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Annalen. der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1918.
_ Können: auch die. hier gegebenen Darlegungen auf Lückenlosigkeit und Unan-
fechtbarkeit. keinen Anspruch. erheben, so wird doch durch sie die Entstehung der
Meyer-Seemannschen Luftdruckerscheinung in eine ganz bestimmte Beleuchtung
gerückt. Ebenso sind sie geeignet, auf die von Herrn Köppen erkannten Unregel-
mäßigkeiten in der Barometerstandsänderung, zu Wien, auf die Brücknerschen
Klimaschwankungen. und anderes neues bedeutsaämes Licht zu werfen. «Gerade durch
die‘ Vielseitigkeit des Mondeinflusses werden scheinbare Regellosigkeiten wie sie
sich beispielsweise im Wiener Luftdruck widerspiegeln, unserem Verständnis am
ehesten erschlossen. Es dürfen daher auch die Ergebnisse von Herrn Köppen nicht
zu einer voreiligen Verneinung der Bedeutung des Mondeinflusses auf unsere Atmo-
sphäre verleiten. Sie müssen uns vielmehr zum scharfen Ansporn dienen, das Mond-
problem in seinem vollen Umfang neu zu erfassen, um es Schritt für Schritt der
restlosen: Lösung entgegenzuführen. ;
Diesem ‘Gedanken nachgebend, sei unserer Ansicht über das besprochene
Phänomen noch einmal in kurzer, bündiger Form Ausdruck verliehen:
Die Meyer-Seemannsche . Luftdruckschwankung ist das: Ergebnis des
Zusammenwirkens der Einflüsse von vier verschiedenen Mondumläufen, deren je
zwei zu geeignetem Paar vereinbar sind. Sie kommt am kräftigsten zustande, wenn
die Kernstellung des einen Paares mit der des anderen zusammentrifft. Die Kern-
stellung des synodisch-tropischen Umlaufs fällt, wenn wir von dem äußerst langsamen
Vorrücken der Äquinoktialpunkte absehen, immer in den Dezember; die Kernstellung
des anomalistisch-drakonitischen Umlaufs ist einer Wanderung durch den Tier-
kreis fähig. Die Folge der ersten Tatsache ist die, daß die Meyer-Seemannsche
Erscheinung ein Phänomen des Winterhalbjahrs ist und für absehbare Zeit auch
bleiben wird; die Folge der zweiten besteht in dem Auftreten einer großen Periode
der ganzen Erscheinung von fast 1900 Jahren.. Zur Zeit sind die genannten Kern-
stellungen bereits einander so nahe gerückt, daß ihr völliges Zusammentreffen in
nicht allzu ferner Zeit zur Wirklichkeit werden wird. Ähnliche astronomische bzw.
meteorologische Verhältnisse wie heute bestanden in dieser Hinsicht zu Beginn
der christlichen Zeitrechnung. Hätte damals die Möglichkeit der fortgesetzten
Beobachtung der Meyer -Seemannschen Erscheinung vorgelegen, so würde diese
wahrscheinlich einige Jahrhundert lang feststellbar gewesen sein — zunächst stärker,
dann schwächer werdend. Schließlich wäre sie auf die Dauer von anderthalb Jahr-
tausenden gänzlich verschwunden, um sich erst im abgelaufenen Jahrhundert wieder
bemerkbar zu machen. Damit hat das beschriebene Spiel aufs neue seinen Anfang
genommen. Eigentlich sollte nun ein gleichmäßiges Anschwellen und nach Erreichung
einer Maximalwirkung ein allmähliches Wiederabflauen der Erscheinung erwartet
werden. Dem widerspricht aber die Wirklichkeit: Wir beobachten innerhalb weniger
Jahrzehnte abwechselndes Hervor- und Zurücktreten des auffallenden Phänomens.
Diese Veränderlichkeit in der Stärke der Meyer-Seemannschen Luftdruckschwankung
zur Zeit ihres möglichen Zustandekommens ist in der Hauptsache bedingt durch
Interferenzen, die sich aus dem Zusammenwirken der verschiedenen Mondumläufe
ergeben. So entwickelt sich aus der Übereinanderlagerung des anomalistischen
und. des drakonitischen Mondumlaufs eine sechsjährige Periode und aus der Ver-
einigung dieser mit der des synodischen und tropischen Umlaufs sowie aus anderen
Kombinationen eine nahezu 36jährige Periode. Letztere gibt sich in Luftdruck-
änderungen von wechselnder Größe kund; nach ihrer bisherigen zweimaligen Wieder-
kehr ist auch späterhin auf ein neues wiederholtes Hervortreten derselben zu rechnen.
Bis zu welchem Zeitpunkt und bis zu welchem Betrag die bei ihr bemerkte Ver-
stärkung der Luftdruckschwankungen sich verschieben wird, kann nur auf Grund
weiterer Beobachtungen sicher entschieden werden. Bestimmtere Feststellungen
hierüber müssen der Zukunft überlassen bleiben.
Nachtrag,
Durch die Freundlichkeit von Herrn Prof. Köppen würde mir unmittelbar
vor der Drucklegung meiner Mitteilung die Abhandlung eines schwedischen Forschers
zur Verfügung gestellt, welche die Aufschrift führt: Om mänens inflytande pä klimat