1X. Geographischer Überblick, — III. Ozeanographie,
und den Einwirkungen der Sonnenstrahlung rasch folgen. Morphologisch kann man
den Persischen Golf infolge seines unsymmetrisch angeordneten unterseeischen
Reliefs als eine „Vortiefe‘“ der iranischen. Gebirgsketten auffassen, also, wenn man
will, als eine Tiefseerinne kleinsten Maßstabes, da ja auch hier die relativ größten
Tiefen einseitig nahe der Küste, und zwar parallel zu ihr, gefunden werden. Von
diesem Gesichtspunkte aus ist der Persische Golf, zum Unterschied vom Golf
von Oman, ein Gebilde für sich und von gewisser Selbständigkeit.
Hieraus erklärt sich, wenigstens zum Teil, die Eigenheit der ozeanographischen
and klimatischen Faktoren im Persischen Golf selbst, ähnlich wie bei dem Roten
Meere. Die zwei Vorhöfe jedoch, der Golf von Oman und der Golf von Aden, sind
unselbständige Teile des Indischen Ozeans, und nichts weiter als das. Gerade deshalb
ist auch die Gegenüberstellung der Naturverhältnisse im Binnenmeere zu denen
im Außenvorraum lehrreich.
Basra am Schatt el Arab liegt mit 30° 30’ auf der gleichen Breite mit Kairo—
Suez; Ras el Hadd, die flache vorspringende Ecke der Oman-Küste, da, wo sie aus
SO-Richtung in SW-Richtung scharf umbiegt, befindet sich auf rund 22° 30’ N-Br.
Ostwärts begrenzen wir unsere Darstellung mit 60° O-Lg; dieser Meridian geht
dicht an Ras el Hadd vorbei. Zudem stellt Ras el Hadd eine wichtige Wind- und
Wetterscheide dar, deren Verhältnisse allerdings erst später, wenn die Ozeanographie
und Klimatologie des ganzen anschließenden nördlichsten Arabischen Meeres be-
handelt sein wird — wie es beabsichtigt ist —, sich werden überblicken lassen.
An Fläche kommen dem eigentlichen Persischen Golf rund 224000!) km?
zu, dem Golf von Oman 93000 km?; ein Verhältnis also wie 2.4: 1. Die Ostsee ist
nahezu doppelt so groß als der Persische Golf, das Rote Meer mehr. als doppelt so
groß; die Adria bringt es nur auf die Hälfte der Fläche des Persischen Golfes. Die
durchschnittliche Breite des Golfes in NO-—-SW-Richtung kann auf 100 Sm oder
180 km gegeben werden; nur von Kap Nabend, 27!/,° N-Br., recht nach Süden
bis in die innersten Buchten der Piratenküste kommt man auf 180 bis 200 Sm oder
über 300 km.
Vom Schatt el Arab bis zur Straße von Hormus erreicht die Achse des Golfes
etwa 600 Sm oder 1100 km Länge, von Ras Musendim bis Ras el Hadd bei 60° Lg.
kommen noch 300 Sm oder 560 km hinzu.
I. Ozeanographie.,
l]. Wassertemperatur (siehe Tabelle Nr. 1 und Taf. Nr. 1). Nur Beob-
achtungen über die Wärmeverhältnisse des Oberflächenwassers können bis heute
verwertet werden. Gehen wir vom Winter (Februar) aus, so tritt auf den kleinen
Isothermenkarten der Tafel 1 sogleich der so vielfach sich wiederholende Gegen-
satz zwischen der persischen und der arabischen Seite des Golfes hervor; er
stellt eine grundlegende Wesenseigenschaft fast aller. Naturbedin-
gungen im Golfe dar. An der persischen Seite ist im Winter das Wasser unter
gleicher Breite entschieden wärmer als an der arabischen; dasselbe zeigen in -ver-
schieden abgestuftem Maße auch die Frühjahrs- und Herbstmonate. Nur im Hoch-
sommer sind mit Werten von 32, ja 33° alle Randzonen stärker erwärmt als der zen-
trale nördliche Teil, wo etwa 30° und etwas weniger beobachtet wird. Der Verlauf
der Februar-Isothermen zeigt deutlich, daß über 20° warmes Ozeanwasser durch
die. Straße von Hormus hereindringt und sich rechts (nördlich) an die persischen
Küsten anlehnt, während anderseits vom Schatt el Arab aus kühles Wasser mit
weniger als 15° an der Kuweit-Bucht vorbei südwärts der arabischen Küste folgt.
So kommt es, daß auf der Höhe von Bahrein um diese Zeit etwa 17° gemessen werden,
gegenüber in der Nähe von Linga aber unter gleicher geographischer Breite 21 bis
21.5°. Wahrscheinlich hängt hiermit die Verbreitung der Korallen und Perlen, die
bei.dem Kap Abu Ali nach verschiedenen Quellen in der Hauptsache die Nord-
grenze ihrer Verbreitung finden, zusammen: das:.kühlere und zugleich salzärmere,
‘) Nach Genthe, s. oben S. 5. Karstens u. Krümmel gehen 233000 km2.