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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

376 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November/Dezember 1918. 
Windpunkt mit A, so zeigt die Verlängerung dieser Linie auf den Punkt 30° am 
Kranze der Scheibe oder auf dem Abtriftzeiger die Hälfte, also 15° als Abtrift: 
der Kurs über Grund ist also 211°. Der Windpunkt liegt ferner etwa auf dem 
Kreise 1.17 um A. Geschwindigkeit über Grund ist also 1.17-.120 oder aus der 
Tafel 140 km/st. 
2. Beispiel: Ein Flugzeug soll von A nach B in der Richtung 54°, 360 km 
fliegen bei einem Winde WNW 12 m/s und einer Eigengeschwindigkeit von 130 km/st. 
Lösung: Aus dem in die Karte eingetragenen Kurse und Windrichtung 
ermittelt sich der Windwinkel gegen die Zielrichtung 59°, aus der Tabelle die relative 
Windgeschwindigkeit etwa zu 0.35. Würde das Flugzeug den Steuerkurs 54° 
steuern, so erlitte es nach dem Diagramm eine Abtrift von 14°. Denkt man sich 
durch den Windpunkt eine Parallele zu A O, so ergibt das Diagramm am Schnitt- 
punkt der Parallelen mit dem Kranze einen Vorhaltewinkel von 18°. Das Flugzeug 
darf also nicht 54° anliegen, sondern muß 54° — 18° == 36° steuern. Geschwindig- 
keit über Grund ergibt aus dem Diagramm 1.13 und aus der Tabelle 1.13 -130 km/st 
i47 km/st. Kontrolle: Winkel zwischen Steuerkurs und Wind ist also jetzt 
77°, Dreht man das Diagramm nun so, daß es mit A O0 auf den nunmehr ermittelten 
Steuerkurs zu liegen kommt, so ergibt sich die Abtrift zu 18°, ist also dem vor- 
herigen Vorhaltewinkel gleich; Geschwindigkeit über Grund ergibt sich aus den 
konzentrischen Kreisen um A wieder zu 1.13, also wie oben zu 147 km/st. Das 
Ziel wird erreicht in {9% = 227m 
_ 8. Beispiel: Ein Flugzeug mit der Eigengeschwindigkeit 100 km’/st verläßt 
Kiel mit dem Kompaßkurs 317°, der durch Anbringen von Ablenkung ünd Miß- 
weisung den Steuerkurs 301° ergibt. Nach 9m befindet es sich über Gettorf an 
der Bahn Kiel— Eckernförde. Dem Flieger stand Generalstabskarte 1: 100 000 
zur Verfügung. Welches war der Wind? 
—_ Lösung: Da das Diagramm für die Eigengeschwindigkeit 100 km/st im 
Maßstab 1km=1 mm gezeichnet ist, ihm also der Maßstab 1: 1000 000 zugrunde 
liegt, so gelten auf der Zeitskala zwischen A und O nicht die Skalen 1 bis 60m, 
sondern nur 1 bis 6m, also jeweils der zehnte Teil der angegebenen Minutenwerte. 
Man legt also das Diagramm so auf den Steuerkurs, daß sich AO mit ihm deckt 
(A auf Kiel). Dann wäre das Flugzeug in 9m an einem Punkt angelangt, über 
dem das Diagramm die Zahl 90m angibt. Verbindet man diesen Punkt mit 
Gettorf (er erscheint auf dem Diagramm als Windpunkt 32° 0.55), so hat man die 
Richtung des Windes. Zeichnet man durch den Punkt O zu dieser Geraden eine 
Parallele, so schneidet sie die Gerade A— Gettorf im Windpunkt 100° 0.2. Der 
Wind hatte also die Richtung 301° + 100° ==41°, oder er kam aus 221°, kurz aus 
SW und hatte nach der Tabelle die Geschwindigkeit 6 m/s. Die Abtrift liest 
sich ohne weiteres im Diagramm als Winkel 0—A-—Gettorf zu 12° ab; hätte man 
Gettorf erreichen wollen, so ergibt sich, indem man durch den Windpunkt 100° 0.2 
die Parallele zu A O zeichnet, ohne weiteres am Rande als Vorhaltewinkel (zufällig 
wieder) 12°. 
Vielfach sind Versuche unternommen worden, aus der Abtrift allein 
einen Schluß auf Windrichtung und -geschwindigkeit ziehen zu wollen. Ein Blick 
auf das Diagramm zeigt, daß solche Versuche vergeblich sein müssen. Denn die 
Linie konstanter Abtrift geht durch eine Reihe von Windpunkten; dieselbe Abtrift 
kann so von einer Unzahl von verschiedenen Winden hervorgerufen werden, 
beispielsweise die Abtrift 15° ebensowohl vom Winde 170° 0.62, wie 160° 0.45, oder 
100° 0.27 oder 46° 0.5 und viele andere mehr. Es läßt sich aus gegebener Abtrift 
höchstens schätzen, welche Änderung der Wind wohl erlitten haben dürfte, wobei 
bei festgehaltener Richtung die Geschwindigkeit sich bestimmen läßt, bei gegebener 
Windgeschwindigkeit auf die Winddrehung ein Schluß gezogen werden kann. Eine 
absolute Bestimmung des Windes ist also nicht möglich, sondern nur eine relative; 
der Wind würde erst bestimmt sein, wenn noch die Geschwindigkeit über Grund 
bekannt wäre, was auf die Lösung der zweiten Aufgabe hinausläuft. Es läßt sich 
demnach aus gegebener Abtrift auch kein bestimmter Schluß auf den
	        
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