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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

336 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November/Dezember 1918. 
Alle diese für die geologische Vorzeit wahrscheinlichen Änderungen ver: 
wischen aber nicht die wichtige Tatsache, daß seit dem Präkambrium die 
großen Sammelbecken im Gebiet der heutigen Ozeane gelegen haben 
und die heute bestehenden Kontinente Hochgebiete gewesen sind. Da- 
mit entfällt die wesentlichste Voraussetzung für die Aufstellung der Wegenerschen 
Theorie. Soergel wendet sich aber außerdem auch gegen andere für die Kon- 
tinentalverschiebung angeführten Gründe. Wie eingangs erwähnt, nimmt Wegener 
an, daß der Tiefseeboden durch plastisches Sima gebildet sei und sieht einen 
Beweis in der Schlichtheit der Bodenformen der Tiefsee, Diese ist jedoch auf 
weit einfachere Weise erklärlich, indem nämlich durch das Fehlen der die feste 
Erdoberfläche modellierenden und Umlagerungen bewirkenden Kräfte ein ge- 
ringeres Ausmaß etwa vorhandener tektonischer Vorgänge anzunehmen ist. Daß 
diese auf dem Tiefseeboden außerdem mehr regional wirken und einen Flächen- 
charakter der Oberflächengliederung bedingen, im Gegensatz. zur Wirkung 
tektonischer Kräfte auf dem Festlande, folgt aus der grundverschiedenen Zu- 
sammensetzung der Gesteine. Die ursprünglich auf dem Festlande vorhandenen, 
der ersten Erstarrungskruste angehörigen Gesteine der Festländer sind im Laufe 
der geologischen Zeitalter mannigfach umgelagert; Kalksteine, Tone, Sand- 
steine usw. haben sich gebildet mit voneinander sehr abweichenden physikalischen 
und chemischen Eigenschaften. Auf diese heterogene Masse werden gebirgs- 
bildende Kräfte weit differenzierender wirken als auf die den Tiefseeboden 
bildenden Gesteine, die homogen sind, weil sie den an der Oberfläche wirkenden 
umlagernden Kräften nicht ausgesetzt gewesen sind. Hinzu kommt noch, daß 
die Tiefseeablagerungen die vorhandenen Unebenheiten ausgleichen. Zwar wissen 
wir über die Mächtigkeit der Tiefseebildungen nichts, doch wird man ihnen 
selbst bei äußerst langsamer Entstehung in Anbetracht der langen geologischen 
Zeiträume einen stark nivellierenden Einfluß zuschreiben müssen, Anderseits ist 
aber die Schlichtheit nicht so ausgeprägt, wie man sie bei Zähflüssigkeit des 
Meeresbodens erwarten sollte, Die Gliederung des Atlantik: in Becken, die 
Staffelung der von Osten nach Westen absinkenden Tiefen des allgemein als 
sehr alt angesehenen Pazifik sprechen nicht für die Annahme, daß der Tiefsee- 
boden durch..plastisches..Sima gebildet sei. 
Weiterhin weist Soergel darauf hin, daß das von Wegener als Beweis 
für das am Meeresboden freiliegende Sima herangezogene Vorhandensein zweier 
Maxima im Krustenniveau der festen Erdoberfläche, nämlich in 100 m Höhe und 
4700 m Tiefe, sich völlig zwanglos dadurch erklären läßt, daß die Entwicklung 
des Erdreliefs in großen Zügen durch Brüche und Flexuren beherrscht ist. 
Dann sind Flächen im Mittelniveau der starren Erdrinde (2400 m) nur in ge- 
ringer Verbreitung, wohl aber zwei sich vom Mittelniveau ungefähr gleich weit 
entfernende Niveaumaxima zu erwarten. Das ist auf der Erde der Fall, Das 
Niveaumaximum auf dem Festlande liegt 2500 m über dem Mittelniveau der 
starren Erdrinde, das zweite Niveaumaximum ungefähr gleich weit, nämlich 
2300 m darunter. 
Es liegt demnach keine hinreichende Begründung für die Annahme vor, 
daß der Meeresboden aus Sima gebildet ist; vielmehr ist wahrscheinlich, daß die 
salische Erdrinde auch den Boden der Tiefsee bildet, wenn sie auch aus 
isostatischen Gründen eine geringere Mächtigkeit besitzen wird als dort, wo sich 
die Kontinente befinden. 
Eine der wesentlichsten von Wegener als Beweis für den früheren Zu- 
sammenhang zwisehen Amerika und Europa—Afrika angeführten Tatsachen ist 
der Parallelismus ihrer atlantischen Küsten wenigstens in großen Zügen. Doch 
ist dies bei näherer Betrachtung wenig beweisend, da gerade in dem jüngsten, 
jungmitteldiluvialen Teile der Spalte zwischen Nordamerika und Europa die 
Parallelität recht wenig ausgeprägt ist, Die Iberische Halbinsel, Island, Grönland 
bedürfen einer wesentlichen Verzerrung, um bei einer Rekonstruktion des vor- 
atlantischen Kontinentalblocks Platz zu finden, aber auch im südlicheren Teil 
der Spalte ergeben sich Schwierigkeiten, und Soergel vermag in den morpho- 
logischen Tatsachen nur eine sehr schwache Stütze für die Auffassung der
	        
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