, also etwa westlich
von Linga, überall erwarten dürfen. Die 39.5%,o-Isohaline verläuft nun im August-
September, d. h. während der zwischen den Extremen liegenden ‚Periode, genau
in der Mitte oder auf der Längsachse des Golfes von NW nach SO, und die Fläche,
auf der eine von der Ausbreitung des Schatt-Wassers herrührende allgemeine Herab-
setzung des Salzgehaltes bemerkbar ist, kann vielleicht auf etwas weniger als die
Hälfte des Persischen Golfes, also auf rund 100000 km? veranschlagt werden.
Man beachte, daß auch auf dieser an die arabische Seite angrenzenden und
beeinflußten Fläche der Salzgehalt im Vergleich mit ozeanischen Verhältnissen bei
Werten um 38%, immer noch hoch erscheint; schon der Golf von Oman bringt es
nur zeitweise und im nordwestlichen Teile bis auf über 37°%9, und bei Ras el Hadd
dürfte durchschnittlich höchstens 36.5%.) zu beobachten ‚sein, vielleicht sogar noch
niedrigere Werte, da an der Südostküste Arabiens ein fremdartiges, kaltes und
salzarmes. Wasser aus der Tiefe zur Oberfläche zu gelangen pflegt?).
3. Spezifisches Gewicht des Wassers. (Tafel2.) Im Sommer bewirkt
die abnorm hohe Wassertemperatur, daß das Oberflächenwasser des Persischen
Golfes überall, selbst in der NO-Ecke vor Buschehr, wo der Salzgehalt 40% 9 er-
reicht und überschreitet, vergleichsweise leicht wird und die Dichten über 1.02500
fast nirgends nennenswert hinausgehen; Werte von 1.02400 bis 1.02450 entsprechen
dann dem Durchschnitt, Vor der arabischen Küste, insbesondere an deren nörd-
lichem Teile nach Kuweit und dem Schatt hin, sinkt die Dichte sogar auf <<“ 1.02000:
1) Näheres 8. bei Tholens in Zeitschrift der Ges. f. Erdkunde, Berlin 1913, S. 329 ff., auch
bei Uhlig ebenda, 1917, im Sonderdruck „Mesopotamien“, S. 18 ff. .
?) Vgl. B. Schulz, Beiträge zur Kenntnis der Oberflächenverhältnisse der Ozeane, in Ann.
dA. Hydr., 1914, S. 398-—400.