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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1918.

betrachteten nicht als durchgehende zu erkennen, sondern sie zeigen wie fast alle
anderen ein zeitweiliges Verschwinden).
Damit sind wir zu einer Tatsache gelangt, welche nach Pettersson heute
noch vielfach den Standpunkt bestimmt, den die Meteorologen dem Mondproblem
gegenüber einnehmen. -Der bedauerliche Gegensatz, welchen diese Stellungnahme
unter ihnen hervorgerufen hat, ist wissenschaftlich nicht berechtigt. Darum sei ihm
ein kurzes Wort gewidmet.
Wir sind gegenwärtig noch nicht so weit, daß man behaupten darf, auf der
einen Seite würde mit unzweifelhaft sicheren Tatsachen, auf der Gegenseite nur mit
längst widerlegten Wahrheiten gewirtschaftet. Es steht vielmehr immer noch Meinung
gegen Meinung, von denen jede ihre besondere Beachtung verdient, je nach der
Art, wie man die erhaltenen Forschungsergebnisse auffassen und deuten will.
Die, welche den Einfluß des Mondes auf die Atmosphäre verneinen, hegen die
fast unumstößliche Überzeugung, daß beim Vorhandensein einer merklichen Mondwirkung
 diese in kurzen und langen Zeiträumen stets in gleicher Weise hervortreten
müßte. Daher verlangen sie vor dem Verzicht auf ihre vorgefaßte Meinung vor
allem den Nachweis durchgehender d. h. dauernd vorhandener Witterungsperioden,
welche’ sich ohne weiteres mit dem Mondumlauf um die Erde in Einklang bringen
lassen. Sie erblicken in den vorübergehend auftretenden Periodizitäten mehr oder
weniger Zufallserscheinungen. Ehe noch eine erschöpfende Analyse der gesamten
Mondwirkung stattgefunden hat, bezweifeln sie nicht etwa die Lösbarkeit des Mondproblems,
 sondern das Vorhandensein eines merklichen Mondeinflusses überhaupt.
In ihrem Pessimismus schätzen sie die Mißerfolge leicht zu hoch und die positiven
Forschungsergebnisse zu niedrig ein. Sie halten es für unzweckmäßig, wenn an die
für sie in ein Nichts zerronnene Aufgabe noch weiter Kraft und Zeit vergeudet wird.
Die Verfechter eines in der irdischen Lufthülle nachweisbaren Mondeinflusses
dagegen geben infolge des verschiedenartigen Zusammenwirkens der einzelnen
Mondumläufe die Möglichkeit eines Verschwindens und Wiederauftauchens bestimmter
 Witterungsperioden von vornherein zu. Sie fordern aber nähere Aufklärung
 über die Gründe eines solchen Verhaltens aus den astronomischen Beziehungen
des Mondes zur Erde. Damit stehen sie ohne Zweifel noch vollständig auf dem Boden
exakter Wissenschaft. Erst wenn sich die Mondforschung nach der genannten
Richtung hin wirklich als unzmeichend erweisen sollte — und dieser Nachweis
wird in absehbarer Zeit kaum zu erbringen sein — wären sie gezwungen, ihren bisherigen
 Standpunkt aufzugeben. Bevor jedoch durch sie allgemeingültige, unantastbare
 Sätze über den Einfluß des Mondes auf die Atmosphäre aufgestellt werden
können, wartet ihrer noch viel Anstrengung und Mühe, denn die bis jetzt vorliegenden
Ergebnisse bedürfen durchaus der Sichtung, der Läuterung und der Vertiefung.

!) In dieser Beziehung teilt Herr Professor Köppen der Redaktion folgendes mit:
. „Für den Druckunterschied zwischen Vollmond und Neumond ergibt die Umformung der
Tabelle B in der Meteorol. Zeitschr. 1915, S. 184 folgende Summen von ie vier zwölfjährigen Perioden
(+ «—= Neumond höher):

‚Jahr: 1 2 3 + ä 6 7 5 9 10 i1 12
1755—1802 .. 54 — 2 —11 — 3 —58 —530 ——- 2 -— 7 —29 99 29 38
1803—1850 .. 13 14 —H 34 — 43 -—-—- 4 — 56 —87 — 24 —16 48 22
1851—1895 .. 12 76 17 — 23 24 27 19 85 21 — 27 — H 13
{()

Die beiden ersten Zeiträume geben eine
einfache, die letzte cine doppelte Schwankung
in 12 Jahren, wie dies die nebenstehende Figur
deutlich macht.
Die Erhaltungstendenz dieses Druckunterschiedes
 in aufeinanderfolgenden Spätjahren,
die sich in den (ohne jede Ausgleichung erreichten)
 glatten 1 oder 2 Wellen dieser Zeichnung
verrät, ist neu und überraschend. Denn hier
können nicht wohl der Sache fremde Erhaltungsgründe
 mitwirken, wie z. B. die Fortdauer unabhängiger
 Ursachen *bei der Witterung aufeinanderfolgenuer
 Tage oder die Fortdauer‘ der Fehlerquellen in Skalen und Aufstellung bei der
Temperatur usw. benachbarter Jahre.“ D. Red.

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