Immler, W.: Ein Universaldiagramm zur Lösung des Winddreiecks, 373
Die Winkel zwischen Kurs und Wind zählen als Winkel zwischen ‚den Ziel-
richtungen, wohin der Flug geht, bzw. wohin der Wind weht. Winkel 0° bedeutet
also Rückenwind, Winkel 180° bedeutet Gegenwind.
Nachdem so für die Beziehungen des Windes zur Eigengeschwindigkeit und
Eigenrichtung Vereinfachungen erzielt worden sind, liegt es nahe, sämtliche mög-
lichen Windrichtungen und Windgeschwindigkeiten gemäß ihrer Natur in ein Polar-
koordinatensystem anzuordnen, das seinen Ursprung im Endpunkt O N
der Eigengeschwindigkeit hat. Jeder Punkt. W der Ebene entspricht Fig. 2.
so einem bestimmten Wind, dessen Geschwindigkeit gleich seiner Ent- F/uvgrichtung
fernung von O, und dessen Richtung relativ zur Flugrichtung durch den w.
Winkel zwischen OW ‚und der Verlängerung von. A O-(der Eigen- w—.
geschwindigkeit 1) bestimmt ist. Der Punkt W möge kurz „Windpunkt“
heißen.‘
Dann findet die erste Grundaufgabe a) sofort ihre Lösung, in-
dem man den: Anfangspunkt A der KEigengeschwindigkeit mit dem
durch Polarkoordinaten festgelegten Windpunkt W verbindet. AW
gibt der Richtung‘ nach den Kartenkurs, der Größe nach zZ, die Ge-
schwindigkeit über Grund, und im Winkel OAW die Abtrift. In
diesem System: dürften insbesondere die Linien gleicher Abtrift und
gleicher Geschwindigkeit über Grund interessieren. Da die Abtrift am Punkte A
gemessen wird, so liegen sämtliche Windpunkte W, welche zur gleichen Abtrift
gehören, auf der Geraden, welche mit O0 A den betreffenden Abtriftwinkel bildet.
In dem Diagramm sind daher Linien gleicher Abtrift alle Strahlen
durch A, und die Abtrift ist gleich der Hälfte des Winkels
am Kreisumfang vom Radius l, durch den der Strahl durch
A geht, was nach dem Gesetz vom Peripheriewinkel leicht ersichtlich
ist. Da anderseits die Geschwindigkeiten über Grund alle von dem
Punkt A aus gemessen werden, so sind im Diagramm die Linien
gleicher Geschwindigkeit über Grund bei gegebener Eigen-
geschwindigkeit und Eigenrichtung (Steuerkurs) konzen
trische Kreise um den Punkt A. In dem beigegebenen Dia-
gramm ist dieses System gleicher Abtrift und gleicher Geschwin-
digkeit über Grund durch unterbrochene Linien angedeutet. Die
Schnittpunkte haben Entfernungen von A, die den Geschwindig:
keiten Ma = 0.1; 0.2; 0.3 usw. entsprechen, und ergeben Abtriften
von 5° zu 5°. (Taf. 8.)
Wendet man sich der dritten Aufgabe zu, bei der das Wind-
dreieck zu zeichnen und auszuwerten ist aus Eigengeschwindigkeit,
Kartenkurs und Wind nach Richtung und Geschwindigkeit, so ginge
man bei der Zeichnung mit Zirkel und Lineal so vor, daß man in
einem beliebigen Punkte X. des Kartenkurses zunächst den Wind nach
Richtung und Geschwindigkeit anträgt und von diesem Punkte A’ mit der Eigen-
geschwindigkeit in den Kartenkurs einschlägt. Ergänzt man die Figur zum Ge-
schwindigkeitsparallelogramm, so ist OW wieder der Wind nach Richtung und
Geschwindigkeit, A’W Geschwindigkeit über Grund und Winkel O0 A’W Vor-
haltewinkel. Um diese Figur mit unserm Diagramm (Tafel 8) in Verbindung zu
bringen, lege man das Winddreieck so auf, daß O in den Mittelpunkt, W in den Wind-
punkt des Diagramms fällt. Dann sind sämtliche Punkte A’ von O gleich weit
entfernt und liegen demnach auf dem Umfang des äußersten Kreises mit
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zeug aus seinem Steuerkurs (Kurs durch die Luft = Kurs durchs Wasser in der Nautik) verdrängt.
Auf See. erleidet aber das im Wasser sich bewegende Schiff seine Abtrift durch den Wind (Unter-
schied zwischen Kurs durchs Wasser und Kurs. über Grund), Dem Worte „Abtrift‘“, wie es bei den
Fliegern gebräuchlich ist, würde dagegen in der Nautik eher ein Winkel entsprechen zwischen der
Fahrt vom Abgangsort zum gegißten Ort und der Fahrt vom Abgangsort zum wahren Ort. Begrifflich
steht es so mit der Besteckversetzung auf einer Stufe. Zur. Vermeidung solcher Unklarheiten
würde daher der Flugsteuerkunde ein anderes Wort als Abtrift, etwa Abdrängung, zu empfehlen sein.