Schulz, B.: Die Frage der Permanenz. der Uzeane und Kontinente, 837
atlantischen Kontinentalränder als. junge Spaltenränder zu sehen, Auch die von
Wegener aus dem Verlaufe der Strukturlinien der Festländer im Osten und
Westen des Atlantik abgeleiteten Beweise halten der Kritik nicht stand. Weder
für das algonkische Gneisgebirge, die kaledonischen Falten in Nordeuropa noch
für das Kapgebirge in Südafrikal) sind die von Wegener angenommenen trans-
atlantischen Fortsetzungen wirklich nachweisbar. Auch der als der überzeugendste
angeführte Grund, nämlich die Art des Auftretens der amerikanischen Gebirgs-
ketten auf europäischer und amerikanischer Seite wird von Soergel nach ein-
gehender Diskussion abgelehnt. Die heutige Streichungsrichtung ist mit. einer
Verschiebung der Kontinente im Sinne Wegeners unvereinbar. Soergel kommt
zu dem Schluß, daß die Auffassung, die ost- und westatlantischen Kontinental-
ränder begrenzten die relativ junge’ atlantische Spalte, nicht aufrecht zu er-
halten ist. Er stützt dieses Urteil außer durch die angedeuteten noch durch
zahlreiche andere geologische Gründe, In der Ablehnung der Wegenerschen
Theorie stimmt Diener mit Soergel überein, der besonders aus dem Bereich des
Indischen: Ozeans Tatsachen‘ angeführt hat, die mit den Wegenerschen’ An-
schauungen unvereinbar sind, ; U
Wird so von den Vertretern der Lehre von der Permanenz der Ozeane
und Kontinente im Gegensatz zu den Anhängern ausgedehnter Brückenkontinente
und denen der Kontinentalverschiebung eine relative Beständigkeit in dem Ver-
hältnis der Tief- und Hochgebiete zueinander angenommen, so wird doch auch
von ihnen eine gewisse Veränderlichkeit zugegeben. Die oben angeführten mit
Sicherheit anzunehmenden Veränderungen der Kontinente seit der Vorzeit zeigen,
daß die. Festländer früher einheitlicher und ausgedehnter gewesen sein müssen.
Nicht nur durch Zusammenfalten der Erdrinde, sondern auch durch Absinken
von Schollen in ozeanische Tiefen ist eine Verminderung ihrer Fläche ein-
getreten, der nur an vier wenig ausgedehnten Stellen ein‘ Emporsteigen von
Schollen aus abyssischen Tiefen gegenübersteht. In der Entwicklung des
Erdreliefs tritt demnach die Tendenz. hervor, daß die Fläche der
Kontinentaltafel abnimmt, die Tiefengebiete aber an Ausdehnung ge-
winnen, Aber noch eine weitere Tendenz ist erkennbar. Daß die in reicher
Abwechselung einander folgenden marinen Faunen der Vorzeit unmittelbar aus
der Tiefsee in‘ die kontinentalen Flachmeere eingewandert sind, erscheint aus-
geschlossen, es müssen Zwischenmeere mit mittleren Tiefen bestanden haben, in
denen die fortlaufende Entwicklung der marinen Tierwelt stattgefunden hat und
von denen aus die Besiedelung‘ der Flachmeere erfolgte, oder aber welche als
Vermittler zwischen Tief- und Flachsee dienten. Der Kontinentalabhang zwischen
Schelf und Tiefenregion muß früher flacher und der Gegensatz zwischen Hoch-
und Tiefgebieten der Erde weniger ausgeprägt gewesen sein. . Es zeigt sich hier
eine zweite Tendenz in der Gestaltung der Erdoberfläche: die zunehmende
Steilerstellung des Kontinentalabhanges, ein Schluß, zu dem auch Murray
und Dacque auf anderem Wege gelangten.
Beiträge zur Schiffahrtskunde.
1. Kurs- und Abstandsbestimmung eines passierenden Schiffes.
Die Bestimmung von Kurs und Fahrt eines vielleicht nur undeutlich oder
nur mit seinem Flaggenknopf usw. sichtbaren Schiffes scheint unmöglich. Und
doch geben Horizontalwinkelmessungen oder seemännisch gesprochen „Peilungen“
mit ihren Zwischenzeiten einen recht guten Anhalt zur Bestimmung von Kurs,
Fahrt und auch Abstand des Schiffes mit der Einschränkung, daß alle drei Werte
richtig sind sobald einer von ihnen richtig ist, daß sich bei dem Fehlen der
Kenntnis auch nur eines der Werte immer noch eine recht gute Annäherung an
1) Vgl. auch Sapper, Geographische Zeitschrift 1916 8. 290.