366 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November/Dezember 1918.
die Pause um O, bis A und B auf demselben Meridian liegen, und lese nun den
Breitenunterschied von A und B in Gradmaß (1° =111.2 km) ab. Die eine
Spitze des Dreispitzzirkels stelle man in O ein, die beiden andern in A und B
und drehe den Zirkel um die Spitze O, bis die beiden andern Spitzen auf dem-
selben Meridian stehen. Nach Angabe von G. Pellehn benutzt man zu Strecken-
messungen am besten und schnellsten gewöhnliches Schreibpapier, da es während
der Messungen von Verzerrungen frei ist. Man legt eine gerade Kante des
Papierbogens so, daß sie durch A und B geht, und markt die Punkte auf dem
Papier an. Dann knifft man den Bogen so, daß
der Kartenmittelpunkt. O an die Kniffkante zu
liegen kommt, und dreht den Bogen um O.“
Die so beschriebene, in verschiedenerlei Weise
ausführbare Drehung kann, wie schon oben be-
merkt, nicht nur zu Streckenmessungen, sondern
auch mit fast gleicher Leichtigkeit zu Winkel-
messungen benutzt werden, Denn nach Aus-
führung der Drehung (Fig. 7) kennt man auf dem
Meßkreise die Durchschnittspunkte A’, und B’,
des Meridians, auf dem die Punkte A uud B in
A’ und 3’ zu liegen kommen, und kann nun, da
auch die Größe der Drehung bekannt ist, durch
Zurückdrehen um diesen Winkel die Durchschnitts-
punkte A, und B, des Großkreises in der ur-
sprünglichen Lage mit dem Meßkreis finden. Die weitere Messung kann dann
in der früher beschriebenen Weise ausgeführt werden. Oder noch einfacher:
Auf dem Pauspapier markt man nicht nur die Punkte A und B an, sondern auch
die Durchschnittspunkte des durch A gehenden Meridians mit dem Meßkreis,
dreht dann die Pause um O, bis A und B auf demselben Meridian liegen, und hat
nun in den Endpunkten dieses Meridians und den auf dem Pauspapier bei der
Drehung mitgenommenen Endpunkten des Meridians durch A alle Bestimmungs-
stücke, die zur Messung des Azimuts nach unserer Methode nötig sind.
Wegen der einheitlichen Ausführung der Strecken- und der Winkelmessung
glauben wir daher zum Schluß das Verfahren der besonderen Beachtung des
ausübenden Kartographen empfehlen zu dürfen.
ABG- Tafeln als Höhentafeln.
Von K. Bärlein.
Auf See ist es häufig von Vorteil, den Kimmabstand eines zur Orts-
bestimmung zu beobachtenden Gestirns vorher auf dem Sextanten einzustellen,
anstatt das Spiegelbild des Gestirns von seiner Nullstellung auf die Kimm
herunterzubringen. Ist z. B. die Sonne infolge starker Bewölkung nur gelegent-
lich für einen Augenblick sichtbar, dann ist dieser sehr oft zu kurz, um durch
„Herunterholen“ der Sonne einen brauchbaren Kimmabstand zu erhalten, ander-
seits aber meist lang genug, um bei vorher etwa für Zwischenzeiten von 20 Minuten
errechneter und eingestellter Höhe eine wertvolle Beobachtung zu ermöglichen,
Sternbeobachtungen in der Dämmerung können, wenn die angenäherten Höhen
vorher eingestellt werden, zu einer zuverlässigen Ortsbestimmung so gewählt
werden, daß man morgens mit der letzten, abends mit der ersten Gelegenheit
beobachtet, also dann, wenn die Kimm meistens am besten ist, während es aber
schon oder noch zu hell ist, um die Sterne „herunterholen‘“ zu können, obwohl
sie in den Spiegeln gut zu sehen sind. Ähnliches gilt für Beobachtungen von
Venus, Jupiter oder hellen Fixsternen am Tage, welche ohne vorherige Berech-
nung der Höhe und des Azimuts nur selten gemacht werden können. Zu Beob-
achtungen im Meridian oder in seiner Nähe ist es wohl allgemein üblich, die